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4.6. (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli                   

4.6.1. Hanna von Radecki-Voegeli bleibt vorerst in Riga
367.37.1926.04.22.Rigasche.R.88Ob sie in Riga das Heim dessen Leitung sie 1917 übernommen hatte nach dem Krieg weiter führte oder ob sie nach dem Krieg oder später den Betrieb der Pension in der Villa von Radecki in Bilderlingshof wieder aufnahm bleibt unbekannt.
Sie hatte sich nun auch noch um ihren kranken Mann Arthur zu kümmern der dann jämmerlich am 7.9.1923 in Riga an Kehlkopfkrebs starb.

Doch entscheidende Veränderungen ergaben sich sicher. Sie stellte ihre Tätigkeit als Pensionsbetreiberin ein, denn in einem Inserat in der Rigaschen Rundschau Nr. 88 vom 22.04.1926 wird in Bilderlingshof folgende Liegenschaft angeboten:
      "Die Pension Radecki in Bilderlingshof gr. Prospekt 15, umfassend 2 Villen
      mit zus. 24 Zimmern, wird mit vollem Inventar vermietet oder verkauft.
      Näh. Auskunft dort und in Riga kl. Sandstrasse 12 bei C. Voegeli"


C. Voegeli war ihr Bruder (V10.8)Constantin Voegeli-Günther, der für sie offensichtlich dieses Geschäft erledigte. Es handelte sich hier wahrscheinlich einerseits um die Villa von Radecki und andererseits um die Pension von Radecki die auf derselben Parzelle standen. Wahrscheinlich kam es 1926 zu diesem Verkauf, denn diese Liegenschaften werden in der folgenden Geschichte nie mehr erwähnt.
Damit klärte sich die Adresse der "Pension Villa Radecki" wo Hanna seit vielen Jahren Zimmer vermietet hatte und auch dass es sich um zwei Häuser handelte. Zudem war auch die Adresse ihres Bruders Constantin Voegeli im Jahr 1926 gesichert.

370.L 143 Beil.7.KPl 091230 Riga.1885.SiechenhsCharl.5 Dl 06 1Ab 1926 übernahm (V10.2)Hanna die Leitung des Bergengruenschen Siechenhauses an der Charlottenstrasse 64. Aus diesem Grund wurde wahrscheinlich die Liegenschaft in Bilderlingshof veräussert.
Es gibt aus dieser Zeit vor während oder nach dem ersten Weltkrieg, Fotos vor einem Heim oder einem Spital (ev. Bergengrünsches Siechenhaus, Riga), wo Hanna in einem Lehnstuhl vor einer Belegschaft sitzt.

Am 14.11.1929 sendet jemand mit dem Absender Kindermann eine Ansichtskarte von Riga an (V10.2)J.v. Radecki, Bergengrünsches Siechenhaus, Charlottenstrasse 64, Riga, was darauf hinweist, dass sie dann immer noch dort arbeitete und vielleicht gar wohnte.
Der Sohn von Hanna (Ra3.1)Johannes Karl Arthur (Hans) von Radecki-von Meiss hatte sich inzwischen 1922 von Rosalie Albertine von Radecki-von Meiss scheiden lassen. Er heiratete in zweiter Ehe ca. im September 1922 Lydia Lysloff geb. 16.3.1896 (in Kebel?). Ihr gemeinsames Kind war (Ra4.1)Georg von Radecki geb. 18.10.1922, der geliebte und einzige Enkel von Hanna. (Ra3.1)Johannes Karl Arthur (Hans) von Radecki, der einzige Sohn von Hanna starb am 15.01.1931.

Die geschiedene Rosalie Albertine von Radecki-von Meiss (in unserer Familiengeschichte wird sie an anderer Stelle Rösli Hatt genannt) heiratete im September 1936 den verwitweten Heinrich Hatt-Haller geb. 1.5.1878 in Hemmenthal (SH). Dieser hatte aus einfachen Verhältnissen kommend 1902 in Zürich ein Baugeschäft gegründet, das seine Söhne und Schwiegersöhne später zur grossen Bauunternehmung HHH Heinrich Hatt Haller aufbauten.

 

 

 

 

 

371.Beil.3.Fo 2.FB.51.GeorgvRad1936371.(Ra4.1)Georg von Radecki 1936 bei seiner Grossmutter im Sunnahüüsli373.1.Beil.3.Fo 2.FB.52.GeorgvRad373.1.(Ra4.1)Georg von Radecki ca. 1945 als Priester der Russ. Orthodoxen Kirche(V10.2)Hanna blieb nach dem Tod ihres Mannes nur der Enkel Georg von Radecki (Georgik). Dieser ging 1939 bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges mit seiner Mutter Lydia von Radecki-Lysloff nach Russland, wo er als Priester der orthodoxen Kirche wirkte. Er wurde von den Kommunisten während oder nach dem zweiten Weltkrieg nach Sibirien verbannt. Dort studierte er Medizin und heiratete eine Frau von der nur der Vorname Milla bekannt ist. 1953 wird ein Standort Karaganda in Kasachstan genannt.

Gemäss Todesanzeige von Tante Hanna war er am 11. Mai 1964 wieder in Vilnius, Litauen zurück wo er in einem Spital arbeitet. Er soll mit seiner Frau zwei Kinder
gehabt haben.

 

 

 

 

 

Anlässlich dem traditionellen Hubertag am Samstag 17. September 1988 (immer am Samstag vor dem Bettag) bei (V11.5.3)Luzius Huber an der Allmendstrasse 23 in Küsnacht, war er in der Schweiz zu Besuch und liess sich mit (V11.5.1)Fortunat Huber auf eine leidenschaftliche politische Diskussionen ein. Er war trotz aller seiner schrecklichen Erlebnisse während seiner Verbannung in Sibirien, immer noch überzeugter Kommunist geblieben. Das Jahr seines Besuches wurde von (11.4.2)Benedict Probst-Ritter bestätigt, da Georgik bei demselben Besuch in der Schweiz auch (11.4)Gritli Probst-Voegeli zum Anlass ihres 80 igsten Geburstages in Basel besucht hatte.

4.6.2. Wiedereinbürgerungsbemühungen von 22.12.1931 - 17.01.1933
Das ganze Prozedere über die Wiedereinbürgerung von Hanna von Radecki-Voegeli dauerte einige Jahre. Ihr fiel es sehr schwer das Baltikum zu verlassen, es war ihre geliebte Heimat. Doch fast ihre ganze Familie hatte sich inzwischen in der Schweiz niedergelassen und ihre Schwestern taten alles dafür dass sie zu ihnen nach Braunwald kommen würde.

Am 22.12.1931 sendet der Schweizer Konsul (von Riga?) das Wiedereinbürgerungsgesuch von Frau Wwe. Johanna Amalie von Radecki geb. Voegeli an den Gemeinderat von Rüti Glarus z.hd. des Eidg. Justiz- & Polizeidepartement, Polizeiabteilung, Bern. Dem Gesuch liegen bei:
     1. der Heimatschein, ausgestellt den 8. Mai 1882 No. 438
     2. die Trauungsbescheinigung vom 13. September 1886,
     3. der Totenschein No. 484 ausgestellt am 11. September 1925 (Wahrscheinlich von ihrem Mann (Ra2)Arthur von Radecki
         der am 7. September 1923 verstorben war).

Am 31.12.1931 beantwortet der Chef der Polizeiabteilung des Eidg. Justiz- & Polizeidepartements mit Ref. Nr. P.8737 FR. an das Schweizerische Konsulat, Riga, Valdemara iela No. 7 dz.3. das Gesuch um unentgeltliche Wiederaufnahme in ihr früheres Bürgerrecht der Gemeinde Rüti, Glarus, wie folgt:
"Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass diesem gesetztes vom 25. Juni 1903 betr. die
Erwerbung des Schweizerbürgerrechtes und den Verzicht auf dasselbe nur solche ehemaligen
Schweizerinnen wieder eingebürgert werden dürfen, welche ihren ordentlichen Wohnsitz in
der Schweiz haben.
Es steht der Frau Radecki frei, ein neues Gesuch einzureichen, sobald sie
zu dauerndem Aufenthalt in die Schweiz zurückgekehrt ist. Wir sind gerne bereit, ihr alsdann
das amtliche Gesuchsformular und eine Anleitung zuzustellen."


Am 05.01.1932 retourniert der Konsul von Riga diese Unterlagen an Frau J. v. Radecki.

Am 08.09.1932. schreibt von Braunwald, (V10.3)Ella eine Karte, (V10.5)Gustchen und (V10.4)Marie unterschreiben, an (V10.2)J. v. Radecki, Bergengrünsches Siechenheim, Charlottenstrasse 64, Riga. "Bevor ich von hier abreise (Ella) fahr ich zu (V9.7)Onkel Paul. (V10.7)Jeannot geht es nicht gut".

Am 07.10.1932 schreibt (V10.4)Maria Theophila Nolcken-Voegeli (Marie) von Braunwald an den Konsul von Riga einen Brief mit ungefähr folgendem Inhalt: "Wir möchten Sie im Sunnahüüsli begrüssen. Könnten Sie in Bern für die Wiedereinbürgerung von Frau v. Radecki behilflich zu sein".

Am 21.10.1932 antwortet der Schweizer Konsul von Riga sinngemäss so: "Ich habe die Sache mit ihrem Herrn (V10.8)Bruder eingehend besprochen. Am besten kommt Ihre Schwester für einige Zeit in die Schweiz um die Wiedereinbürgerung zu erlangen".

Am 31.10.1932, schreibt Frau (V10.4)Maria Theophila Nolcken-Voegeli (Marie) von Braunwald an den Konsul von Riga:
(Den Brief kann ich leider nicht entziffern......)

Am 24.11.1932 schreibt der Schweizer Konsul von Riga an die Eidg. Fremdenpolizei, Bern:
" In der Beilage beehre ich mich Ihnen ein Gesuch der lettischen Staatsangehörigen Johanna v. Radecki geb. Voegeli zu übermitteln, mit der Bitte, derselben baldmöglichst die Niederlassungsbewilligung zu erteilen, da sie von dort aus die nötigen Schritte wegen der Wiedereinbürgerung unternehmen möchte. Die Frist läuft im September 1933 ab".

Am 13.12.1932 antwortet die Eidg. Fremdenpolizei mit Ref. Nr. 742 817. WH/MS dem Schweizer Konsul in Riga sinngemäss so:
"Wir bitten Sie der Gesuchstellerin zu eröffnen, dass ihr Aufenthalt bei den Schwestern in Braunwald zugesichert wird, sofern sie einen einwandfreien Leumund besitzt. Eine Erwerbstätigkeit wird nicht gestattet".

Am 07.01.1933 stellte die Rigaer PRAEFEKTUR eine Bescheinigung aus, dass gegen Frau J. v. Radecki weder in krimineller noch in politischer Hinsicht kompromitierende Daten vorliegen.

Offenbar reiste darauf Frau J. v. Radecki 1933 in die Schweiz nach Braunwald. Unterlagen dazu habe ich nicht gefunden.

376.1.Beil.3.Fo 2.FB.50.Hannasch1935376.1.Hanna von Radecki-Voegeli im Kreise ihrer Mitarbeiter des Bergengruenschen SiechenhausesWie lange genau sie im Bergengrünschen Siechenhaus tätig war und in welcher Position liess sich nicht sicher feststellen, aber offenbar leitete sie dieses Krankenheim von 1926 bis 1933. Bevor sie sich definitiv in die Schweiz zurückzog hat sie sich sicher noch von ihrer Belegeschaft verabschiedet, für die sie seit fast 10 Jahre verantwortlich war. Davon gibt es ein Erinnerungsbild.

 

 

 

 

 

 

4.6.3. Vorübergehender Aufenthalt in Braunwald, Januar 1933
Mit Datum vom 16.03.1933 wird sie gemäss Familienbuch wieder eingebürgert.
Vom 22.04.1934 finden wir eine Karte von Annemarie? aus Alexandria Aegypten, rue Behring 1, Rond Point, an liebes Tante Hannachen, Kaffeestübli, Braunwald. "Es tut mir leid, dass es Tante (V10.5)Gustchen so traurig geht. Bitte grüsse Hansi & Familie sowie die Tanten".

Bereits 1934 bemühte sich (V10.2)Hanna wieder eine Wohnung oder ein Haus in Riga zu finden, denn vom 10.10.1934 findet sich eine Postkarte von Lisbeth(?) aus Riga an Frau J. v. Radecki: "Ich habe Dich schon in diesen Tagen hier erwartet. Es tut mit leid, dass aus der Wohnung nichts geworden ist. Möchtest Du in der inneren Stadt wohnen? Auf bald".

374.1.Adresse Hanna v.R.1935Offenbar ist sie 1935 wieder für einige Zeit nach Riga in eine Wohnung gezogen, das Heimweh nach Riga war grösser als ihre Beziehung zu Braunwald.
Denn vom 25.09.1935 existiert eine Postkarte aus Riga von (Gü4.7)Lore und (V10.8)Conny an (V10.4)Marie Nolcken in Braunwald. "Haben heute in Hannas reizendem Heim verbracht. Gruss in Liebe, Hanna. Ich bin ganz begeistert von T. Hannas Wohnung, (V10.8.1)Erika. Gruss von Lydia (Frau von (Ra3.1)). Gruss von (Ra4.1)Georgik".

Offenbar hält sie sich 1935 nochmals in Riga oder Bilderlingshof auf. Sie könnte vor ihrem Umzug an der Pulk(veza) Brieza iela 9 gewohnt haben, denn diese Adresse wird als massgebende Adresse für die Herkunft ihres Umzugsgutes nach Braunwald angeführt.

 

 

 

 

 

 

4.6.4. Definitive Übersiedlung nach Braunwald im Januar 1936
Ende 1935 oder im Januar des Jahres 1936 ist sie im Alter von 70 Jahren definitiv in die Schweiz nach Braunwald gezogen, denn am 17.01.1936 stellt das Schweizerische Konsulat eine Bescheinigung aus, "dass die oben angeführten Sachen seit mehr als 6 Monaten im Besitz von Frau Johanna von Radecki sind und als Umzugsgut von Riga Pulk(veza) Brieza iela 9, nach der Schweiz, Braunwald gehen". Akte 461-63, Dossier BAR: E 2200.66 1000/668. Dossier 461.
1936.05.19. Karte von Frau xxxxxxx, Kronvalda bulv.6, 6 Riga. An Frau J. v. Radecki Braunwald. xxxxx
1937.08.31. Karte von Allchen? und Meira? aus Kemeri-Riga. An J. v. Radecki. War sonntags in Bilderlingshof. Ich sah ihr altes liebes Haus.
1939.08.12. Karte von Lydia (Frau von (Ra3.1) aus Majori, Lettland an Mama (Hanna). Gruss aus Kemmern, sonst leben wir in Bilderlingshof. Liebes Ohmichen und T. Marie, Grüsse Georgik

Von nun an bis zu ihrem Tod am 11.05.1964 lebte Hanna in Braunwald im Sunnahüüsli.

378.1.Beil.3.Fo 9.FSu.21.Hanna86Geb1951Der Familienzusammenhalt der Geschwister Voegeli war sehr gross. Die Geburtstage von Hanna von Radecki-Voegeli war immer ein Anlass um sich im Sunnehüüsli zu treffen. Der Geburtstag wurde im grossen Kreise der Familie gefeiert. In der Pension Sunnehüüsli wurden alle Gäste reichlich bewirtet. Üppige Fleischplatten kamen auf den Tisch und es wurden zum Essen die sagenhaften im Hause frisch gebackenen Mohnsemmeln und die noch berühmteren Speckküchlein angeboten. Zum Nachtisch hatte  unsere alte Tante Hanna viele Baltische Backwaren vorbereitet, die alte Tradition des 1919 gegründeten Kaffestübli wurde weitergeführt.
Im Jahre 1951 traf man sich am 8. April zum 86 igsten Geburtstag von Hanna.
Hintere Reihe v.l.n.r: (Gü4.8)Olga Voegeli-Gunther, (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli, (V10.8)Conny Voegeli-Günther, (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli.
Vordere Reihe v.l.n.r.: Emil Reiss-Voegeli, (V11.6)Edith Reiss-Voegeli, (V10.3.)Ella Hefti-Voegeli, Jacques Hefti-Voegeli.

(V10.3)Ella war das letzte Mal dabei, denn sie starb bereits am 7. November 1951 in Walzenhausen


382.1.Beil.3.Fo 9.FSu.13.90.Geburtstag382.1.(V102)Hanna von Radecki-Voegelis 90.Geburtstag im Sunnähüüsli. V.l.n.r. hintere Reihe: (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli, (V11.4)Gritli Probst-Voegeli, (Gü4.7)Lore Voegeli-Günther, unbekannte Person, Christine Bormann - nun die Dienerin von Hanna, Emil Reiss-Voegeli. Vorne sitzend: (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli

384.1.Beil.3.Fo 9.FSu.25.Hanna95Geb1960384.1.(V10.2)Hanna und ihre Dienerin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum 90 igsten Geburtstag von (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli am 8. April 1955 traf man sich wieder. Braunwald lag noch unter tiefem Schnee.

Nach dem Tod von (10.3)Ella Hefti-Voegeli im November 1951 fühlte sich die nur Lettisch sprechende Christine Bormann mit dem nun verwitweten Jacques Hefti-Voegeli in Walzenhausen völlig verloren ohne Ihre Gnädige (Ella Hefti-Voegeli) der sie fast ihr ganzes bisheriges Leben gedient hatte. Sie zog nach Braunwald zu (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli, der fast einzigen  Person die mit ihr noch Lettisch sprechen konnte.


388.1.Beil.3.Fo 9.FSu.28.Sunneschuss386.1.Beil.3.Fo 9.FSu.26.Hanna95Geb1960Bis zum 95 Geburtstag am 8. April 1960 war es um (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli im Sunnehüüsli immer ruhiger geworden, alle ihre Brüder und Schwestern waren inzwischen gestorben nur sie hatte überlebt und an ihrer Seite harrte aber immer noch ihre Dienerin aus. In grosser Treue diente Christine Borman weiter. Auf dem letzten Bild der beiden stehen sie in der Veranda des Sunnehüüsli. Hinter ihnen an der Wand hängt ein grosser runder bemalter Blechteller, ein letztes Erinnerungsstück an ihr geliebtes Riga und an eine Zeit voller Schrecken und Kummer. Im Blechteller prangte ein grosses rundes Einschussloch. Als die Bolschewiken 1917-18 die Bevölkerung von Riga terrorisierten, harrte Hanna in ihrer Wohnung aus. Junge Burschen und die berühmten Flintenweiber zogen durch die Stadt und feuerten auf alles was sich in den Häusern hinter den Fensterscheiben bewegte. Dieser Schuss hatte ihr gegolten, aber er traf glücklicherweise nur den an der Wand im Wohnzimmer aufgehängte Blechteller. Dieses Erinnerungsstück hatte sie aus Riga mitgebracht.

 

 

Der Frühling 1960 war warm, so kam zu ihrer grossen Freude ihr treuer Freund Herr Klavadel zu Besuch auf einen Tee mit Kuchen, der ihnen ihre treue Dienerin Christine Bormann servierte. Herr Klavadel war ihr seit Jahren bei administraiven Arbeiten behilflich, denn bis zuletzt beherbergten die beiden uralten Frauen noch einzelne treue Stammgäste in ihrer kleinen Pension.