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4.10. Familie von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther nach der Russischen Revolution
4.10.1.1. Leben in Chefoo, China
Da (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther wegen der Russischen Revolution überstürzt aus Wladiwostok wegziehen musste, war er froh, dass ihm zugesichert worden war im Herbst 1919 die Vertretung der freien Flotte in Tschi-Fu (Chefoo) in China übernehmen zu können.
Noch im März 1919 machte er eine Erkundigungstour nach Yantai (Chefoo) um sich umzuschauen wo er sich dort niederlassen könnte. Im Dokument wird festgehalten, dass er sich für die Russische Freie Flotte am 3. März 1919 auf die Reise nach nach Peking, Shanghai und Yantai begebe und seine Familie nicht mitbringen werde. Dann kehrte er offenbar nach Wladiwostok zurück um seine Auswanderung nach Chefoo vorzubereiten.
706.Chefoo oder Yantai am Eingang zur Bucht von Peking BO HAIChefoo,
707.1.Das Hinterland von Chefoooder Yantai wie es heute genannt wird, war eine wichtige Hafenstadt am Eingang zur Meeresbucht von Peking.
Dort wollte sich (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Drescher mit seiner Vertretung der Freien Russischen Flotte niederlassen. Chefoo war früher eine der drei wichtigsten von ganz China, am Eingang in die Bucht kamen alle Handelsschiffe vorbei. Dort wurden sehr viele Güter umgeschlagen und auf dem Landweg weiterbefördert. Vorallem war Chefoo auch von vielen ausländischen Delegationen als ein wichtiger Stützpunkt für ihre Konsulate und Handelsvertretungen gewählt worden.
Die Stadt Chefoo selbst war 1919 noch eine ursprüngliche Chinesische Handelsstadt mit vorwiegend zwei bis dreigeschossigen Holzbauten. Die Strassen waren eng und nicht gepflästert. Der ganze Transport geschah mit Karren die von Pferden oder Wasserbüffeln gezogen wurden oder mit grossrädrigen Rischkas die von Kulis gezogen wurden.
Fast nur die Ausländischen Delegationen hatten die Mittel mehrgeschossige Bauten in Backstein aufzurichten.
707.2.Die Bucht von Chefoo mit dem Tower-Point
707.3.Die Region von Chefoo
707.4.Moderner Stadtplan von Chefoo mit dem Radio-Signal Tower
712.1.Sicht vom Land her über die Hafenstadt Chefoo
Die Bucht von Chefoo weist geografisch, geologisch und aus Sicht der Seefahrt hervorragende Eigenschaften als natürliches Hafenbecken genutzt zu werden. Sie ist einerseits durch eine breite sichelartig vorgelagerte Halbinsel und durch eine Inselgruppe vor Stürmen aus allen Himmelsrichtungen geschützt. Zudem ragt hinter dem natürlichen Hafen ein bedeutsamer Hügel in den Himmel, der von weither sichtbar ist und darum einerseits den Hafen suchenden Schiffen als Navigationshilfe dient und andererseits erlaubt das vorgelagerte Meer zu beobachten. Jahrhunderte lang war das Gebiet immer wieder von Piraten heimgesucht worden. So konnte die Bevölkerung in der Hafenstadt rechtzeitig vor solchen Angriffen gewarnt werden. Meist flohen sie ins Hinterland, wenn die Zeit dazu reichte.
708.3.Tchefou mit den Lastkähnen im HafenbeckenDie Bucht hatte nur den Nachteil dass sie nicht tief war, das hiess, dass die Schiffe damals nicht direkt am Ufer der Bucht anlegen konnten. Das gab dafür hunderten von chinesischen Kleinunternehmern die Möglichkeit mit ihren Lastkähnen ihre Dienste zur Entladung und Ladung der Frachten und Passagiere anzubieten.
Im Hintergrund sieht man den Signalturm für die Schiffahrt sowie die zwei markannten gemauerten Bauten.
Direkt am Ufer der Bucht standen die vielen Lagerhäuser wo die Schiffsladungen der Handelshäuser untergebracht wurden.
708.1.Die Beach von Chefoo mit ihrem WohnhausDas zweite bedeutende Merkmal dieser Hafenstadt war markante steile Hügel, der sich östlich der Hafenbucht erhob und in die Bucht hineinragte. Wie ich beim Studium der vielen Unterlagen herausfand war die verwirrende Vielfalt der Namen die er trug. Es dauerte eine ganze weile bis ich herausfand, dass alle die vielen Hügelnamen einer und derselben Erhebung galt. Meine Neugierde wurde vorallem durch ein Bild auf einer Postkarte geweckt, die eine befreundete Familie am 24.12.1922 mit den besten Wünschen zu Weihnachten und zum neuen Jahr der Familie John C.R. Voegeli nach Braunwald gesendet hatte. Darauf ist ein Strandabschnitt von Chefoo abgebildet "The Beach Chefoo". War es nicht naheliegend, dass dort die Familie gewohnt haben könnte?
Im Hintergrund sind auf dem Tower-Point-Hügel die Signalmasten und links davor am Horizont ein markantes mehrgeschossiges gemauertes Gebäude. Am Fusse des Hanges direkt am Strand ist ein mit Mauern umfriedetes Grundstück mit verschiedenen Bauten und niederem Baumbestand zu erkennen. Am linken Bildrand steht ein kleiner Pavillon mit vier Säulen. Beim genaueren Studium aller Fotografien aus dem Familienalbum kam mir in den Sinn, dass ich dieses kleine markante gemauerte Nebengebäude schon auf einer anderen Foto gesehen hatte. 709.1.(V11.6)Edith und (V11.7)George beim Spiel vor dem NebengebäudeIn den Unterlagen fand ich dann auch ein Bild auf dem die zwei jüngsten Geschwister (V11.6)Edith und (11.7)George beim Spielen im Garten vor diesem Gebäude auf einer Fotografie festgehalten waren, das ihre ältere Schwester (V11.1)Lorli mit ihrer Kodak-Box aufgenommen hatte die sie zu ihrem 16. Geburtstag im Jahr 1920 bekommen hatte. Darauf war dieses markante Gebäude mit dem Kamin auf dem Dach in exakt derselben Position und derselben Fassadeneinteilung und Lage der Fenster festgehalten und das Gebäude lag auch mit seiner Stirnseite direkt an der Umgrenzungsmauer und diese Mauer lag direkt an der Beach.
Nun erinnerte ich mich wieder, dass meine Mutter (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli erzählt hatte, dass sie in Chefoo direkt am Meer gewohnt hätten. Es habe einen grossen Garten gehabt mit langen eingeschossigen Wohngebäuden und verschiedenen Nebenbauten. Am südlichen Ende des Gartens an der Mauer zum Meer habe sich ein kleiner Chinesischer Pavillon mit pyramidenförmigem Dach und vier rot gestrichene Holzsäulen erhoben. Im hohen Alter hat sie diese Bauten in Erinnerung an China auf einem ihrer Oelgemälde festgehalten. Leider wurde das Bild nach ihrem Tod entsorgt.
Nun erinnerte ich mich auch plötzlich an eine Erzählung die meine Gotte (V11.6)Edith Reiss-Voegeli in Braunwald auf Anregung ihres geliebten Lehrers Beglinger über die schöne Zeit in Chefoo geschrieben hatte. Darin kam das Haus am Strand auch vor. (Die Geschichte ist im Kapitel 4.10.1.4. festgehalten)
711.1.Sicht auf das Hafenbecken von Chefoo mit dem Hügel und den zwei markanten mehrgeschossigen Bauten. Am Strand in der Mitte davor lag ihr WohnhausIch wollte nun herausfinden wo genau dieses Haus am Starnd von Chefoo gelegen war. Es zeigte sich beim weiteren Studium dass die Erhebung am Strand hinter dem Haus verschiedene Namen hatte, je nachdem aus welcher Sicht er benannt wurde. Für die Stadt war es der Tower Point, aus Sicht der Schifffahrt wurde er Signalhill genannt und die Fremden Eindringlinge aus Europa und Amerika nannen ihn Consulate-Hill, weil sich an dieser hervorragenden Lage verschiedene ausländische Konsulate oder Vertretungen niedergelassen hatten. So links am Horizont das Französische Konsulat mit seinem grossen markanten Bau das noch heute von einem grossen Park umgeben ist.
715.1.Klosterschule St. Francis am Fusse des Consulate Hill
715.3.Auf diesem Foto wird er Conventhill genannt
Die vier Schwestern (V11.1)Lorli, (V11.4)Gritli, (V11.5)Ellinor und (V11.6)Edith sowie der kleine Bruder George wurden in Chefoo, ganz in der Nähe ihres Hauses auf der Westseite des Tower-Hill in eine französische, katholische Klosterschule (St. Francis) geschickt, wo sie von amerikanischen Nonnen unter vielem anderen auch Französisch und Englisch lernten. Ihrer Mutter war es wichtig, dass die Nonnen keinen religiösen Einfluss nahmen, denn sie wollte ihre Kinder in lutherischem Glauben erzogen haben. Erst auf Grund dieser Foto vom Hügel her auf das Kloster konnte ich herausfinden wo sich diese Schule in der Stadt Chefoo befand. Sie lag am Strand direkt auf der anderen Seite des Hügels gelegen in kurzer Distanz vom Wohnhaus der Familie Voegeli. Von der anderen Hügelseite her betrachtet wurde er von den Kirchenleuten Conventhill genannt, weil dort das Französische Kloster St. Francis mit seiner Schule stand.
Die erste Quittung der Klosterschule, die über Leistungen für die drei Kinder Lorli, Gritli und Ellinor abrechnete stammt vom 27. Oktober 1919. Folglich ist die Familie Ende September oder anfangs Oktober aus Wladiwostok in Chefoo eingetroffen. Die letzte, der lückenlos noch vorhandenen Quittungen stammt vom 30. November 1922.
714.1.Chefoo-OFFICE
732.1.Hinten das Franz. Konsulat
Nun wusste ich genau Bescheid über den ganzen Lebensraum der Familie. Der Entscheid von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther sich genau an diesem Standort niederzulassen war sehr klug. Dass er sein Büro auch in seinem Wohnhaus hatte ist auf einer Foto ersichtlich, denn am Haus hatte er ein Schild mit der Aufschrift Office anbringen lassen. Von diesem Standort aus hatte er die beste Übersicht über alle Schiffsbewegungen und über die Lastkähne die er ja für die Be- und Entladung seiner Schiffe beaufsichtigen musste.Am Strand nebenan lagen alle Lagerhäuser wo die Waren nach der Abwicklung der Zollformalitäten mit den Chinesischen Zöllnern für die er ja auch zuständig war untergebracht wurden.
Doch schon bald drückten ihn immer schwerere Sorgen. Es war (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther auch an der neuen Stelle ein grosses Einkommen versprochen worden.
Er wurde offiziell mit dem Vertrag vom 19. September 1919 Nr. 6059/N als Leiter der Geschäftsstelle der "Freiwilligen Flotte" auf Provisionsbasis in Chefoo ernannt. Unterzeichnet wurde der Vertrag vom Verwalter M. Kusmenko und dem Abteilungsleiter A. Andrischewski.
In der Vereinbarung waren die Bedingungen und Entschädigungen detailliert aufgeführt. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther hatte aber vor seiner Abreise von Wladiwostok in der Kasse der Verwaltung ein Pfand von 10'000 Rubel zu hinterlegen, das er aber noch mit seinen künftigen Guthaben auf 20'000 Rubel aufzustocken hätte. Zudem behielt sich die Verwaltung das Recht vor nach dreimonatiger Kündigungsfrist auf seine Dienste zu verzichten. Seine Auftraggeber in Wladiwostok kamen immer mehr unter Druck der Kommunisten und Bolschewiken deren Einfluss nach 1919 stetig zunahm, was seine Geschäftstätigkeit immer mehr beschränkte.
Zunehmende Probleme mit der neuen Verwaltung
Schon bei den ersten Abrechnungen gab es mit der Verwaltung in Wladiwostok Meinungsverschiedenheiten über die Interpretation der Entschädigungsbedingungen im Vertrag. Zudem änderte die Verwaltung die neu besetzt worden war an der Sitzung vom 23.7.1920 einseitig und sehr zum Nachteil den Vertrag mit J. Voegeli. Im November 1920 liess er sich als Vertreter der Freiwilligen Russischen Flotte die notwendigen Reisepapiere für eine Reise zurück nach Wladiwostok ausfertigen um noch zu retten was zu retten wäre. Doch was er dort antraf war erschütternd. Er konnte sich mit der Verwaltung nicht mehr einigen.
Das Dokument oben ist vom Offfizier der Behörde für Foreign Affairs von Shandong, Yantai Office, Jilao Dong unterzeichnet und bestätigt lediglich, dass das Dokument keine Fehler enthält. Im Dokument in Englischer Sprache unten beglaubigt der Russische Konsul Guerassimow, dass der Träger des Visums, Herr John Vegely, 46 Jahre alt, Agent der Russischen Freien Flotte in Chefoo via Chemulko nach Wladiwostok reisen wird und über Gansan nach Chefoo zuückkehren wird.
Auf der Foto hat er sich vom Bolschewikenlook gemäss Passbild von 1919 wieder in einen normalen westlichen Geschäftsmann zurückverwandelt.
Die Geschäfte gehen immer schlechter
Nur bis zum Mai 1921 hatte die Agentur noch regelmässig gearbeitet da ihm genügend Schiffe zur Verfügung standen, doch sobald die Kommunisten auch in China fühlbaren Einfluss erlangten, wurde die Arbeit der Agentur vollständig unterbunden, da die Schiffe von den chinesischen Behörden beständig unter nichtigen Vorwänden monatelang in den Häfen zurückgehalten wurden, so dass keine Waren umgeschlagen werden konnten.
687.1.Wilhelm Klarlowitsch Schumacher und seine Frau 1919Mit Datum vom 16. November 1921 schickte ihm sein Freund Wilhelm Karlowitsch Schumacher der in Wladiwostok ausharrte einen langen traurigen Brief. Er harrte in einem der zwei noch der Familie Voegeli gehörenden Mehrfamilienhäuser an der Pushkinskaya Nr.15/17 aus um deren Interessen zu wahren. Er schrieb ihm schonungslos, was er von Wladiwostok, nach dem zunehmenden Einfluss der Sowjets noch zu erwarten habe, nämlich gar nichts mehr.
Absender: Wilhelm Karlowitsch Schumacher auf Briefpapier von Joh.H.Langelütje & Co
Wladiwostok 16. November 1921
Lieber Iwan Iwanowitsch!
Seit dem 10 v. M. habe ich von Ihnen keine Nachricht erhalten, die Y 2000.- übergab ich an Neide(?)-Hanamet am 21. Oktober, hoffe sie sind in Ihre Hände gelangt. Die Verhältnisse hier am Ort sind traurig genug, gar kein Geld in Umlauf, Handel todt und keine Aussicht auf bessere Zeiten. Ich beschäftige mich immer noch in der Rossija, aber dieses Jahr ist ein ganz trauriges, 75% der Versicherungen bleiben weg, die Klienten haben kein Geld die Prämien zu bezahlen, daher versichern sie nicht und verlassen sich auf den Herrgott, zum Glück sind Feuerschäden wenig zu verzeichnen. Die Hausbesitzer sind in schrecklicher Lage, die Mieten kommen schwer ein und sind bedeutend gefallen und freie Wohnungen sind viele zu haben, besonders Geschäftslokale und Packhäuser.
In unserem Hause habe alles vermietet, das Nursery Co stand lange leer, im Juli vermiete ich es, aber da der Mieter nur für einen Monat Miete im Voraus bezahlte und den zweiten schuldig blieb, bat ich ihn in Güte es zu räumen, was er auch tat, blieb die Miete für 2 Monate schuldig mit dem Versprechen bei Möglichkeit zu bezahlen.
Vom 1. ten November habe ich es als Wohnung abgegeben für Y 75.-.
Der Keller steht frei, keine Nachfrage. Die anderen Wohnungen sind von den alten Mietern besetzt. Mit Batjuschkow hatte viele Scherereien bis ich die rückständige Miete erhielt, er war vom April schuldig und zahlte nicht bis ich durch Gericht ihn auf Ausweisung und rückständige Miete verklagte.
Da von Sachen er nichts hat, was die Schuld deckte, legte ich durch das Gericht auf seine Forderung von einer seiner Aftermieter, welche er durch Beschlag auf Rennpferde durch Verkauf per Auction zu erzielen hoffte, diese gelang und ich erhielt das Geld incl. Gerichtskosten bis auf Y 150.-, welche er sich in diesem Monat zu bezahlen verpflichtete. Er blieb wohnen, ich habe einen neuen Kontrakt abgeschlossen auf ein Jahr, monatliche Zahlung a Y 250.- ohne Wasser im Voraus, bei Abschluss zahlte er für 3 Monate im Voraus, wovon die Miete für 2 Monate als Garantie für prompte Zahlung gilt, welche Summe am Schluss des Kontraktes verrechnet wird, ausserdem hat Leonid Bryner durch Aufschrift auf dem Kontrackte die prompte Zahlung garantiert. Iwanow zahlt immer wie früher faul, in Raten nicht über Y 50.- und ich muss ihm beinahe täglich die Hölle heiss machen, ist für 6 Monate schuldig, klagt sehr über seine Klienten, welche ihm auch nicht zahlen, also zeitgemäss. Hoffe doch allmählich alles von ihm zu erhalten.
Debel ist für 4 Monate Miete schuldig, ist augenblicklich ohne Beschäftigung, prozessiert mit der Nursery Co wegen rückständiger Gage und Procente c.Y 1500.- hat Beschlag gelegt auf die der Co gehörende Sämereien, welche am 19 d. M. per Auction verkauft werden sollen, dabei bekommt er das Geld und zahlt die Miete.
Findley zahlt prompt wie früher. Viel Lauferei und Mühe hat es mich gekostet mit dem Batjuschkow seiner Angelegenheit, bin froh sie erledigt zu haben.
Sonst ist hier alles in Ordnung, wegen Remonte des kleinen Hauses habe seiner Zeit geschrieben. Die Kanalisation functioniert bis jetzt gut, werden wohl in Zukunft die Grube reinigen müssen.
Kohlen habe einen Wagon gekauft zu Y 13.50 pro Tonne mit Zustellung. Von Früher habe noch einen halben Wagon noch, hoffe mit noch einen Wagon auszukommen, Kohlen sind viel am Platze und keine Teuerung vorauszusehen.
Das Haus zu verkaufen ist augenblicklich keine Aussicht, die Preise auf Häuser sind sehr gefallen und keiner kauft sie, wer noch Geld hat der wartet ab, für Anleihen auf Häuser erste Hypothek zahlt man am Ort bis 100% pro anno, klingt fabelhaft ist aber wahr. Für ein Butterbrot es zu verkaufen hat keinen Sinn, Verlust haben Sie nicht von Häusern, also warten wir bis die Preise annehmbar sind.
Jetzt müssen wir noch die Frage wegen der Wohnung, welche ich seit Ende April einnehme, entscheiden: meiner Meinung nach für die Mühen der Verwaltung des Hauses im Verlauf der Jahre müsste ich sie kostenfrei zur Benutzung haben, schreiben Sie mir offen Ihre Meinung darüber.
Wegen der allgemeinen Lage hier kann ich Ihnen nichts schreiben, sie ist dunkel, alles lebt nur in der Gegenwart, an die Zukunft darf man nicht denken, wenn Geld ins Land kommen würde, könnte man leben, aber wovon?
Sein Sie herzlichst gratulirt zu Ihrem Geburtstage, wünsche Ihnen alles Gute, hauptsächlich beste Gesundheit, dann kann man alles überstehen.
Die herzlichsten Grüsse an Ihre liebe Frau und küssen Sie die sämtliche Rasselbande von Ihrem W. Schumacher
Handschriftliche Ergänzung zu diesem Brief von seiner Frau
Lieber Iwan Iwaniowitsch
Gratuliere Ihnen herzlich, herzlich zu Ihrem Geburtstag, wünsche Ihnen und Ihrer Familie vor allen Dingen Gesundheit --- und in die Schweiz zu kommen im kommenden Jahre! Hilft .... gute Wünsche? Schade dass wir nicht zusammen, so nach alter Art, Ihren Geburtstag feiern können! Ja die Zeiten verändern sich.
Liebe Iwanowna und alle Kinder von Gross bis klein .... herzlichst geküsst von Ihrer alten Freundin .... Lutte.
Das Familienleben in Chefoo
Die Eltern liessen den Kindern ihre schweren Sorgen nicht anmerken, sie hatten alle die drei Jahre als glückliche Zeit in Erinnerung. Das älteste der Kinder hat in ihrem Fotoalbum ein ganze Reihe von Bildern aus dieser Zeit hinterlassen. Einige hatte sie selber geknips, andere waren von einem Fotografen aufgenommen worden. Dieses Album fand (V11.5.2d)Christian Cerliani-Hauri im Nachlass meiner Mutter (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli.
722.1.Hinten Mutter und Vater und vorne Gritli, Lorli und Elli, sitzend am Boden Edith und George
723.1.Gritli, Lorli und Elli
Diese Bilder zeigt die ganze Familie nach der Ankunft von Wladiwostok ungefähr anfangs 1920, als die Welt für sie noch einigermassen in Ordnung schien. Die Landesflaggen im Hintergund sind ein Zeichen ihrer Zugehörigkeit. Auf gleicher Ebene nebeneinander wird die Flagge von Russland und der Schweiz gezeigt. Sie fühlten sich eigentlich dem Russischen Kaiserreich zugehörig, in der Familie und im Freundeskreis sprach man beides Russisch und Deutsch. Aus den vier Mädchen waren in den wenigen Jahren hübsche Töchter geworden. Mit Stolz trugen sie ihre langen blonden Haare zur Schau die sie je nach Gelegenheit offen trugen oder zu langen Zöpfen flochten. In Chefoo mit allen den Chinesen mit ihren schwarzen Haaren, waren sie sehr auffallend.
Mutter Olga hatte seit ihrer Ankunft in China gealtert, der Kummer um ihre Familie zeichnete sie sehr. Auch Jeannot, 1920 bei der Ankunft in Chefoo noch voller Optimismus war nun 1922 voller Kummer und durfte es seiner Familie nicht zeigen.
Nur wenige herausragende Erlebnisse sind von den fünf Kindern überliefert, so der völlig überraschende Schneefall, der in mehreren Fotos von Lorli dokumentiert wurde.
Von Lorli sind einige Bilder geknipst worden, die die Kinder oder die Familie im Garten zeigen, doch brachten sie keine neuen Erkenntnisse zur Familiengschichte.
In Chefoo wäre es undenkbar gewesen dass eine europäische Frau gearbeitet hätte. Sie hatten deshalb alles nur Chinesen im Haushalt. Die Frau ihres chinesischen Koches war ihr Kindermädchen. Sogar zum spazieren sollten nur chinesische Mädchen eingesetzt werden, da weigerte sie sich aber denn unsere Mutter wollte selber mit uns spazieren gehen und die alte Chinesische Stadt mit ihren schönen Holzhäusern und allen den vielen interessanten Läden auskundschaften.
4.10.1.2. Eine Geschichte von (V11.6)Edith Voegeli, aus dem Chefoo von 1922
Trotz der überstürzten Abreise und den düstern Wolken, die über der Familie und der Zukunft lagen, blieb allen Kindern der Aufenthalt in China in bester Erinnerung.
Die kaum zehn Jahre alte Edith hat nur ein halbes Jahr später in einem Schulaufsatz in Braunwald ihre Erlebnisse in Chefoo sehr schön beschrieben. Ihr Lehrer J. Beglinger war davon so begeistert, dass er ihn sechs Jahre später im Feuilleton der Glarner Nachrichten in der Mittagsausgabe von Donnerstag dem 26.01.1928 publizieren liess. (Q15K.QO?)
1. In der Klosterschule in Chefoo
Wenn ich an die Zeit zurück denke, da ich mit 7 Jahren in Chefoo eine Klosterschule besuchte, erscheint mir alles wie im Traum. Chefoo ist eine Hafenstadt in der Provinz Schantung in Nordchina, die am Golf von Petschili liegt. Das Europäer-Viertel ist nur klein; aber das Chinesenviertel besteht aus einer unabsehbaren Menge von meist kleinen Häusern und engen Gässchen. In ganz Nordchina ist dies der gesündeste Ort und es kommen für die vier Sommermonate von überall her Sommergäste, die den schönen, flachen Badestrand benützen.
Die Schule des französischen Franziskanerklosters liegt dicht am Meeresufer, und in alles Lernen und alles Spielen tönt das Rauschen der Wellen.
Nach den Sommerferien führte mich die Mutter mit den älteren Schwestern auch in die Schule. – Nachdem wir durch das grosse Klosterportal eintraten, kam uns ein altes Mütterchen entgegen und führte uns in den Empfangssaal. Nachher schlug sie an einen Gong, der an der Wand hing, das war das Zeichen, dass Fremde gekommen seien. Eine Nonne erschien und begrüsste uns. Meine Mutter teilte ihr mit, dass ich jetzt auch in die Schule gehen solle, und die Nonne wollte mich in die Klasse führen. Aber da ich sah, dass meine Mutter nicht mit kann, fing ich an zu weinen. Da nahm mich die Nonne auf den Arm und sprach mir freundlich zu und trug mich in die Klasse. Durch die neue Umgebung abgelenkt, hörte ich auf zu weinen und schaute mich um.
Das Schulhaus war ein langes zweistöckiges Gebäude, in welchem oben die Schlafräume der Pensionärinnen und unten drei grosse helle Klassenzimmer lagen. Die Schülerinnen waren grösstenteils russische Mädchen aus Harbing, die nur in den Sommerferien heim konnten. Doch gab es auch Kinder vieler anderer Nationen dort. Sie waren in drei Klassen verteilt. Ich war natürlich in der untersten Klasse.
Im Schulzimmer standen die Wände entlang schwarz gestrichene Schülerpulte. Am einen Ende des Zimmers stand ein Tischchen für die Lehrerin und eine grosse schwarze Tafel. Die Pensionärinnen trugen als Alltagskleidung schwarze faltige Ärmelschürzen mit weissen Kragen. In der heissen Zeit trugen sie eigene helle Kleider.
Meine Lehrerin war eine junge Novizin die erst ein Jahr später zur Nonne geweiht wurde. Wir liebten sie sehr, denn sie war immer fröhlich; aber wir lernten gut bei ihr, weil sie auch streng sein konnte.
In der Schule wurde nur Englisch und Französisch gesprochen und alles wurde auch in diesen beiden Sprachen gelehrt.
Ich lernte nur Englisch, denn zu Hause bei der Mutter lernte ich noch Deutsch und Russisch und sie meinte, drei Sprachen wären genug für meinen kleinen Kopf. Nachdem ein Schuljahr um war, gab's einen grossen Schulfeiertag. Es wurden die katholische Geistlichkeit, der Konsul sowie die Eltern und Verwandten der Kinder eingeladen. Vorerst wurden die Zeugnisse verlesen und Belohnungen ausgeteilt. Es gab Lobblätter, farbig emaillierte Kreuze und Ehrenschreiben womit meine Schwestern mehrfach ausgezeichnet wurden. Mehrere Zöglinge verliessen die Schule und bekamen Diplome; das heisst sie bekamen Zeugnisse, dass sie die Schule beendet hätten. Nach der Verteilung wurden Theaterstücke aufgeführt mit Gesang und Musik; es wurden auch Gedichte vorgetragen und Tänze aufgeführt. Danach verteilte uns die Äbtissin eigenhändig kleine Säcke mit Süssigkeiten gefüllt, und man küsste sie zum Dank auf beide Wangen.
2. Ein Ausflug in Chefoo
Während unseres Aufenthaltes in Chefoo unternahmen wir einmal einen schönen Ausflug – schon am frühen Morgen eines schönen Sommertages waren unser chinesischer Koch und der Zimmerboy damit beschäftigt allerlei Vorräte und Geschirr einzupacken; denn wir hatten im Sinn den ganzen Tag fort zu bleiben. Der Bootsmann war am Ufer und hatte alle Hände voll zu tun, das Boot zu reinigen, der Vater ölte den Aussenbordmotor und wir Kinder liefen in freudiger Hast hin und her und konnten kaum erwarten, bis wir endlich abfahren konnten. Endlich war der Motor befestigt, die Vorräte verstaut und wir setzten uns im Boot an unsere Plätze. Das Boot war gross und für 18 Personen berechnet. Im Ganzen waren wir 12 Personen. Ausser den Eltern und uns 5 Geschwistern fuhren noch 2 Freundinnen meiner Schwester und der Bootsmann, der Koch und der Zimmerboy mit. Lustig knatternd lief der Motor an und wir gerieten auf den ruhigen Meeresspiegel hinaus. Der Zimmerboy war sehr furchtsam und sass deshalb am liebsten in der Mitte des Bootes und hielt sich am Sitz krampfhaft fest.
Wir wollten an das gegenüber liegende Ufer fahren; dazu mussten wir den Hafen durchqueren und um das eine Ende des 1 Kilometer langen Schutzdammes herum fahren ehe wir geraden Kurs auf unser Ziel nehmen konnten.
Indem wir uns dem Land näherten, sahen wir, dass Ebbe war und unser Boot nicht dicht bis ans Ufer heran konnte. Da zogen wir alle lustig die Schuhe und Strümpfe aus und waten bis ans Ufer. Dort gab's einen kleinen Schrecken, denn auf dem Sande liefen unzählige winzige Sandkrabben umher, die wie Spinnen aussahen und es war nicht gerade angenehm auf eines dieser Tierchen zu treten.
Jetzt suchten wir einen Ort, wo unser Lagerplatz sein sollte und unsere Leute brachten die mitgenommenen Vorräte, Decken und Kissen dorthin. Wir Kinder tummelten uns, während die Dienstleute unter Aufsicht der Mutter ein Mittagsmahl herrichteten; denn von der Fahrt waren wir hungrig geworden. Als das fröhliche Mahl vorüber war, machten wir uns alle auf, um die Gegend kennen zu lernen. Wir nahmen die Richtung landeinwärts und mussten zuerst durch ein grosses Feld auf dem wie wir meinten, Bohnen wuchsen. Der Vater erklärte uns aber, dass es Erdnüsse seien, wie man hier „spanische Nüssli" nennt. Das Blatt sieht wie ein Bohnenblatt aus und der Vater erklärte uns, dass die Frucht unterirdisch reift. Nach Durchquerung des Feldes kamen wir an eine kleine chinesische Farm. Der Besitzer war abwesend; aber seine Mutter und seine Frau mit 2 kleinen Buben zeigten uns bereitwillig ihr kleines Besitztum. Sie wohnten in einer Sennhütte, deren Tür im Sommer nur aus einer geflochtenen Matte bestand. Auf das niedere Dach hatten sie Kürbisranken hinaufgezogen und die grossen schweren Früchte lagen oben und reiften in der Sonne.
Die Frau mit dem jüngsten Buben war gerade dabei, Mais zu mahlen und wir sahen voll Interesse zu. Ein kleines Eselchen mit verbundenen Augen lief immer im Kreise und drehte so mittels einer Stange einen schweren Mühlstein. Die alte Grossmutter winkte uns nach einer Weile, ihr zu folgen und die Buben liefen eilfertig hinter uns drein. Nach kurzer Zeit langten wir an einem künstlich angelegten Teich an, auf welchem der Farmer Lotusblumen züchtete. Mit Entzücken betrachteten wir dieses schöne Bild. Zwischen den Blumen schwammen viele Fische umher. Die grossen rosigen Blüten haben Tulpenform und duften sehr lieblich. Der Farmer schnitt sie täglich ab und brachte sie zum Markt wo sie von den Europäern gern gekauft werden.
Der Vater fotografierte uns am Rande des Teiches um ein liebes Andenken zu erhalten. Unter Lachen, Scherzen und eifrigem Erzählen fuhren wir am Abend befriedigt nach Hause und als eine schöne unauslöschliche Erinnerung blieb uns der Ausflug im Gedächtnis.
3. Festtagsgebräuche bei den Chinesen
Im Laufe der drei Jahre meines Lebens in China hatte ich Gelegenheit einige der dortigen Festtagsgebräuche zu beobachten. Das grösste Fest im Jahr ist das Neujahrsfest für das ein jeder spart und, je nach dem Stande seines Vermögens, längere oder kürzere Zeit feiert. Zwei Tage feiert auch der ärmste Kuli, wogegen der reiche Grosskaufmann es sich erlauben darf, seinen Laden einen Monat lang nur auf eine Stunde am Tag zu öffnen. Das chinesische Neujahrsfest fällt nicht auf den 1. Januar, sondern da es nach dem Mond berechnet wird, fällt es früher oder später in den Lauf des Februars. Zwei oder drei Tage vorher sorgt jeder Haushalt für einen möglichst grossen Vorrat an Proviant, Früchten, Süssigkeiten usw., wobei neues Spielzeug für die Kinder nicht vergessen wird. Am Vorabend des Neujahrstages geht kein Chinese schlafen. Auf der Strasse ist alles hell beleuchtet; es ist ein Kommen und Gehen, ein Sprechen und sich Begrüssen, dass man sich in Tageszeit versetzt glaubt. Dazu knattert es vom Chinesenviertel wie Kleingeschützfeuer und fortwährend steigen Raketen auf. Die chinesischen Buben kargen mit Feuerwerk ebenso wenig, wie es die hiesigen tun, und ihr Schönstes ist, die Vorübergehenden oder die Ricksha-Kulis mit unter die Füsse geworfenen Petarden zu erschrecken. Dies fröhliche Strassenleben dauert unvermindert durch die ersten zwei Festtage fort; dann tritt für die ärmere Bevölkerung der Alltag in seine Rechte. Jedoch die letzten zwei Tage des Neujahrsmonat werden wieder von reich und arm hoch gefeiert. Im Ganzen haben die Chinesen wenige Festtage und wo nicht christlicher Einfluss vorhanden ist, gibt's nicht einmal einen Wochenfeiertag. Dennoch haben sie einige Tempelfeste, die feierlich begangen werden. In den Grenzen des buddhistischen Tempels gibt es Kerzenopfer und Gottesdienste; jedoch in die Stadt hinein bewegt sich eine bunte Prozession, die aus Priestern und Anhängern des Tempels besteht. Voran schreiten in roten Übergewändern Tubabläser, Trommler, Paukenschläger und chinesische Geigenspieler; auch befinden sich einige Sänger unter der Musikantenschar.
Die chinesische Tuba ist wohl eben so lang wie das schweizerische Alphorn und bringt keine Melodie, sondern einen ganz bestimmten Ton hervor, der von hoch auf tief übergeht. Hinter den Musikanten drein bewegt sich eine Schar der verschiedensten Masken – alle auf Stelzen. Alle diese Menschen quieken, singen und musizieren durcheinander. An den Strassenecken sind kleine Tische als Altäre vorbereitet, um die der Zug sich langsam herum windet, während eine ganze Schnur von kleinen Petarden abgebrannt wird. So ziehen sie durch die ganze Stadt bis sie am Abend in den Tempel zurückkehren. Am 1., 2., 3., 5. und 8. Monat des chinesischen Jahres gibt es je einen speziellen Mondfeiertag, an dem niemand arbeitet und kein Schiff den Hafen verlässt, sondern mit Flaggen geschmückt gefeiert wird. Die Mannschaft mietet sich gewöhnlich einen Trommler, der ihnen den ganzen Tag was vortrommelt.
Ein sehr schönes Fest haben die Chinesen im Herbst. Es ist ein Gedenkfest der Seelen aller im Meer ertrunkenen. In der Dämmerung zieht eine von Musik begleitete Priesterprozession um den Hafen. Bei Eintritt der Dunkelheit stösst aus dem innersten Winkel des Hafens ein Boot ab aus welchem unaufhörlich kleine Ölpapierschiffchen ausgesetzt werden. Diese Schiffchen sind mit einem Fett gefüllt, in welchem ein Docht befestigt wird, der vor dem Aussetzen angezündet wird. Um diese Zeit tritt gewöhnlich die Ebbe ein und der Strom des Wassers geht ins offene Meer hinaus. Wenn es nun stilles Wetter gibt, ist es ein wunderschöner Anblick, wie alle die kleinen Flammen leise schaukelnd dem Meere zuziehen als ein Gedächtnisopfer für die Seelen der Toten. So haben auch die heidnischen Chinesen ein Fest, das unserem christlichen Verstehen schön erscheint.
4.10.1.3. Erinnerungen an Chefoo von (V11.7)George Voegeli
Als die Familie Voegeli-Günther dann in Chefoo wohnte hätten die Bolschewiken immer wieder versucht (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli unter verschiedenen Vorwänden nach Wladiwostok zu locken. Diese sagten nun sei die Revolution vorbei, er brauche keine Angst mehr zu haben. Aber seine guten Freunde hätten ihn immer davor gewarnt zurückzukehren, denn sicher wäre er von den Kommunisten umgebracht worden.
(V12.2)Felix hat es sehr bedauert dass er seinen (V10.7)Opa nicht mehr kennenlernen konnte, er starb ja aus Gram über alle die vielen Verluste die er erleiden musste so früh in Basel im Jahr 1936. Aber an seine Oma (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther mag er sich noch sehr gut erinnern. Für ihn war sie die liebste und beste Grossmutter, so wie man sie sich nur wünschen konnte.
Sein Vater (V11.7)George hat (V12.2)Felix Voegeli auch von Chefoo erzählt, dort hätten sie einen grossen Gartenhof zum spielen gehabt und darum herum ein Haus mit sehr vielen Zimmern und viele Bedienstete die im Haushalt beschäftigt gewesen waren. Er habe dort mit seinen vier Schwestern eine wundervolle Jugendzeit verbracht.
4.10.1.4. Schwerwiegende Entscheide stehen bevor
Ende 1922 hatte er alles was er in fast 25 Jahren angestrengten Schaffens erreicht und erworben hatte verloren weil ihm das gesamte in Wladiwostok blockierte Vermögen von den Bolschewiken inzwischen enteignet worden war. Schon seit einigen Monaten hatte zwischen J.Voegeli und der Verwaltung der "Freien Flotte" ein zunehmend unerfreulicher Briefwechsel stattgefunden. Vor allem die Belastung der Ausgaben für die für die Be- und Entladung der Schiffe benötigten Komprodori mit ihren Kuttern wollte die Verwaltung nicht entschädigen. Die neue kommunistische Verwaltungsleitung stellte sich auf den Standpunkt, dass dieser Aufwand in der Vertragspauschale inbegriffen sei, jedenfalls bekam er keine Entschädigung. Unterschrieben wurden die Briefe der neuen Verwaltung von einem Kontrollbeamten W. Saizew.
Darauf wurde er ohne Vorankündigung vom Vertreter der Sowjets, der von den Chinesischen Behörden anerkannt wurde aus seiner Stellung entlassen und die Firma weigerte sich auch ihm sein Kassaguthaben im Betrage von M﹩17'300.- (a Fr. 3.05 = Fr. 52'765.-) zu auzuzahlen, da sie seinen Kontrakt einfach als ungültig erklärten.
Er war den Sowjetbehörden sowieso seit der Revolution als "Bourgeois" verdächtig. Da er Prozessieren mit einer Kommunisten Verwaltung zu recht als hoffnungslos beurteilte und inzwischen auch all sein Haus- und Grundbesitz in Wladiwostok konfisziert worden war stand er mit seiner grossen Familie mit Frau und fünf Kindern plötzlich vor dem absoluten nichts.
Am 14. Dezember 1922 wurde mit einem Brief Nr. 113/2781 von der Verwaltung noch geltend gemacht, dass alle bisherigen Abrechnungen fehlerhaft seien und dass J. Voegeli unverzüglich einen Betrag von 6108 Rubel nach Wladiwostok zu überweisen habe, andernfalls werde die Verwaltung Massnahmen ergreifen um die Beschaffung der geforderten Mittel zu veranlassen.
(Die oben zitierten Dokumente liegen in Russischer Sprache vor und wurden für mich freundlicherweise von Herrn Stefan Sigerist (SH) sinngemäss übersetzt. Leider sind diese Dokument, weil es sich um Durchschläge handelt, teilweise sehr schlecht lesbar und darum lückenhaft.)
Den Plan, dass ihm nichts anderes mehr übrig bleibe als mit der ganzen Familie für einige Jahre in die Schweiz zu reisen eröffnete er nun auch seinen Freunden. Er glaubte daran, dass die politisch schwierigen Zeiten vorübergehen würden. Er hoffte immer noch, in einigen Monaten oder Jahren selbst wieder zurückkehren zu können um seine Geschäfte weiterzuführen. Das löste in seinem Freundeskreis heftige Reaktionen aus. Ein alter treuer Freund, der in Wladiwostok lebte dem er vor einiger Zeit etwas Geld geliehen hatte nun aber selbst immer mehr unter den veränderten Verhältnissen litt, schrieb ihm einen flehentlichen Brief.
Brief aus Wladiwostok an J.J. Voegeli nach Chefoo vom 14. September 1922 von seinem Freund A. Lester
(Wörtlich und orthografisch möglichst getreue Abschrift von Papier-Ordner Quellen, Q14K.QO: F. Vögeli S.1 - 4)
Mein lieber Voegeli
Dein lieber Brief vom 4. Sept. (am 12. erhalten) hat mich u. meine Frau in die höchste Aufregung versetzt. Denn Du scheinst der falschen Auffassung zu huldigen, dass wir "immens" wohlhabend sind, so dass die von Dir beanspruchte Summe (Y 2000.-) für uns einfach eine "Kleinigkeit" ("Lumperei") bedeute. Da muss ich Dir diesen grossen Irrtum benehmen u. Dir hiermit feierlich erklären, dass die gen. Summe unser ganzes Barvermögen ausmacht. Mehr besitzen wir "hinter Leib und Seele" keinen einzigen Groschen. Denn die Paar Stück Möbel u. die anderen "Lumpen" (Kleider u. dergl.), die wir besitzen, sind, wenn man sie eben, wo Bargeld so entsetzlich rar ist, liquidieren wollte, = Null. Glaubst Du diesem meinem Worte nicht, so kann ich Dir nicht helfen, aber es ist die pure Wahrheit. Und dieses Geld gehört de facto gar nicht mehr mir persönlich, sondern ist schon längst meiner Frau, resp. meinen Kindern testamentarisch verschrieben. Du weist wahrscheinlich, dass der Erlös des Landstückes u. "Kiffs" auf Sedanka freil. Y 3000.- ausmachte. Aber ein Tausend davon ist schon "ausgepumpt" worden. Von dieser Summe haben erhalten: der olle Dünsberg, der kürzlich nach "Latvija" zog, 500 Mottchen, der junge Strohler (Student), der nach Deutschland gezogen, 300, u. den Rest (200) nahm der Rigenser Buxell, der dadurch vom Hungertode gerettet wurde. Auf diese Tausend Mottchen haben wir schon jetzt ein "Kreuz" gemacht. Wir sehen sie nie wieder, das steht fest. Und da meine Frau die obigen. 2000 Mottchen auf ein Jahr so fest angelegt, dass sie das Geld vor Ablauf des Termins nicht herausbekommt, es sei denn mit einem immensen Verlust, oder dem des ganzen Kapitals. Das Geld ist näml. fest u. unentwegt für unsere Kinder bestimmt, für Ernst zur Beendigung seines Studiums u. für die Minka als ev. Aussteuer. Ich bin gesundheitlich wackelig geworden, dass ich in jedem Augenblick "umkippen" kann. Was soll aus dem Jungen werden, wenn ich plötzlich brotlos oder erwerbsunfähig oder "ad Patres" gereist sein werde?! Brotlos kann ich sofort werden, sobald die "Herrschaften" aus Tschita hier ihr "Zelt" fest und sicher aufschlagen werden. Die Kirchenkasse ist eben "blutleer". Ich habe meinen Gehalt nur bis zum Mai erhalten. Vom Juni an werde ich wohl "jarnischt" bekommen, weil "nischt" vorhanden ist. Ich lebe nur von minimalen Accidenzien, die hie u. da spärlich fliessen. Dem Jungen muss ich monatlich 25-30 Doll. (= 0.50 Yen) schicken, was mir schon recht schwer fällt. Also wäre es ein Frevel, dass wir an unseren Kindern, bes. an unserem Ernst begehen, wenn wir das Geld hingeben wollten, während die Kinder es in jedem Augenblick benötigen könnten. Aber, wie schon erwähnt, kann meine Frau das Geld unter keinen Umständen vor einem Jahr flüssig machen. Daher bitte, sei uns nicht böse, dass wir Deinen Wunsch nicht erfüllen können. So gern wir es wollten, wir dürfen u. können es unter den augenblicklichen Umständen nicht tun. - Andererseits aber würde Dir die gew. Summe in keiner Weise gedient sein, selbst wenn wir sie Dir hergeben könnten. Denn Wasily Karlowitsch kann Dir die nötige Summe zu Deiner bevorstehenden Reise in keinem Falle beitreiben. Also würdest Du mit unseren 2000 Mottchen sowieso nicht "zum Striche" kommen können. Und endlich erlaube ich mir Dir ein Wort "frisch von der Leber" weg auszusprechen: Selbst wenn ich so "immens" reich sein sollte, dass mir die 2000 Mottchen in der Tat eine "Lapparei" wären, u. noch mehr, selbst wenn es möglich wäre (aber leider ist es eben unmöglich), das Geld flüssig zu machen, so würde ich es Dir in k e i n e m Falle geben, weil ich Deinen Plan zur gegenwärtigen Zeit nach der Schweiz zu ziehen, für eine V e r r ü c k t h e i t halte. Mensch, wo hast Du Deinen "gesunden Menschenverstand" gelassen? Die Schweiz ist augenblicklich das Land mit der höchsten Valuta der ganzen Welt, demnach das Land, wo das Leben so teuer ist, wie in keinem anderen Staate der Welt. Wie willst Du Deine grosse Familie durchbringen, da Du mindestens 400 Y. monatlich nötig hast, u. dieses Geld von Deinen Häusern in der allernächsten Zeit unter keinen Umständen mehr bekommen wirst?! Und um in die Schweiz zu gelangen, brauchst Du (man höre und staune) nicht mehr u. nicht weniger, als 6000 Y. Aber mit diesem Vermögen kannst Du in jedem Fleck Chinas e i n volles Jahr "wie ein kleiner Fürst" leben. Wozu denn für die "Spritzfahrt" nach der Schweiz 6000 Y. verplempern, da Du, wie Du behauptest, nach einem Jahr dennoch wieder nach Wladiw., resp. China zurückkehren willst?! Es ist das mir einfach ein Rätsel. Das klingt wie ein Wahn, wie ein "Stück aus dem Tollenhause". Dass Dir das Weiterleben in Chefoo nach Deiner verfehlten Spekulation mit Tschita verleidet, oder um es rundweg auszusprechen, unmöglich gemacht worden ist, verstehe ich vollkommen. Nun, so liquidiere Deinen unnützen grossen Hausstand, u. ziehe nach Tsingtau. Das Leben ist dort in jeder Beziehung angenehmer, bedeutend billiger, Du findest sehr lieben Familienanschluss in den zahlreichen deutschen Häusern, die Kinder können weiter lernen im Kloster, wo der Unterricht sehr gut bestellt ist. Du jagst alle Deine Lumpen Boys zum Teufel, mietest Dich in einer Pension ein. Wenn Du dort 300 Y monatl. ausgibst, so lebst Du wieder, wie ein kleiner Fürst... Du hast nicht die Sorge mit den Spitzbuben von Boys. Das Essen ist zur bestimmten Zeit fertig usw. Und Dein krankes Herz kannst Du vielleicht besser kurieren, als in der "Schwyz". Denn Dr. Bergmann (der Sohn d. berühmten Berliner Prof.) hat dort ein sehr gerühmtes Sanatorium eröffnet, u. würde Dich aus dem Ff wiederherstellen. Also wozu in die Ferne schweifen. Sieh, das Gute liegt so nah. Du lebst dort ein Jährchen u. schaust zu, wie hier der Hase läuft. Vielleicht wird dann das Leben hier wirklich so gut, wie Du es Dir denkst, woran ich total zweifle. Also mein Rat ist: Ziehe mit Deiner ganzen Familie nach Tsingtau (Bemerkung von L.R. Huber: Tsingtau war ein Deutsches Pachtgebiet in China). Es liegt an Dir, diesem Rate Folge zu leisten oder nicht. Aber solltest Du Deinen Plan dennoch durchsetzen wollen, so wirst Du das sehr, sehr bereuen. - Du klagst das Schicksal an, das Dir in Chefoo so übel mitgespielt. Aber mein lieber Freund. Sag, ist das nicht geradezu eine Sünde von Dir, so wider das Schicksal, wider Gott zu murren? Vor 16 Mon. hattest Du Dein Schicksal in Deiner Hand. Aber in der unglückseligen Stunde, da Du den verlockenden Einflüsterungen des rotzigen Judenjungen in Shanghai Gehör schenktest u. das Telegramm nach Chefoo sandtest, da war Dein Schicksal entschieden. Du hattest Dich dem Teufel aus Tschita verschrieben u. Dich selbst "abgesägt". Die Teufelsbande brauchte Dich nur dazu, "die Kastanien aus dem Feuer" zu holen. Und jetzt: " Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Moor kann gehn". Ich kann es immer noch nicht begreifen, wie Du, ein vernünftig denkender Mensch auf diesen Schwindel u. Leim gehen konntest. Aber es ist einfach wunderbar, wie Leute es verstehen, die Menschen "rumzukriegen". Mir scheint, es ist Hypnose, die mit im Spiele ist. Der Teufel selbst ist mit ihnen auf dem Plan. Denn nur der leibhaftige "Gottseibeiuns" kann so "gerieben" u, "gerissen" sein, wie diese "Laite". Und so treiben sie ihr Teufelswerk weiter. Deutschland ist kaputt, nachdem es durch die Judenschnauze von Rathenau auf den "Rappollo-Schwindel" eingegangen. Und Rathenau, der die "Kastanien" aus dem Feuer gezogen, wurde zum "Dank" dafür von ihnen selbst "umgelegt". Oder glaubst Du, dass es die Monarchisten getan? Nee, sie schlugen 2 Fliegen mit einer Klappe. Die Monarchisten sind jetzt masslos diskreditiert worden, u. der Stein in der Masse ins Rollen gekommen - die Revolution ist "vertieft" worden. Und Rathenau wusste zu viel von der ganzen Schose. Darum musste er in den "raschod" gehen. So "arbeiten" diese Herren von Tschita, Moskau u. Consorten. Das wird jetzt in Deutschland schon klar erkannt, aber es ist schon zu spät. Und pass mal auf: Jetzt wird in allernächsten Zeit der "Löwe" von Frankreich (Poincaré) zur "Ruhe" gebracht werden. Dann rücken die Franzosen in Deutschland ein. Es kommt zu einer furchtbaren "Bolzerei", u. Frankreich ist kaputt. Noch glaubt der berühmte Lloyd-Georgik sicher spielen zu können. Aber die Sache ist dort wahnsinnig faul schon jetzt. Aber dann ist das Ende Albions nur eine Frage von wenigen Wochen. So schreitet der Teufel mit seiner Weltrevolution von Etappe zu Etappe. Nun müssen wir hier warten u. zusehen, wie der leibhaftige Satan auf unserm Buckel herumtanzen wird, denn sobald die Herrschaften aus DWR hier eingezogen sein werden, geht der Tanz los. Du hast ja schon selber etwas davon gekostet, aber das waren nur die allerwinzigsten "Jagodki", die "Früchte" hast Du nicht geschmeckt. - Dass wir für Deine Liebe u. Mühe, die Du an unserer Minka gewandt, ewig Deine u. Deiner lieben Frau Gemahlin Schuldner sein werden, das wissen wir sehr wohl. Und wir hatten den sehnlichsten Wunsch, euch das in dem Sinne zu vergelten, dass wir eines von euren Mädchen, wenn es hierher zur Schule gegeben worden wäre, vollständig kostenlos bei uns aufgenommen hätten. Aber nun willst Du das nicht tun. Wie sollen wir da unseren Dank abtragen? Oder war die Vergütung für den Aufenthalt unserer Minna in eurem Hause zu gering? Hat sie euch mehr Kosten bereitet? Aber warum habt ihr denn nichts angedeutet? Wenn wir in diesem Sinne noch eure Schuldner sind, so bitte sei so freundlich, u. sage es rund heraus. Wir werden nicht verfehlen, Dir die nötige Summe Geldes zu bezahlen. Aber auf einmal können wir es auch nicht. Wir werden zu je 50 Doll. bezahlen. Die Zeiten sind eben tatsächlich furchtbar schwer. Du scheinst nicht die "blass Bohne" davon zu haben, wie so furchtbar rar das Geld hier geworden ist. Die Menschen hungern schon jetzt im vollen Sinne des Wortes. Aller Handel u. Wandel ist einfach kaputt. Weisst Du, was man hier für Prozente fordert u. zahlt? Für 1000 Y. werden für die Zeit von einer einzigen Woche 500 Y. (sage u. Schreibe fünfhundert) gern gezahlt. - Bitte entschuldige meine lange "Epistel". Aber es war so vieles zu besprechen u. zu erörtern, u. so vieles, das "vom Herzen herunter" musste. Ich weiss sehr wohl, dass Du jetzt "mordsmässig" fluchen u. wettern wirst. Das "undankbare Pack" u. dergl. wird man jetzt zu hören bekommen. "Nischt" zu machen. Die Ohren werden uns gellen. Aber wenn Du wirklich wahrheitsliebend u. gerecht bist, so wirst Du zugeben müssen, dass wir Dir kein Unrecht angetan u. nicht anders handeln konnten. - Tausend Grüsse u. Küsse von Haus zu Haus.
In alter Liebe u. Treue Dein A. Lester
4.10.1.5. Der Entscheid wird gefällt in die Schweiz zu ziehen
Noch lange hatte er gehofft - zwar vergeblich - auf eine Abgeltung für seine in Wladiwostok zurückgelassenen Häuser und andere Besitztümer. Doch alle Bemühungen waren vergeben. Das Vermögen konnte er nicht mitnehmen. Seine Liegenschaften liessen sich in dieser schwierigen Zeit nicht mehr verkaufen.
Er verfügte nicht einmal mehr über genügend Mittel um von Chefoo in die Schweiz fahren zu können.
Dennoch beschloss Vater Voegeli in seine ursprüngliche "eigentliche" aber unbekannte Heimat zu ziehen, denn eine Rückkehr nach Russland war nun undenkbar geworden.
Zum Glück verfügte er über schweizerische Ausweispapiere die ihm den Weg nach der Heimat seines Grossvaters öffneten. Er wusste zwar von schweizerischen Verhältnissen recht wenig. - Immerhin hatte er ja glücklicherweise das Land in seinen guten Zeiten im Sommer 1905 anlässlich seiner Europareise einmal besucht und von da her eine gute Erinnerung bewahrt.
In dieser Not bewährte sich ein chinesischer Freund, dem er vor einigen Jahren etwas Geld geliehen hatte und der ihm diese M﹩6200.- a Fr. 3.05= Fr. 18'910.- nun zur Verfügung stellte.
Mit diesem Geld glaubte er die Schweizer Behörden zum mindestens nicht mit den Heimreisekosten belasten zu müssen und sicherte für die Familie die Plätze auf dem ersten fälligen Japanischen Dampfer "Haruna Maru" der eine billige Klasse für die Fahrt von Shanghai nach Marseille anbot.
4.10.2. Heimreise der Familie Voegeli von Shanghai nach Braunwald
Gegen Mitte Dezember 1022 war alles gepackt und die ganze Familie reiste von Chefoo weg. Nur wenig konnten sie mitnehmen. Das gesamte Mobiliar und viele liebe Erinnerungsgegenstände mussten sie zurücklassen.
In Shanghai wohnte damals eine Cousine von (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther, die mit einem Ellers verheiratet war. Heute leben diese Verwandten in den USA.
In Shanghai wohnte die Familie vor der Abreise einige Tage im Hotel Kalée.
Vom 31.12.1922 liegt eine Hotelrechnung von Shanghai vor die zeigt dass die ganze Familie vom 23.12.1922 bis zum 31.12.1922 in Hotel Kalée in den zwei Zimmern Nr. 18 und Nr. 19 residiert hatte.
(DVD Beilagen-Ordner, L_143_Fotos 5.FS.6.ShanghaiHotAbr.).
Die Reise mit dem Dampfschiff Haruna Maru von Chefoo nach Shanghai kostete, wie er später der Bundesverwaltung schrieb, bei aller denkbaren Bescheidenheit M﹩315.-. In Shanghai musste die Familie 11 Tage auf den Dampfer warten, das kostete M﹩420.-. Die Überfahrt Shanghai-Marseille für 5 ganze und 2 halbe, also 6 ganze Schifffahrtskarten kostete M﹩3840.- abzüglich 10% = M﹩3456.- im ganzen also M﹩4291.- zum damaligen Kurs a Fr. 3.05 = Fr. 13'087.55, dazu die Reise von Marseille nach Zürich ca. Fr. 600.- also zusammen fast Fr. 14'000.-.
Am 01.01.1923 schifften sich die Eltern und die fünf Kinder in Shanghai auf dem Japanischen Passagierdampfer Haruna Maru als Passagiere 2.Klasse ein. In der gleichen Schiffsklasse reisten auch 4 weitere 30-40 jährige Engländer. Elli war ungefähr 13, Gritli 15 und Lorli 18 Jahre alt. Mutter Olga hatte furchtbar Angst, dass ihre attraktiven Töchter auf dem Schiff von den jüngeren Herren verführt werden könnten. Aber ihr Mann versuchte sie immer wieder zu beruhigen. "Rege Dich doch nicht so auf", Sagte er ihr immer wieder.
Die Engländer mieden uns eher, weil wir ein amerikanisches Englisch sprachen aber die anderen fanden es lustig wie wir sprachen.
Die Reise dauerte 33 Tage. Sie führte durch das ostchinesische und südchinesische Meer entlang Indochina, heute Vietnam, über Saigon dann durch die Strasse von Malakka an Singapur vorbei und duch den Indischen Ozean für eine Zwischenlandung nach Colombo. Dort stieg die ganze Familie aus und besuchte zusammen den Tierpark. Dann ging es weiter durch den Indischen Ozean durch den Golf von Aden und durch das Rote Meer bis zum Suezkanal und von dort durch das Mittelmeer nach Marseille.
805.1.Lifecheck auf der Haruna Maru
806.1.Einige Passagiere auf der Haruna Maru
807.1.Die um ihre Töchter besorgte Mutter
Alle litten unter der Hitze in den Tropen und waren froh dass ihnen die Matrosen auf Deck ein Sonnendach spannten, doch bald kamen sie in kühlere Gegenden. Alle Geschwister hatten diese Seereise sehr genossen und erklärten bei der Ankunft in Marseille, dass sie lieber für immer auf dem Schiffe blieben....und wären am liebsten gleich wieder umgekehrt. Sie vermissten ivorallem ihre Hunde und die chinesischen Freunde bereits schmerzlich.
Den Kindern blieb besonders das feine Essen auf dem Schiff in bester Erinnerung.
Nach der Ankunft in Marseille fuhren sie mit dem Zug nach Genf wo sie in die schweizerische Eisenbahn umstiegen. Am Bahnhof Zürich wurde am 06.02.1923 die Quasi-Rückwandererfamilie von Vaters Schwester, Tante (V10.5)Auguste Voegeli abgeholt. Die Familie verbrachte zusammen noch zwei Tage in Zürich im Hotel St. Annahof (heute der Glockenhof) bevor nach Braunwald weitergereist wurde.
809.1.Alphütte im Winter und SommerSo kamen Vater, Mutter und Kinder 1923 an einem kalten Februartag nach der langen Reise in der väterlichen Heimatgemeinde Rüti im Kanton Glarus an, wo sie von der Gemeinde ganz nahe bei ihren Tanten aus Riaga als vorübergehende Unterkunft in Braunwald eine kleine Alphütte zugewiesen bekamen.
Ein Fuhrmann brachte mit Pferd und Schlitten ihre Habseligkeiten von der Bergstation der Standseilbahn, die von Linthal nach Braunwald hinaufführt zu ihrer Alphütte. Es lag hoher Schnee als sie einzogen. Die Begeisterung der Eltern und der älteren Töchter hielt sich sicher in Grenzen. Doch Lorli liess es sich nicht nehmen die Alphütte in der Sonne mit Schnee und dem Pferd davon gleich nach der Ankunft zu fotografieren.
In der zweigeschossigen Alphütte hatte es oben einen Raum mit einem Doppelbett für die Eltern, dort schlief auch der kleine George. Die drei Töchter Lorli, Gritli und Edith schliefen im unteren Geschoss und Elli bei den Tanten im Sackhüüsli mit dem Kaffeestübli. Das Kaffeestübli lag weniger als 50m unterhalb ihrerAlphütte, es war das ehemalige Schulhäuschen, das "Sackhäuschen", wie es genannt worden war. Dort betrieben die im Juni 1919 "heimgekehrten" Geschwister Voegeli mit zunehmendem Erfolg ein "Kaffeestübli" und boten Passanten Getränke und baltische Gebäcke an.
Die zwei kleineren Geschwister, Edith und George waren begeistert von dem vielen Schnee, sofort einen Schlitten zu beschaffen und das neue Element Schnee zu geniessen.
Mit der Kodak-Box wurden die Neuzuzüger bei der Alphütte fotografiert, wenigstens schien die Sonne und die alten Tanten beglückten sie mit feinem Frischem Kaffee und baltischen Kuchen.
V.l.n.r.:Hintere Reihe: (V10.3)Ella Beck-Voegeli, (V10.4)Marie Nolcken-Voegeli, (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther, (V11.1)Lorli Voegeli, (V11.5)Elli Voegeli.
V.l.n.r.:Vordere Reihe: (V11.4)Gritli Voegeli, (V11.6)Edith Voegeli, (V11.7)George Voegeli.
Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen, welch riesiger Unterschied zum schönen warmen Strand von Chefoo und den vielen lieben Chinesen und ihren Freunden und Freundinnen aus der Klosterschule.
Die Kinder besuchten gleich nebenan die Gesamtschule und mussten sich erst wieder an die deutsche Sprache und vorallem an den hiesigen Glarner-Dialekt gewöhnen. Die Kinder wurden mit ihrem Hochdeutsch von den Schulkameraden nicht verstanden und zuerst gehänselt denn sie verstanden zuerst den Schweizer Dialekt nicht. Doch sie erlernten ihn sehr rasch. Herr J. Beglinger der Lehrer der Gesamtschule unterstützte sie dabei sehr und bewunderte ihre Weltgewandtheit.


(V11.5)Ellinor Huber-Voegeli erzählte uns Kindern in der Standseilbahn von Linthal nach Braunwald, auf dem Weg zum Besuch unserer alten Tanten im Sunnahüüsli eine Geschichte aus der Zeit als sie nach Braunwald kamen. Als wir an der unauffälligen Mittelstation "Tannenboden" der Standseilbahn vorbeifuhren, zeigte sie auf einige Alphütten die dort inmitten einer kleinen Alpweide standen. Dieses kleine damals verfügbare Gütlein mit einer Grösse von zwei Hektaren war ihrem Vater (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther und ihrer Familie vom Gemeinderat Rüti zur Bewirtschaftung angeboten worden. Er sei doch in der Landwirtschaft bewandert, meinte die Armenbehörde. Doch auch ohne es gesehen zu haben lehnte er dieses Ansinnen dankend ab. Dennoch glaubte die Gemeindebehörde die Familie würde längere Zeit in Braunwald bleiben, denn schon am 27. Juni 1923 bekam er von der Gemeindekanzlei den Stimmrechtsausweis zugestellt, dass er nun als Stimmberechtigter Einwohner und Bürger der Gemeinde Rüti die Landsgemeinde in Glarus hätte besuchen können. Aber er sah für seine Familie im Raum Zürich bessere Chancen und er selbst glaubte immer noch fest daran nach China zurückkehren zu können.
4.10.3. Der neu Wohnsitz in der Schweiz
Der Vater (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther fuhr von Braunwald immer wieder nach Zürich hinunter um für die Familie eine geeignete Unterkunft zu finden. Auch (V11.1)Lorli wurde anfangs Juni 1923 quasi als Kundschafterin von Braunwald aus nach Zürich geschickt um dort nach einem geeigneten Wohnsitz für die ganze Familie Ausschau zu halten. Offenbar fand sie bei einer Freundin namens Benita Unterschlupf und schickte von dort auch Fotos zu ihrer Mutter nach Braunwald, auf denen sie beide als Chinesen verkleidet sind.
In einem Brief von Zürich vom 05.07.1923 schreibt sie von der Besichtigung von verschiedenen Mietobjekten die aber auf Grund des Preises oder der Zimmerzahl für die Familie nicht in Frage kommen konnten. In einem Haus an der Siriusstrasse besichtigte sie eine Wohnung mit allem Komfort, mit vier Zimmern, aber ohne Mansarde, die wurde für Fr. 2'700.- angeboten. Sie korrespondierte auch mit Annoncenstellen, aber vergeblich. Nun hoffte sie auf den Besuch der Mutter um sich mit ihr in Zürich umzusehen. Sie schrieb, dass ihr Zürich sehr gefalle und sich schon recht heimisch fühle, doch es bereite ihr Mühe, sich immer wieder an neue Verhältnisse anpassen zu müssen. Auch klagt sie immer wieder über ihr Kopfweh. Dieses Leiden wird sie noch das ganze Leben lang belästigen.
Eine Wohnung zu finden stellte sich als unmöglich heraus, da alles zu teuer war.
Gegen Ende Juli bekam er Kenntnis von einem leerstehenden Einfamilienhaus in Schlieren. Es war 1920 von einer Baugenossenschaft erstellt worden und war mit einer Anzahl von Bauhandwerkerpfandrechten belastet gewesen. Es hatte auch schon eine Handänderung infolge Konkurses deshalb auch mehrere Besitzerwechsel erlebt. Die letzte Handänderung war am 14. Juli 1923 gewesen als der Baumeister Jean Lier das Haus von Metzgermeister Jakob Herzer von Zürich übernahm.Am 7. August 1923 schloss (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli über das Haus "Lueg ins Land" an der Stationsstrasse 29 in Schlieren auf dem Notariat einen Kaufvertrag ab der am 13. August ins Grundbuch eingetragen wurde.
Der Kaufvertrag umfasste:
G.B.Nr. 2334, Cat. Nr. 3857, Ein Wohnhaus mit gewölbtem Keller, für Fr. 52'000.00 assekuriert, nebst 5 a 92 m2 Gebäudegrundfläche, Hofraum und Garten
G.B.Nr. 1006, Cat. Nr. 1600, 4a 84 m2 Gartenland daselbst.
G.B.Nr. 1007, Cat. Nr. 1601, 1a 02 m2 Streuland
Der vereinbarte Kaufpreis betrug. Fr. 35'000.-.
Aus seinen letzten flüssigen Mitteln leistete er eine Anzahlung von Fr. 4'000.- und übernahm rückwirkend auf den 1. August 1923 eine Schuldenlast von Fr. 31'000.-, d.h. Fr. 25'000.- zu 5.5% Zins als I Hypothek von der ZKB und Fr. 6'000.- als II Hypothek, die Baumeister Jean Lier der Verkäufer zu einem Zins von 5.25 % stehen liess, allerdings unter der Bedingung, dass diese innert einer vertraglich festgelegten Zeit abbezahlt würde. So hatte die Familie für die nähere Zukunft mit einer jährlichen Zinsbelastung von etwa Fr. 1'650.- zu rechnen.
KaufVertr.S1, KaufVertr.S2., KaufVertr.S3.,
4.10.4. Versuch wieder eine Existenz aufzubauen
Seit der Einreise der Familie in die Schweiz anfangs Februar 1923 bis zum Bezug des neu erworbenen Einfamilienhauses war bei der Einwohnerkontrolle Schlieren Braunwald nicht als Wohnsitz registriert worden. Die Stadtverwaltung der Stadt Schlieren meldete mir auf meine Anfrage hin am 22.11.2010 dass er am 30.08.1923 von China zugezogen sei und mit der Familie an der Stationsstrasse 29 in Schlieren Wohnsitz nahm. (Papier Ordner und DVD Quellen-Originale L_143_Q11KS.3)
Vom 10.08.1923 datiert der letzte Erinnerungsbucheintrag von Edith Voegeli in Braunwald vor dem Umzug nach Schlieren. Die Familie zog bald nach dem Kauf des Hauses von Braunwald nach Schlieren. Viel musste nicht gezügelt werden. Die Familie hatte ja so wenig von China mitnehmen können.
Das Haus "Lueg ins Land" lag ganz am Waldrand und verfügte mit den dazu gekauften Grundstücken über einigen Umschwung. Es umfasste das Grundstück mit dem Wohnhaus und 592 m2 Land. Ein Stück Gartenland mit 484 m2 sowie ein Stück Streueland mit 102 m2.
Ihre älteste Tochter (V11.1)Lorli konnte im Februar 1924 eine Stelle in Zürich antreten. Sie hatte in Wladiwostok und Chefoo eine gute Ausbildung bekommen. Sie beherrschte Deutsch, Französisch, Englisch und Russisch schriftlich und mündlich und erfuhr durch die Auslandaufenthalte eine grosse Lebenserfahrung. Dennoch war der Lohn an ihrer ersten Stelle mit anfänglich Fr. 150.- und zwei Jahre später Fr. 200.- monatlich eher klein. Doch die ganze Familie war auf alle Einkünfte angewiesen. Es waren in dieser Zeit die einzigen Mittel die ins Haus kamen.
Die zweite Tochter (V11.4)Gritli fand, nachdem sie in Schlieren die Sekundarschule abgeschlossen hatte im April 1924 in Zürich eine Lehrstelle und die dritte Tochter (V11.5)Elli würde zu Ostern 1925 in Schlieren auch die Sekundarschule abschliessen und eine Lehrstelle antreten. (V11.6)Edith und (V11.7)George würden vorerst noch in Schlieren die Primarschule besuchen.
Als sie von China in die Schweiz kamen, konnte (V11.7)George kein Wort Schweizerdeutsch und nur wenig Hochdeutsch. Er konnte besser Englisch, Russisch und ein wenig Chinesisch. Das war für ihn am Anfang in der Schule sehr schwierig. In der Schule hätten sie ihn darum immer gehänselt und ihn als Chinesen tituliert. Als Übernahmen blieb für ihn am Ende PINKUS und für seine wenig Jahre ältere Schwester (V11.6)Edith der Übername CHEFOO.
(V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther waren nach seiner Rückkehr von China noch rund Fr. 6'500.- flüssige Mittel übrig geblieben. Fr. 4'000.- hatte er nun für das Wohnhaus als Anzahlung geleistet. Es blieben ihm nun noch weniger als Fr. 1'500.-. Wie er die finanziellen Mittel auftrieb um seine Familie die anschliessende Zeit durchzubringen blieb allen ein Rätsel.
Er hoffte gelegentlich im Raum Zürich eine Anstellung zu finden.
Sobald er eine Anstellung gefunden haben würde, wollte er seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Doch bis zum Februar 1925 fand (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli trotz grosser Bemühungen keine Arbeitsstelle. Er litt sehr darunter, dass er in der Schweiz keine Freunde besass und er sprach nur Hochdeutsch, was man ihm nicht verzieh.
825.1.(V11.5)Elli und (V1.4)Gritli mit ihren Freunden
823.1.(V11.4)Gritli und (V11.5)Elli mit ihren Freunden
Besonders die zwei noch schulpflichtigen Töchter (V11.4)Gritli und (V11.5)Elli waren sehr weltgewandt und traten selbstbewusst auf. Schon in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes in Braunwald hatten sie die Aufmerksamkeit der jungen Männer auf sich gezogen, aber noch mehr in Schlieren, wo sie sich bald einen engen Freundeskreis von jungen Männern um sich scharten. Es wurden gemeinsam Waldfeste veranstaltet und zum Baden der Zürichsee oder die Katzenseen besucht. Es wurden aber auch gemeinsame Ausflüge in der Umgebung von Zürich, zum Beispiel an den Türlersee oder nach Braunwald unternommen um den jungen Männern voller Stolz das schöne Braunwald zu zeigen und sie auch ihren alten und unternehmungslustigen Tanten vorzuführen, die ihre Gäste im Sunnahüüsli sicher mit baltischer Gastfreundschaft überschüttetet haben.
Es lässt sich jedoch heute nicht mehr eruieren ob diese jungen Männer auf den Erinnerungsbildern dieser Ausflüge nun von Braunwald oder Schlieren stammten, aber stolz erzählte unser Mutter Elli noch im hohen Alter von den vielen netten Freunden in Schlieren und wie sie rasch einen grossen Freundeskreis um sie scharte. Sie konnten allen echte abenteuerliche Erlebnisse aus ihrem Leben erzählen.
Für die ganze weite Verwandtschaft wurden immer wieder Gruppenbilder erstellt, sei dies nun in Schlieren vor ihrem Haus am Waldrand oder anlässlich der traditionellen Geburtstagsfeste der alten Tanten in Braunwald. Besonders Tante Hanna von Radecki-Voegeli in Riga sollte diese Bilder bekommen, sie wurde von allen sehr vermisst.
Dieses Bild wurde 1924 in Braunwald anlässlich einer Geburtstagsfeier aufgenommen. Knapp ein Jahr später reiste (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther zurück nach China.
Vl.n.r.hintere Reihe: (V11.4)Gritli Voegeli, (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther, (V10.5)Auguste Voegeli, (V10.4)Marie Nolcken-Voegeli, (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther, (V11.1)Lorli Voegeli,
V.l.n.r.vordere Reihe: (V10.3)Ella Beck-Voegeli, (V11.6)Edith Voegeli, (11.7)George Voegeli, (V10.5)Ellinor Voegeli
Bemühungen um eine Entschädigung der Reisekosten oder des Vermögensverlustes
Nach Auffassung von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli hätten alle wegen der Russischen Revolution 1919 in die Schweiz zurückgekehrten Schweizerbürger beim Bund vorstellig werden können um zum mindesten die entstandenen Reisekosten vergütet zu bekommen.
Der Chef der Eidg. Abteilung für Auswärtiges relativierte diese Feststellung, dass wohl alle Russlandschweizer die durch die Russische Revolution in Not gerieten aus Bundesmitteln heimgeschafft wurden, dass aber in den meisten Fällen die Angehörigen oder die Heimatgemeinden zur Mitwirkung herangezogen worden seien. Die Teilnehmer an grösseren Sammeltransporten hätten gar die ganzen Heimschaffungskosten selbst bezahlt.
Nun waren zwei Jahre seit der Rückkehr seiner Familie vergangen. Er hatte in der Zwischenzeit vergeblich versucht sich selbst zu helfen und eine Anstellung zu finden.
Nachdem alle seine Bemühungen vergeblich waren wendete er sich nun verzweifelt mit verschiedenen Briefen an die Bundesverwaltung. In der Folge ist in Auszügen dieser Briefwechsel wiedergegeben. Die Originale sind vollständig in der Dokumentation enthalten.
9. Februar 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli, Brief an das Eidg. Politische Departement Abteilung für Äusseres. (etwas kürzer gefasste Briefversion als der Brief vom 12. Februar 1925) Dep.Äusseres.9.2.25.S1, Dep.Äusseres.9.2.25.S2.
12. Februar 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli, Brief an das Eidg. Politische Departement Abteilung für Inneres.
Er schilderte darin seinen ganzen beruflichen Werdegang in Wladiwostok und Chefoo und welche Vermögenswerte er in dieser Zeit erarbeitet und durch die Enteignung und Konfiszierung durch die Bolschewiken wieder verloren hatte, und welche Kosten im durch die Rückreise in die Schweiz entstanden waren.
Er machte geltend, dass ihm nach den Auslagen für die Reise von Chefoo zurück in die Schweiz die etwa Fr. 14'000.- gekostet hatte nur noch etwa Fr. 6'500.00 verblieben seien. Er sei mit der Familie absichtlich nach Braunwald gezogen, da es dort billiger gewesen sei. Acht Monate hätten sie in dieser Einöde gewohnt. Seine Anmeldung beim Gemeinde- und Kantonalen Arbeitsamt hatten keinen Erfolg da er wegen seines Herzleidens für physische Arbeit nicht in Frage kam. Seine Vorstellungen bei der Gemeinde hatten nur den Erfolg, dass man ihm das Armenhaus anbot. Das schlug er aus, denn er wollte eine richtige Arbeit. Darum hatte er sich damals auch entschlossen nach Zürich oder Umgebung zu ziehen, wo er eher hoffte eine Anstellung zu finden. Überall wo er seit September 1923 auf Empfehlung hin vorgesprochen habe bedauerte man wegen schlechter Geschäftslage. Viele reflektierten aber nur auf eine jüngere Kraft.
Zwei Jahre nach der Rückreise sei die finanzielle Lage der Familie noch viel schlimmer als 1922 in Chefoo. Hier in der Schweiz habe er nicht einen einzigen Freund der ihm helfen könne. In der Zwischenzeit hätten sich noch zusätzlich Schulden angehäuft für Lebensmittel, Holz, Kohlen, Schuhmacher und für Flickarbeiten etc. im Ganzen Fr. 671.-, dazu Arztrechnungen für Fr. 274.-, total Fr. 945.-. Ausserdem sei der Zins der ersten Hypothek im Januar 1925 fällig gewesen und der Zins für die zweite Hypothek sei im Februar 1925 zahlbar; würden die Zinsen von Fr. 1'650.- bis März 1925 nicht bezahlt, so könnte das Haus zwangsweise von der Bank verkauft werden.
In Anbetracht seiner hoffnungslosen Lage richtete er nun an die Innenpolitische Abteilung des Politischen Departementes die ganz ergebenste Bitte, ihm den Betrag von Fr. 2'595.- bewilligen zu wollen um ihn vor der bittersten Not zu bewahren.
Schon im letzten Sommer sei ihm klar geworden dass seine Chancen für eine Existenz in seiner Heimat verzweifelt gering seien, darum habe er gedacht es sei besser nach China zurückzukehren, falls es gelingen würde einige Vertretungen von guten soliden Schweizer Firmen zu erhalten, denn die langjährigen Erfahrungen im fernen Osten, wie auch beste Kenntnisse von Land und Leuten seien sicher geeignet ein Agenturgeschäft ohne grosses Risiko und mit Erfolg zu führen und dabei würden seine früheren Beziehungen zu chinesischen kaufmännischen Kreisen ganz wesentliche Dienste leisten. Die Hauptsache sei das Reisegeld aufzubringen.
Er habe einen guten Freund in Shanghai gebeten ihm das Reisegeld vorzuschiessen, doch der sei dazu nicht in der Lage, doch würde der ihm gerne Gratis Zimmer mit Pension anbieten.
Inzwischen habe er Kontakte mit verschiedenen Firmen angeknüpft die für den Export in Frage kämen. Mit einigen sei er in persönlichen Kontakt getreten und gelangte zu positiven Resultaten, so die Konservenfabrik Lenzburg in Lenzburg und die Schär & Co - Käse Export AG in Winterthur. Er habe eine vorerst mündliche Vereinbarung mit dem Direktor der Gesellschaft für Handel mit Indien AG, Zürich die ein grosses Interesse zwecks Ex- & Import für China hätten. Es hätten noch einige andere Firmen auf seine Offerte mit Interesse reagiert aber er habe weitere persönliche Kontakte aufgeschoben bis er das Reisegeld beschafft habe.
Er habe bereits Erkundigungen eingeholt welche Schifffahrtslinien für die Reise in Frage kommen könnten. Es kämen nur zwei Linien in Frage die eine billigere Klasse führten. Ex Genua sei das der N.D- Lloyd und ex Marseille die Nippon Yusen Kaisha; die Mittelklasse des Lloyd kostete 48 £ und die der N.Y.K. 64 £.
Da der nächste Dampfer der Lloyd aber bereits am 24. Februar abfahren würde könne er die Buchungsfrist von 14 Tagen zur Reservierung eines Platzes gar nicht mehr einhalten und ihr nächster Dampfer würde erst in zweieinhalb Monaten ablegen und das sei zu spät.
So käme nur ein Schiff der N.Y.K. in Frage, die alle 14 Tage einen Dampfer anbiete. Dazu kämen noch die Kosten für die Eisenbahnfahrt und die Bagage von Zürich bis zum Hafen und Ausgaben für die Wäsche während der Überfahrt. So dass die ganze Seereise bei aller Bescheidenheit Fr. 2'000.- kosten würde. Ausserdem müsse er noch genügend Kollektionen von Warenmustern der vertretenen Firmen mitnehmen die er auch noch zu bezahlen habe, was mindestens Fr. 500.- ausmache.
Es würde also einen Betrag von Fr. 2'500.- ausmachen um ihn in die Lage zu versetzen in China eine Existenz schaffen zu helfen.
Er bitte darum die Bundesregierung ihm die Summe von Fr. 2'500.- als Darlehen auszurichten. Es sei weder seine Absicht noch sein Wille dem Bund zur Last zu Fallen und es sei nur die Not gewesen die ihn gezwungen hätte in die angestammte Heimat zurückzukehren. Dep.Inneres.9.2.25.S1, Dep.Inneres.9.2.25.S2. Dep.Inneres.9.2.25.S3.
16. Februar 1925. Antwort des Eidg. Politischen Departement, Abteilung für Auswärtiges
Das Departement nimmt zur Kenntnis dass (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli Reiseauslagen im Betrage von Fr. 14'673.- hatte die ihm von einem chinesischen Freund vorgestreckt wurden. Nach eingehender Prüfung des Begehrens und mit Rücksicht auf seine gegenwärtigen schwierigen Geldverhältnisse und der bereits zwei Jahre dauernden Erwerbslosigkeit hatte das Departement es für möglich erachtet ihm nachträglich eine einmalige Vergütung von Fr. 4'500.- zu bewilligen.
18. Februar 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli bedankt sich beim Departement den Betrag von Fr. 4'500.- durch die Vereinigung Russlandschweizer erhalten zu haben.
18. Februar 1925. Mit gleichem Datum schreibt (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli nochmals an die Innenpolitische Abteilung des Eidg. Politischen Departements Bundeshaus Nord mit der dringenden Bitte, dass neben der bewilligten teilweisen Vergütung der Rückreisekosten im Betrage von Fr. 4'500.- er sich erlaube, dass er sein Gesuch um die Gewährung einer Unterstützung zwecks Regelung seiner dringendsten Schulden im Betrage von Fr. 2'595.- zurückziehe, da er jetzt in der Lage sei dieselbe zurückzuzahlen und ihm nach einer Zurücklegung eines Betrages von Fr. 500.- für die im August fällige Tilgung an der II Hypothek immer noch Fr. 1'000.- verbleiben würden die ihm eine bescheidenste Existenzmöglichkeit für drei Monate gewähre. Infolge dessen müsse er aber doch das Gesuch um Gewährung eines Darlehens von Fr. 2'500.- aufrechterhalten um ihm in China eine Arbeitsmöglichkeit zu schaffen. Er möchte zudem die politische Abteilung darauf aufmerksam machen, dass eine Reise in der 3. Klasse (Zwischendeck) bei der 21 tägigen Fahrt durch die Tropen für einen Europäer nicht in Frage komme.
19. Februar 1925. Das Eidg. Politische Departement Innenpolitische Abteilung schreibt, dass auf Grund der vom Eidg. Aussenpolitischen Departement geleisteten Vergütung von Fr. 4'500.- sein Hilfsgesuch vom 12. Februar 1925 als erledigt betrachtet werde.
20. Februar 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli schreibt sofort an die Eidg. Innenpolitische Abteilung zurück, dass ihm für die Reise somit nur noch etwa Fr. 950.- verbleiben würden, was natürlich in keiner Weise für eine Reise nach China und die damit zusammenhängenden Ausgaben ausreichen würde. Da er auch andererseits vom rein menschlichen Standpunkt aus nicht das Recht habe seine Familie von den letzten Mitteln entblösst zurückzulassen umso mehr als ein Verdienst und somit Hilfe seinerseits an die Familie wohl erst in 5-6 Monaten in Frage käme wäre er gezwungen sich um Hilfe an den Bund zu wenden. Ohne unbescheiden zu sein müsse er das nachgesuchte Darlehen im Betrage von Fr. 2'500.- aufrechterhalten um wieder eine Menschenwürdige Existenz aufbauen zu können.
26. Februar 1925. Die Innenpolitische Abteilung schreibt dass sie seinem Gesuch um ein Darlehen von Fr. 2'500.- nicht nachkommen könne da sich die Hilfeleistung bedürftiger Auslandschweizer auf Grund der bestehenden Vorschriften nur auf Unterstützungen à fond perdu zu beschränken habe.
Um ihm aber zu ermöglichen nach dem fernen Osten auszureisen und dort als Handelsagent für seine Familie eine neue Existenz aufzubauen, habe sie unter Berücksichtigung seiner Vermögensverluste beschlossen ihm zusätzlich eine ausserordentliche Unterstützung im Betrage von Fr. 2'000.- auszurichten so dass er somit über einen gesamtem Betrag von Fr. 6'500.- verfügen könne.
Für die Zukunft werde der Bund aber unter keinen Umständen für weitere Hilfeleistungen in Frage kommen. Sollte es ihm nicht gelingen wieder eine wirtschaftlich selbständige Existenz zu erlangen müssten sich die Heimatbehörden fürsorglich mit ihm und der Familie befassen.
Zudem habe er dem Departement unverzüglich mitzuteilen ob er sich über den Zeitpunkt der Abreise schon schlüssig geworden sei und eine feste Abmachung mit einer Schiffsagentur vorliege. Gegebenenfalls würde das eidgenössische Auswanderungsamt im Auftrag des Inneren Departement die Bezahlung des Billets besorgen.
Das Departement machte ihm in diesem Brief sechs verschiedene Vorschläge für Schifffahrtslinien und deren Abfahrtsdaten, er könne daraus seine Wahl treffen.
3. März 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli bedankt sich bei Herrn Oberst Dr. Leupold, Chef der Eidg. Innenpolitischen Abteilung.
Angesichts des zur Verfügung bestehenden Betrages müsse er nun den billigsten Dampfer benützen. Das sei der am 21. April 1925 ex Genua fällige Dampfer Koblenz des N.D. Lloyd. Er werde nun in der Zwischenzeit die Möglichkeit nutzen seine angebahnten Verbindungen zu komplettieren.
Er richtete aber an den Herr Oberst die ergebenste Bitte ihm das Vertrauen schenken zu wollen die nötigen Zahlungen selbst leisten zu dürfen und zwar nur aus dem einfachen Grunde, weil er als langjähriger Schiffsagent aus Erfahrung wisse, welch unterschiedliche Behandlung auf den Schiffen Auswanderern und gewöhnlichen Passagieren zu Teil werde.
6. März 1925. Die Eidg. Innenpolitische Abteilung erklärt sich bereit ihm die Reiseunterstützung direkt auszuzahlen, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, dass der Reisevetrag mit einer schweizerischen Agentur abzuschliessen und dem Departement zur Einsicht zu unterbreiten sei.
16. März 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli unterbreitet den Reisevertrag mit der Agentur Meiss & Co AG. dem Eidg. Innenpolitischen Departement und bittet um Überweisung des bewilligten Reisebetrages von Fr. 2'000.-.
18. März 1925. Das Eidg. Innenpolitische Departement verlangt noch ein Attest der Armenpflege seiner Heimatgemeinde, dass sie einverstanden ist, dass er auswandert obwohl die Familie in der Schweiz zurückbleibt.
26. März 1925. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli sendet ein Attest der Armenpflege der Heimatgemeinde Rüti GL an das Eidg. Innenpolitische Departement.
27. März 1925. Das Eidg. Innenpolitische Departement berichtet dass die Eidgenössische Zentralkasse beauftragt wurde den Betrag von Fr. 2'000.- zu überweisen.
Kurz vor seiner Abreise wird vor ihrem Heim in Schlieren von der ältesten Tochter Lorli mit ihrer Kodak-Box noch zum Abschied ein Erinnerungsbild aufgenommen. Am 21.04.1925 reiste (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli nach China zurück um von Shanghai aus zu versuchen wieder eine Existenz aufzubauen. In einigen Briefen schildert er seiner Familie die ganze Fahrt nach China. (Briefe vom 23.04.1925, 29.04.1925 im Roten Meer, 10.05.1925, 17.05.1925 von Singapore, 24.05.1925 von Hongkong, 28.05.1925 Ankunft in Shanghai)
Mit grosser Tapferkeit ertrugen seine Frau (Gü4.8)Olga und alle fünf Kinder die Abwesenheit des Vaters, der alles unternahm um in China die alten Beziehungen aufleben zu lassen und wieder erfolgreiche Geschäfte zu tätigen. In den Briefen, die er auf seiner Reise nach China der Familie geschickt hatte schrieb er begeistert von allen den Zwischenstationen Colombo, Singapur und Honkong. "Bald wirst auch Du wieder auf diesem Weg nach China sein", schrieb er voller Hoffnung seiner Frau.
Während seiner Reise auf dem Dampfer Bremen schrieb er seiner Familie einige lange Briefe in denen er seine Reiseerlebnise und Gedanken schildert. Reisebriefe von J.C.R. Voegeli-Günther vom 21.4.1925-28.05.1925
L_143_Q11KS.2.1; Im Brief vom 31.12.1925 an das Schweizerische Generalkonsulat meldet er seine neue Adresse in Shanghai und gibt sich als Handelsvertreter von einigen Schweizer Firmen bekannt. Seine Adresse auf seinem neuen Briefkopf lautete: Range Road 58, in Shanghai, mit der Tel. Nr. North 136 und der Postbox 1269
Er nennt er sich:
Importeur und Alleinvertreter für China der folgenden Firmen:
- Hero Conserves Lenzbourg Ltd,
- Schär & Co Cheese Export Ltd.,
- Gröhninger Ltd. Aluminium Goods.
Er bittet mit diesem Brief das Generalkonsulat von Shanghai zur Kenntnis zu nehmen dass er unter seinem Namen eine Import-Agentur eröffnet hat, mit der oben erwähnten provisorischen Adresse und bittet um Registrierung.
Ihm wird folgender Auszug aus dem Handelsregister von Shanghai zugestellt:
(L_143_Q11KS.2.2)
Extrait du Registre du Commerce le 31. Decembre 1925
John C. R. Voegeli, Volume I, Page 54 du Registre
Teneur de l'inscription: Le chef de la maison John C. R. Voegeli, a Shanghai, est Jean Charles Richard Voegeli, de Rueti, domicilé a Shanghai. Genre du commerce: Importation générale. Bureaux: 58, Range Road, Shanghai.
Le Préposé au Registre
Mit Brief vom 5. Januar 1926 bestätigt das Generalkonsulat die Registrierung. (L_143_Q11KS.2.3)
Die Geschäfte gehen schlecht und er kämpft ums wirtschaftliche Ueberleben.
855.1.Weihnachtskarte seiner Kinder 1926In einem Brief tönt er an, dass er eine Stelle angenommen habe um etwas Geld zu verdienen. Am 07.04.1926 schreibt er sehr traurig aus Shanghai seinem Sohn George:"Ich habe einstweilen noch kein Reisegeld und muss es erst noch verdienen". Seine Frau Olga vermisste ihren Mann sehr und auch für seine fünf Kinder war es schwer ohne ihren lieben Vater auszukommen, der in Wladiwostok und vorallem in Chefoo sonst viel zuhause gearbeitet hatte. Zu Weihnachten 1926 sendeten ihm Elli, Edith und George eine Karte mit einem liebevollen Gedicht, das Elli ausgesucht und in englischer Sprache darauf geschrieben hatte.
Kampf um sein 1919 in Wladiwostok verlorenes Vermögen
Im Jahr 1926 kämpft er weiter um wenigstens einen Teil seiner Vermögensverluste in Wladiwostok entschädigt zu bekommen. Er wendet sich an die Schweizerische Kreditoren-Genossenschaft für Russland, 6 rue du Rhône, Genf. Es wird für ihn ein Dossier eröffnet mit dem Kürzel: D. 6284, Fol. 1281/1282.
Die dazugehörige Korrespondenz ist verschollen. Vorhanden ist alleine eine zweiseitige Liste mit einer Zusammenstellung aller seiner in Wladiwostok verloren gegangenen Vermögenswerte mit Datum vom 26. April 1926.
Es liegt vor:
Auszug aus dem Prüfungs-Protokoll Nr. 7210 und 7211.
Die durch Joh. C.R.Voegeli, heimatberechtigt in Rüti, Kanton Glaris angemeldeten Forderungen sind auf Grund des vom hohen Bundesrate am 7. Dezember 1923 genehmigten "Reglement für die Prüfung der Forderungen", geprüft und wie folgt eingeschätzt worden:
Darin werden in zwei Tabellen folgende Werte aufgeführt die von der Genossenschaft in Genf mit Datum vom 26. April 1926 bestätigt werden.
Protokoll.S.Nr.7210, Protokoll.S.Nr.7211.
Protokoll Seite Nr. 7210
Angemeldete Forderungen Währung Anerkannter Umrech- Summe in
Betrag nungskurs Schweizer Franken
Rubel-Noten Romanoff
(Depot-Schein No. 1100 Rbs. 6'463.-- 1.-- 6'463.--
Silber und Kupfer Münzen Rbs. 4.25 1.-- 11.30
Total: Fr. 6'473.30
Protokoll Seite Nr. 7211
Angemeldete Forderungen Währung Anerkannter Umrech- Summe in
Betrag nungskurs Schweizer Franken
51/2 Oblig. Kriegs-Anleihe 1916 Rbs. 10'000.-- 1.-- 10'000.--
Guthaben bei der Russisch.- Rbs. 40'000.-- 1.-- 40'000.--
Asiatischen Bank in
Wladiwostok.
Möbel und sonstige Einrich- Rbs. 8'500.-- 2.66 22'610.--
tung von 6 Zimmer in
Wladiwostok.
Grundstück von 1070m2 in Rbs. 240'000.-- 2.66 638'400.--
Wladiwostok mit 2 Wohn-
häusern enthaltend 6 Miet-
wohnungen, Eiskeller eine
Wagenremise und Stallungen
für 6 Pferde.
Ein Landbesitz von 1 Ha
gelegen am Strande bei
Wladiwostok und 1 Land-
haus mit 10 Zimmern
Total: Fr. 711'010.--
Mit dem Eidg. LIK Teuerungsrechner der den Landesindex der Konsumentenpreise zur Basis hat nimmt für das Jahr 1926= 162.2 Punkte an und für das Jahr 2012= 1041.7 Punkte. Sein damaliges Vermögen von insgesamt rund Fr. 717'000.-- würde 2012 einem Vermögen von Fr. 4'604'802.-- entsprechen. Er verlor also wegen den Enteignungen durch die Russische Revolution Vermögenswerte in einem Betrag von mehr als viereinhalb Millionen Schweizer Franken.
Davon hat er nie mehr etwas zurückerstattet bekommen. Index.Verm.Rechner
In einem Brief vom 02.12.1926 aus Shanghai schreibt er ganz traurig im Weihnachtsbrief an seine Familie in Schlieren:"Dann bleiben wir auch wieder ganz beisammen und trennen uns dann mindestens auf nicht mehr so lange".
Er kehrte entmutigt anfangs des Jahres 1927 in die Schweiz zurück. Erstmals wieder am 31.03.1927 unterschreibt er nach seiner Rückkehr das Schulzeugnis seiner jüngsten Tochter Edith. In Schlieren wird als Anmeldedatum der 20.04.1927 genannt.
Rückkehr in die Schweiz
Von Shanghai wieder zurückgekehrt fand er nach einiger Zeit in Schlieren eine Stelle bei der Bauunternehmung Bertschinger, wo er als Hilfsbuchhalter tätig sein konnte.
Bei den Unterlagen von Schlieren fand ich ein von J C R Voegeli geführtes Kassabuch, das er seit seinem Beschluss über den Aufbau einer Hühnerfarm führte. Beim Studium der Einnahmen- und Ausgabenposten, ist mir bald aufgefallen, dass immer wieder Zahlungen von G. Grommé auf dem Konto eingegangen sind, so z.B.
am 27. Juni 1927 Fr. 1'000.-
am 29. Juni 1927 Fr. 1281.25
am 20. Aug. 1927 Fr. 1'000.-
am 16. Nov. 1927 Fr. 1000.-
am 30. Nov. 1927 Fr. 500.-
am 21. Dez. 1927 Fr. 500.-
am 13. Jan. 1928 Fr. 600.-
am 2. Febr. 1928 Fr. 1600.-
am 15. März 1928 Fr. 700.-
am 6. Juni 1928 Fr. 250.- und letztmals
am 4. Juli 1928 Fr. 1000.-.
Am 28. August 1928 leistet JCR Voegeli ein Rückzahlung von Fr. 500.00 an Herr G. Grommé. Herr G. Grommé stellte somit insgesamt Fr. 8931.25 zur Verfügung. Damals eine beträchtliche Summe.
Ich wollte herausfinden warum diese Zahlungen erfolgt sind. War Herr Georg Grommé vielleicht ein Freund meines Grossvaters. Was war wohl das Motiv für die regelmässigen Kredite die wahrscheinlich mit keinen Gegenleistungen verbunden waren.
Erst auf Grund des Verkaufsvertrages für das Haus in Schlieren vom 5. März 1937 fand ich heraus dass dieses von Herrn Georg Grommé an der Frohburgstrasse 78 in Zürich erworben wurde. Ich forschte weiter ob von dieser Familie noch Nachkommen vorhanden sind und tatsächlich an dieser Adresse wohnt noch heute eine Familie Grommé, nämlich sein Sohn Herr Alfred Grommé.
Eine Rücksprache ergab, dass Herr Georg Grommé früher auch als Kaufmann in Russland tätig gewesen war und zwar in St. Petersburg, wo er mit Holz gehandelt hatte. Allerdings konnte er rechtzeitig vor der Revolution noch einen Teil seines Vermögens in die Schweiz transferieren. In die Schweiz zurückgekehrt, war er dann einige Zeit Präsident der Gesellschaft der Russlandschweizer. Das Geld, das er (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli geliehen habe sei von ihm persönlich gekommen und nicht vom Verein.
Denkbar wäre dass er in St. Petersburg (V10.8)Eugen Reinhold Constantin Voegeli-Günther im Schweizerclub kennengelernt hatte denn der weilte dort mit seiner Familie längere Zeit während dem ersten Weltkrieg. Das könnte die Verbindung zu seinem Bruder (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli geschaffen haben.
Aufbau der Hühnerzucht und die Arbeit als Hilfsbuchhalter
Erst nach der Rückkehr von Jeannot von China im Frühling 1927 wurde von ihm selbst der Farmaufbau energisch angepackt und die nötigen Stallungen aufgebaut. Er kaufte am 4. Juli verschiedene Geschäftsbücher und ein Kassabuch und im August wird erstmals ein Zeitungsabonnement für die Monate Juli-September für die Tierwelt bezahlt. Dort wird er sich über die Hühnerzucht und allfällige Material- und Zuchthühnerlieferanten informiert haben. Von August bis im Dezember 1927 sind im Kassabuch immer wieder Materialeinkäufe aufgeführt, die zum Bau der Hühnergehege benötigt wurden wie Drahtnetze, Pappnägel, Dachpappe, Betonkies, Fensterglas, Bretter, eine Leiter, Torfmull, sowie immer wieder Stundenlohn für Hilfsarbeiten zum Aufbau der Farm und darauf wieder Hühnerfutter und viele Hilfsstoffe für die Fütterung.Offenbar wurde für den notwendigen Auslauf der Hühner von der Gemeinde noch Land dazu gepachtet, denn es wird im November 1927, 1928 sowie 1929 je ein Betrag von Fr. 40.00 für Pachtzins für Gemeindeland verbucht.
Am 21. November 1927 wird erstmals eine Anzahlung von Fr. 20.00 für die Anschaffung von 19 Hühner verbucht. Am 26. November wird die Restzahlung von Fr. 136.00 für die 19 Hühner beglichen sowie eine Anzahlung von Fr. 400.00 für 40 Lenggenhagerhühner geleistet sowie Futter und zwei Futtergeschirre gekauft.
Im Dezember wird für Fr. 28.50 eine Reise nach Basel an die nationale Geflügelausstellung verbucht. Es werden neben vielen anderen Materialien wie Muschelkalk, Kohlengries, Knochenmehl, Kalkschrot, auch 400 kg Runkelrüben zur Fütterung bezahlt.
Im Dezember werden noch 7 Hühner Beili-Villmergen bezahlt und 1 Ballen Dreschabfälle besorgt. In den folgenden Monaten kommen noch viele weitere kleinere Anschaffungen dazu.
Erstmals im Januar 1928 werden 75 Eier à Rp. 30 verkauft.
Aber es sind weitere Auslagen und Investitionen notwendig wie Futtermittel, Nesterfronten, mehrere Futtergeschirre und Brutapparate.
Im Februar 1928 werden 37 Eier à Rp. 30 verkauft und 228 Eier à Rp. 28 und was besonders erfreulich war davon 150 frische Eier an die Klinik Dr. Bircher in Zürich.
Zusätzlich mussten ein weiterer grosser Brutapparat und 250 Bruteier erworben werden.
Ab März 1928 sanken die Eierpreise kontinuierlich. Dafür konnten 465 Eier geliefert werden aber es mussten auch wieder 470 Bruteier zugekauft werden.
Im April wurden wohl 650 Eier verkauft jedoch nur noch für Rp. 22 aber wieder 200 an die Klinik Dr. Bircher. Nochmals wurden 250 Bruteier dazugekauft.
Im Mai stieg die Produktion auf rund 700 Eier zu Rp. 22. Erneut wurde der Kauf von 244 Leghorn Bruteiern verbucht.
Und so führt uns das Kassabuch durch die nächsten zwei Jahre weiter.
Ab August 1928 beginnt der Verkauf von Poulets und Suppenhühnern und einzelnen Zuchthähnen und Hühnchen.
Im Oktober 1928 bricht die Eierproduktion der Hühnerfarm massiv zusammen es werden nur noch rund 250 Eier produziert und im November 380.
Im Dezember wird durch den Verkauf von Zuchthähnen und Hähnen mehr gelöst als mit Eiern.
Im Laufe der drei Jahre wurden im Garten drei Hühnerställe aufgebaut, die auf nebenstehenden Bild ersichtlich sind.
Ähnlich verläuft das Geschäft 1929 und anfangs 1930. Nach einem letzten Eintrag am 1. Juli 1930 bricht die Führung des Kassabuches plötzlich ab. Warum? Darüber wurde nie gesprochen. Wahrscheinlich war die ganze Unternehmung trotz den erheblichen Bemühungen einfach zu wenig rentabel. Aber wie viele andere musste er erfahren, dass man in der Schweiz mit einer kleinen Hühnerfarm keine Existenz aufbauen konnte.
Auf Grund des von JCR Voegeli sorgfältig geführten Kassabuches kann man die Rechnung nachvollziehen. Investiert wurden von Herr Grommé Fr. 9431.25 davon erhielt er im August Fr. 500.-- zurück also blieb gegenüber Herr Grommé eine Schuld von Fr. 8931.25. Die Motive der übrigen Investoren sind nicht bekannt und wurden auch im Folgenden nicht weiter untersucht.
Es wurden rund Fr. 14'400.-- Fremdmittel investiert, davon wurden rund Fr. 4000.-- für den Zinsendienst für das Wohnhaus benötigt. Für das Hühnerfarmprojekt wurden daher nur rund Fr. 10'400.-- aufgewendet. Insgesamt wurde mit der Hühnerfarm durch Verkäufe ein Ertrag von rund Fr. 5'400.-- erarbeitet.
Es entstand darum von Ende Juni 1927 bis Ende Juni 1930 ein Gesamtverlust von rund Fr. 5'000.--
Man kann sich nun vorstellen, dass im Sommer 1930 die neuen Schwiegersöhne, die beide finanziell in einer guten Situation waren, Fortunat Huber-Voegeli der (V11.5)Ellinor im Oktober 1929 geheiratet hatte und der Ernst Probst-Voegeli der (V11.4)Gritli am 11.7.1930 heiratete, dem schwierigen und mühsamen Unterfangen der Schwiegereltern nicht mehr länger zuschauen mochten und die nötigen ergänzenden finanziellen Mittel für den Lebensunterhalt der beiden Alten zur Verfügung stellten, damit sie die nur Verlust bringende Hühnerfarm-Übung in allen Ehren abbrechen konnten. Es ist nirgends übermittelt, wie die Eltern in der Folge alle ihre vielen Hühner, Kücken, Hähne und Eier verwerteten. Hinter dem Haus in Schlieren steht heute noch einer dieser solide gebauten Hühnerställe als Geräteschopf.
860.1.Silb.Hochzeit im Febr.1928Olga
und Jeannot waren glücklich am 02.02.1928 zusammen in Schlieren ihre "Silberige Hochzeit" feiern zu dürfen. Sie hatten in ihrem gemeinsamen Leben viele Erfolge erlebt aber auch schreckliche Niederlagen ertragen müssen. Doch allen ihren Kindern ging es gut, das war ihnen das Wichtigste.
Den Plan, ein weiteres Mal nach China zurückzukehren, gab er noch lange nicht auf.
Erst im Handelsregisterauszug vom 27. November 1931 wird die
nachträgliche Streichung aus dem Handelsregister in Shanghai bekannt gegeben. (L_143_Q11KS.2.4)
So waren die Reste seines früheren Wohlstandes im Laufe von sieben Jahren dahingeschmolzen und er war schliesslich froh, ohne die bemühende Arbeit mit der Hühnerzucht weiter als Hilfsbuchhalter in der Baufirma Bertschinger in Schlieren eine bescheidene Anstellung zu haben. Mit Eifer und Hingabe widmete er sich dieser Arbeit, stets darauf bedacht, seinem Chef, dem er grosse Achtung entgegenbrachte, ein treuer Mitarbeiter zu sein.
Er war wie erlöst, dass er die Hühnerfarm nun aufgeben konnten. Das erste Mal in seinem Leben hatte er viel Zeit für sich und die Familie, was er trotz seiner vielen Entäuschungen nun doch geniessen konnte. Die Stellung als Hilfsbuchhalter erfüllte er gerne aber ernsthafte Arbeit war das für den tüchtigen Unternehmer nicht.
Im Sommer 1931 gab es im Garten des Hauses in Schlieren noch ein Familienbild auf dem (V11.5)Elli mit ihrem anderthalbjährigen jüngsten Sohn (V11.5.1)Fortunat bei ihren Eltern zu Besuch weilt.
V.l.n.r.hintere Reihe: (V11.1)Lorli Voegeli, Ernst Probst-Voegeli, Fortunat Huber-Voegeli, (V11.6)Edith Voegeli, (V11.7)Georg Voegeli.
V.l.n.r.vordere Reihe: (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther, (V11.4)Gritli Probst-Voegeli, (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther, der kleine knapp halbjährige (V11.5.1)Fortunat Huber in den Armen von (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli
Es ist das letzte Bild von Schlieren, bald begannen sich bei Johann Carl Richard Voegei-Günthert erste ernsthafte Alterbeschwerden zu melden. Schon auf der Reise nach China hatte er einige Probleme mit seinem Herzen. Die vielen Entäuschungen und die strenge Arbeit für sein Unternehmen hatten ihm viel Kraft abgefordert. Er wurde immer müder. Auch die Arbeit als Hilfsbuchhalter konnte ihn, obwohl er sich immer tüchtig eingesetzt hatte endlich doch nicht erfüllen.
Als nun im Frühling 1932 alle Kinder von Olga und Jeannot ausgeflogen waren wurde ihnen das Haus "Lueg ins Land" in Schlieren zu gross zu anstrengend und zu teuer.
Auf den 1. April 1932 wurde das Haus für einen jährlichen Zins von Fr. 1'800.-- an Herr Otto Schubert z/Zt. Ober Urdorf für 6 Personen vermietet. (Ein Einfamilienhaus mit allem Zubehör und Garten, mit zwei kleinen Hühnerställen).
Im Vertrag vom 10. Januar 1932 wird vereinbart dass der Mietzins zum Voraus monatlich je auf den Ersten eines Monates auf das Postcheckkonto VIII 1353 der Firma Rahn& Bodmer einzuzahlen ist.
Die Stadtverwaltung der Stadt Schlieren meldet, dass die Familie am 01.04.1932 an die Rosengartenstrasse 27 in Zürich zog.
Am 1. August 1932 tritt er der Städtischen Versicherungskasse gegen Arbeitslosigkeit bei. Sein Mitgliedbuch trägt die Nummer 32031.


Ab dem 6.09.1932 bezahlt er regelmässig seine Mitgliederbeiträge. Bei einem Tagesverdienst von Fr. 8.00 bis Fr. 12.00 waren monatlich Fr. 3.00 und bei einem Tagesverdienst von Fr. 12.00 bis Fr. 16.00 waren Fr. 4.50 zu bezahlen. Seinen letzten Beitrag von Fr. 4.50 bezahlte er am 2.04.1935.
Als seine Krankheits- und Altersbeschwerden immer hinderlicher wurden, zogen Jeannot und Olga im Mai 1935 nach Basel zu (V11.4)Gritli und Ernst Probst-Voegeli.
Die Strapazen seiner jungen Jahre, noch mehr aber die Enttäuschungen der letzten Zeit, hatten seine Gesundheit stark angegriffen. 1935 erlitt er in Basel einen ersten Schlaganfall, dem später weitere folgten. Der erst Sechzigjährige war nun gezwungen, während eineinhalb Jahren das Leben eines arbeitsunfähigen Greises zu führen. Das war für ihn eine schwere Prüfung. Er gab sich aber alle Mühe, die Angehörigen seine Bedrücktheit nicht fühlen zu lassen. Ein Anfall von Angina Pectoris warf ihn im Herbst 1936 aufs Krankenbett von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Der Tod kam dann als Erlöser. Am 29.9.1936 ist er in Basel bei seiner Tochter (V11.4)Gritli Probst-Voegeli und ihrem Mann Ernst Probst-Voegeli gestorben. Die Begräbnisfeier fand auf dem Friedhof Hörnli in Basel statt wo er auch begraben wurde. Die Abschiedsworte sprach Herr Pfarrer Waldburger von der Kirche St. Elisabethen. (Im verlesenen Nachruf sind einige gröbere Fehler enthalten, die anlässlich der Überarbeitung in dieser Geschichte korrigiert wurden)
Seinen Bekannten bleibt er als gutherziger Mensch und froher Gesellschafter in Erinnerung. Wenn er auch in Momenten der Enttäuschung gelegentlich heftig werden konnte und aufbrauste, so fand er doch immer wieder zu seinem guten Humor zurück.
Verkauf des Hauses "Lueg ins Land" in Schlieren
Nach dem Tod von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther erbte (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther das Haus in Schlieren. Es war immer noch vermietet. Alle Erben hatten mit der Zustimmung ihrer Ehefrauen die Erbschaft unbedingt und vorbehaltlos ausgeschlagen und Olga Voegeli-Günther trat das Erbe vorbehaltlos an.
Es wurde beschlossen das Haus zu verkaufen. Olga Voegeli-Günther trat das Eigentum am 5. März 1937 an Herr Georg Grommé ab. Es umfasste folgende Liegenschaften:
Kat. Nr. 3857, Ein Wohnhaus mit gewölbtem Keller mit 5Aren und 92 m2 Grundfläche, Hofraum und Garten
Kat. Nr. 1600: mit vier Aren 84 m2 Gartenland, und
Kat. Nr. 1601: mit einer Are 02 m2 Streuland in der Kalchtharen
An 1. Pfandstelle ist eine Grundpfandverschreibung von Fr. 300.-- dat. 17. Dezember 1935, der Gemeindegutsverwaltung Schlieren mit Zins ab 1. Dezember 1935 à 4 1/4 %
An 2. Pfandstelle ist ein Namenschuldbrief von Fr. 20'000.-- abbezahlt auf Fr. 17'000.-- lautend auf die Zürcher Kantonalbank vom 22. Dezember 1922 mit Zins ab 1. Januar 1937 à 4 %
An 3. Pfandstelle ein Inhaberschuldbrief Fr. 16'000.-- dat. 13. August 1923 dem Erwerber selbst gehörend mit Nachrückungsrecht mit Zins soweit ausstehend.
Ein weiterer auf den abgetretenen Liegenschaften haftender Fr. 8000.00 Schuldbrief, dat. 8. September 1924 ebenfalls dem Erweber gehörend, ist zu löschen.
Das Guthaben des Erwerbers auf diesen Titel, nebst ausstehenden und laufenden Zinsen wird der Abtreterin mit Rücksicht auf die Ueberschuldung der Erbschaft Voegeli erlassen und vom Uebernehmer als Verlust abgeschrieben. Eine weitere Gegenleistung hat seitens des Erwerbers nicht zu erfolgen, insbesondere keine Barzahlung.
Der Besitzesantritt hat stattgefunden. Das Mietverhältnis mit Schubert wird vom Erwerber übernommen mit Zins ab 1. Januar 1937.
Die drei Seiten des Verkaufsvertrages sind mit den drei untenstehenden Links einsehbar.
Verk.Vertr.S1, 871.2.Beil.3.Fo_12.FSch.24.2.HausVerk.1937.jpeg, 871.3.Beil.3.Fo_12.FSch.24.3.HausVerk.1937.jpeg.
So klärte sich dass Georg Grommé mit seine Darlehen nicht nur Mittel für die Hühnerzucht vorgeschossen hatte sondern auch noch für den Lebensunterhalt der Familie von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther. Insgesamt hatte er ihm also Fr. 24'000.00 geliehen. Davon musste nun Georg Grommé bei der Uebernahme des Hauses rund Fr. 8'000.00 als Verlust abschreiben.
4.10.4. Die fünf Kinder von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther und (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther gingen bald ihre eigenen Wege
4.10.4.1. (V11.1)Lorli Schrämli-Voegeli
(V11.1)Lorli war noch am 29.07.1923 in Braunwald konfirmiert worden und hatte gemäss dem Konfirmationsschein noch am selben Tage das erste Abendmahl empfangen. Unterschrieben wurde das Zeugnis von Pfr. C. Hörschmann.
Wie und wo Lorli Voegeli ihren künftigen Mann Emil Schrämli kennen gelernt hat ist nicht überliefert.
Emil Heinrich Schrämli ist am 23.05.1909 in Luzern geboren worden. Sein Vater war Emil Schrämli, Schreiner von Hettlingen ZH und seine Mutter Maurizia geb. Sauter.
Emil Heinrich Schrämli wurde am 29.08.1909 in Luzern durch Pfarrer M. Lüschka evangelisch reformiert getauft.
Gemäss Bürgerrechtsurkunde des Stadtrates von Zürich wurde Emil Schrämli, Hilfskanzlist des Fürsorgeamtes der Stadt Zürich, Bürger von Hettlingen ZH und seine Ehefrau Lore geborene Voegeli mit Datum vom 07.12.1935 ins Bürgerrecht der Stadt Zürich aufgenommen.
Die Mutter von Emil Heinrich, Maurizia Schrämli, geborene Sauter ist gemäss Erbbescheinigung des Bezirksgerichtes Zürich vom 11.02.1949 am 23.09.1875 geboren worden. Gemäss Heimatschein, ausgestellt vom Grossherzogthum Baden, Deutsches Reich, in Engen am 16.11.1898 ist sie, mit abweichendem Datum, am 10.09.1875 in Duchtlingen geboren worden.
Der Heimatschein der Mutter von Emil Heinrich wurde zwecks eines beschränkten Auslandaufenthaltes ausgestellt. In einer angefügten Klausel wurde festgehalten, dass Deutsche, welche das Bundesgebiet verlassen und sich zehn Jahre lang ununterbrochen im Auslande aufhalten dadurch ihre Staatszugehörigkeit verlieren. Diese Frist wird unterbrochen durch Eintragung in die Matrikel eines Bundeskonsulates. Der Verlust des Bürgerrechtes erstreckt sich auch über die Ehefrau und die Kinder. (gekürzte Fassung)
Am 20.01.1949 ist die Mutter von Emil Heinrich, Maurizia Schrämli-Sauter in Zürich an der Luegislandstrasse 23, gestorben. Ihr Mann Emil Schrämli-Sauter, von Hettlingen ZH, war am 12.11.1878 in Oberhallau geboren worden. Dessen Vater war Heinrich Schrämli und seine Ehefrau Katharina, geborene Kramer gewesen.
900.1.(V11.1)Lorli und Emil Schrämli-Voegeli ein Tag nach ihrer Hochzeit am 12.08.1934 zu Besuch bei ihrer Schwester Gritli in Basel. Bild beim Wasserturm auf dem BruderholzGemäss Zivilstandsnachrichten der Stadt Zürich haben Emil Heinrich Schrämli, von Hettlingen ZH, Kanzlist, wohnhaft an der Hotzestrasse 72, Zürich 6 und Lore Voegeli, von Rüti GL, Korrespondentin, wohnhaft an der Zurlindenstr. 57, Zürich 3, am 11.08.1934 geheiratet.
Ab 01.09.1934 sind sie wohnhaft an der Rieterstrasse 32 in Zürich 2.
(V11.1)Lore Schrämli ist, gemäss Arbeitszeugnis vom 31.05.1937 der Firma Roneo, Geschäft für Büroausstattung, Stahlmöbel und Kartotheken, Vervielfältigungsmaschinen und Adressiermaschinen, vom 13.06.1925 bis zum 31.05.1937 in dieser Firma tätig gewesen. Ihre Beschäftigung bestand hauptsächlich in der selbständigen Erledigung deutscher und englischer Korrespondenz, Übersetzungen englischer Prospekte und Kataloge in deutscher Sprache, Berechnung der Verkaufslisten, die sie dank ihrer fliessenden Englischkenntnisse rasch und zuverlässig ausführte. Ferner führte sie die Lager-, Abonnements- und Kundenkontrollen, bediente das Telefon und fertigte als geübte Stenzilschreiberin sämtliche Vorführungsmatritzen an. Sie verliess die Stelle auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Rücksichten.
Vom 01.08.1937 bis zum 31.07.1939 arbeitete sie wieder halbtagsweise und verliess die Stelle erneut aus gesundheitlichen Gründen.
Ein letztes Mal arbeitete sie nochmals vom 01.12.1939 bis zum 15.10.1940 vorwiegend halbtags in der gleichen Firma.
Vom 25.11.1940 existiert eine Mitgliedskarte der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich. Sie wohnten bis zum Umzug nach Wollishofen zuerst in der Genossenschaftssiedlung Friesenberg an der Friesenbergstrasse 82.
Anschliessend zogen sie in eine Genossenschaftssiedlung am Entlisberg, bevor sie dann noch während dem Krieg in das ihnen durch Erbschaft zufallende Einfamilienhaus in Örlikon ziehen konnten. Um das Haus an der Apfelbaumstrasse in Örlikon hatte es einen grossem Garten.
Mit den Besuchen bei Tante Lorli und Onkel Miggel in Oerlikon verbinden sich nur wenige Erinnerungen. In erster Linie freute ich mich auf die lange Fahrt mit dem Tram Nr. 7, die von unserer Endstation in Wollishofen, quer durch die ganze Stadt, durch die Bahnhofstrasse und über den Milchbuck nach Oerlikon führte. Dort in einem Quartier mit Einfamilienhäusern die in grossen Gärten standen wohnten die beiden. Schon bei der Begrüssung wurde deren momentane Befindlichkeit besprochen. Was die beiden verband war das Leiden unter Migräne. Es wurde leise gesprochen, mit gesenktem Kopf und zwei tiefen vertikalen Falten über der Nase. Die Augen waren durch die dunkeln Sonnenbrillengläser fast nicht auszumachen. Zuerst wurde meist der Garten besichtigt. Mit Ausnahme eines kleinen Sitzplatzes unter einer Pergola war der ganze Garten dicht mit Pflanzbeeten belegt.
902.1.Das Haus an der Apfelbaumstrasse 43 im grossen GartenAlles was sich an Gemüse anpflanzen liess sprosste dort. Stolz wurde für uns aus den ohne jedes Unkraut belasteten Beeten je nach Jahreszeit frisches Gemüse geerntet, damit wir etwas nach hause mitnehmen konnten, Rüben, Sellerie, Salat, Bohnen, Zwiebeln, Lauch und vieles anderes. Ganze Alleen von Himbeersträuchern standen da oder viele Bäume mit Früchten. Freudig pflückten sie für uns aus der Fülle der Früchte. Die zwei blühten richtig auf, wenn wir gemeinsam durch den Garten zogen, ihr grünes Reich bewunderten und für alle die Gaben dankten. Unvergessen blieb uns die herrliche Himbeerkonfitüre die sie uns jeweils auf den Weg gab. Nach diesem obligatorischen Rundgang wurde unter der Pergola Tee und Kuchen serviert. Danach sanken die beiden seufzend in ihrer Korbstühle und das Klagelied in leisen weinerlichen Tönen über alle ihre Gebresten begann. Wir Kinder flohen derweil in den Garten. War mein Vater dabei, dann setzte er sein neutrales mitleidiges Gesicht auf. Wir spürten was er sich dachte. Er wartete nur darauf wieder gehen zu dürfen. Er fand mit diesen beiden Menschen keinen Gesprächsstoff, doch verachtet hat er sie nicht. Er bedauerte ehrlich ihr gemeinsames unausweichliches Schicksal.
903.1.(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther zu Besuch bei ihrer Tochter (V11.1)Lorli Schrämli-Voegeli 1950 an der Apfelbaumstrasse 43 in ÖrlikonKurz nach dem Ende des Weltkrieges wurde ein lange geplanter Anlass in ihrem Garten durchgeführt. Während dem ganzen Krieg war bei allen Familienfesten immer wieder das Thema Rationierung behandelt worden und die Einschränkungen die der Krieg auf unseren Speisezettel zur Folge hatte. Wir mussten wirklich nie hungern, aber gewisse Nahrungsmittel waren wirklich knapp. Es wurde beschlossen, sobald wieder Frieden herrschen würde ein grosses Fest zu veranstalten. Im Sommer 1945 die Rationierung war noch nicht aufgehoben, kam die ganze Familie in Oerlikon zusammen, alle hatten seit einiger Zeit ihre Rahmrationierungsmarken gespart. Man traf sich bei Schrämmlis, alle mit einer Flasche voll Rahm. Gemeinsam wurde der in der Küche zu gezuckertem Schlagrahm verarbeitet und mehrere Schüsseln in den Garten gebracht. Tante Lorli hatte mehrere Früchtewähen gebacken. Dazu konnten sich nun alle so viel Schlagrahm schöpfen wie sie wollten. Es war ein Fressen und Schlemmen. Allen war nach kurzer Zeit schlecht. Ich mag mich nicht mehr erinnern in welchem Zustand wir mit dem Tram nach hause fuhren. Wochen lang hätte ich keinen Schlagrahm mehr anrühren können.
Emil Schrämli war gemäss Identitätskarte 183 gross, hatte braune Haare und graublaue Augen und war Brillenträger.
Gemäss Protokollauszug des Stadtrates von Zürich vom 17.02.1961 wurde der Kanzleisekretär 1. Klasse mit Unterbruch aktives Mitglied der Pensionskasse seit Dezember 1933 mit bestem Dank mit Wirkung ab. 7.12.1960 provisorisch pensioniert.
Die Invalidenrente betrug auf Grund der versicherten Jahresbesoldung von Fr. 15'780.00, jährlich Fr. 8'790.00 oder monatlich Fr. 732.50. Spätestens nach Ablauf eines Jahres sollte die Arbeitsfähigkeit neu überprüft werden.
906.1.(V11.1)Lorli und Emil Schrämli-Voegeli an der Goldigen Hochzeit von Fortunat und (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli 1959Emil Schrämli-Voegeli ist am 1.04.1966 um 17.50 Uhr an der Apfelbaumstrasse 43 in Zürich Örlikon gestorben und wurde am Mittwoch den 06.04.1966 im Krematorium der Stadt Zürich feuerbestattet. Die Urne wurde auf dem Friedhof Örlikon, Urnengrab Nr. 215 beigesetzt.
Gemäss Kaufvertrag vom 20.05.1970 wurde das nach dem Tod von Emil Schrämli-Voegeli an Lorli Schrämli-Voegeli fallende Haus Kat. Nr. 4941, mit einer Landfläche von 954 m2, an der Apfelbaumstrasse 43 in Örlikon für Fr. 495'000.-- an Herr Max Blattmann von Oberägeri, Malermeister, wohnhaft an der Apfelbaumstrasse 37 verkauft.
Am 23.06.1984 ist (V11.1)Lorli Schrämli-Voegeli an einem Herzversagen in Örlikon gestorben.
4.10.4.2. (V11.4)Margaretha Johanna (Gritli) Probst-Voegeli
Trotz grossem Geldmangel im Haus durfte Gritli Voegeli nach dem Abschluss der Sekundarschule von Schlieren aus in Zürich bei der Firma Meynadier eine kaufmännische Lehre absolvieren. Am 15. April 1924 wird von den Lehrherren Meynadier von Joh. Voegely und dem Lehrling Margret Vögeli der Kaufmännische Lehrvertrag in der Isolier & Baumaterialbranche unterschrieben. Es wird eine dreijährige Lehrzeit vom 15. April 1924 bis zum 15. April 1927 festgesetzt.
Im ersten Jahr wird eine monatliche Vergütung von Fr. 40.- abgemacht mit einer Steigerung auf Fr. 60.- im zweiten und auf Fr. 80.- im dritten Lehrjahr. Die Bezahlung des Schulgeldes der kaufmännischen Fortbildungsschule hatte der Vater zu übernehmen.
Die Geschäftsstunden dauern in der Regel im Sommer von 07.00 bis 18.00 Uhr und im Winter von 08.00 bis 18.00 Uhr mit einem täglichen Unterbruch von 1.5 bis 2 Std.
An Sonn- und Feiertagen wird der Lehrling nicht zu Dienstleistungen herangezogen. Dem Lehrling werden 8 Tage Ferien gewährt, die womöglich in die Sommermonate fallen sollen. (Die unten angefügten Links zeigen den Lehrvertrag von 1924.
Lehrvertr.S1, 907.2.Beil.3.Fo_12.FSch.18.2.Lehrvertr1924.jpeg, 907.3.Beil.3.Fo_12.FSch.18.3.Lehrvertr1924.jpeg, 907.4.Beil.3.Fo_12.FSch.18.4.Lehrvertr1924.jpeg.
Nach Abschluss der Lehre arbeitet sie als Einführungsdame für die Firma Madas-Rechenmaschinen.
Anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli am 10.10.1929 lernte Gritli Voegeli den jung verwitweten ersten Basler Schulpsychologen Ernst Probst-Grütter (seine erste Frau hiess Elsa Grütter) näher kennen, er war ein Studienkollege von Fortunat Huber anlässlich seiner Studien in Bern.
Sie heirateten bereits am 11.07.1930. Weil sie noch kaum über einschlägige Erfahrung im Haushalt verfügte, war sie ihrem Mann im ersten Jahr für seinen grossen Vorsprung im Koch- und Küchenwissen dankbar, wurde aber rasch selber eine gute Hausfrau und ausgezeichnete Köchin.
Zu ihrer und ihres Gatten grosser Freude konnten sie 1932 an der Peter-Ochsstrasse 43 auf dem Bruderholz in Basel in ein eigenes Haus ziehen. Dieses bot nicht nur ihren Kindern eine Art Jugendparadies, es sollte fast 60 Jahre lang ein Mittelpunkt ihres Lebens bleiben. Ihrer glücklichen Ehe entsprossen mit den Jahren die Kinder Marianne, Benedict und Käthi.
Als es ihrem Vater (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther infolge zunehmender gesundheitlicher Probleme nicht mehr möglich war, seiner Arbeit als Hilfsbuchhalter nachzugehen, nahmen Margrit und Ernst Probst-Voegeli ab Mai 1935 ihre Eltern (Gü4.8)Olga und (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther in ihr Haus auf. Doch leider verstarb Vater (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli schon am 29.09.1936. Am 25.03.1955 folgte ihm seine Frau (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther nach. Richtig eng, mindestens im Winter wurde es erst, als in den Kriegsjahren 1940-45 wegen Kohlemangel nur noch die grosse Wohnstube geheizt werden konnte. Wenn sich an einem trüben Tage alle drei Erwachsenen und die drei Kinder darin aufhielten, wurde manchmal von ihr fast übermenschliche Rücksichtnahme und Besänftigungskunst verlangt.
912.1.(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther's 65 igster Geburtstag in Basel 1946Vor und nach dem zweiten Weltkrieg führte sie jedoch ein ebenso weltoffenes wie grosszügig - gastfreundliches Haus. Schon 1938 machte sich bei Margrit leider ein erster, starker Schub von Gelenk-Rheumatismus bemerkbar, welche Krankheit ihr bis zum Tod keine Ruhe mehr lassen sollte.
Unvergessen bleiben die vielen Familienfeste die auf dem Bruderholz gefeiert wurden. In der grossen Stube wurde das ganze Mobiliar an die Wände geschoben und in der Mitte eine festliche Tafel zum Essen eingerichtet. Daneben bekamen wir Kinder Forti, Nörli und ich, zusammen mit unseren Cousinen Marianne und Käthi und Cousin Bänz einen eigenen Tisch. Zum Trinken bekamen wir Kinder auch Wein allerdings nur Kinderwein. Zuckerwasser mit etwas Wein rot gefärbt. Doch wenn man genug davon trank hatte das doch seine Wirkung, jedenfalls hatten wir diesen Eindruck.
V.l.n.r. hinterste Reihe: Ernst Probst-Voegeli, Emil Schrämli-Voegeli, (V11.5.1)Fortunat Huber, (Gü4.3)Wilhelmine Lilly Antoine Voegeli-Günther (Toni), (V11.5.2)Ellinor Huber, (V11.4.1)Marianne Probst, (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli,
V.l.n.r. zweithinterste Reihe: Emil Reiss-Voegeli, Fortunat Huber-Voegeli, Lilly Voegeli-Tschan, (V11.6)Edith Reiss-Voegeli, (V11.5.3)Luzius Huber,
V.l.n.r. vorderste Reihe: (V11.7)George Voegeli-Tschan, (V11.4)Gritli Probst-Voegeli, (V11.4.2)Benedict (Bänz) Probst, (V11.4.3)Käthi Probst, (V11.7.1)Georgli Voegeli, (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther (Oma) die Jubilarin.
913.1.(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther's 70 igster Geburtstag in Basel 1951Siebzigste Geburtstagsfeier für (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther 1951 auf dem Bruderholz bei der Familie Probst-Voegeli.
V.l.n.r. hintere Reihe: Emil Reiss-Voegeli, Fortunat Huber-Voegeli, (V11.4.2)Benedict Probst, Emil Schrämli-Voegeli, Ernst Probst-Voegeli.
V.l.n.r. vordere Reihe: (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli, (V11.4)Gritli Probst-Voegeli, (V11.6)Edith Reiss-Voegeli, (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther (Oma), Lilly Voegeli-Tschan
Vorne sitzend: (V11.4.3)Käthi Probst, (V11.7.1)George Voegeli
Alle Erwachsenen rauchten an den Familienfesten jeweils so stark, dass die Stube oft voll dichtem Dunst stand. Man sah kaum mehr aus dem Fenster in den Garten hinaus. Als Teenager bekamen auch wir Jugendlichen von Tante (V11.4)Gritli oder Tante (V11.6)Edith einzelne Zigaretten zum probieren.
Die festlichen Essen waren reichlich und zogen sich über Stunden hin. Danach brach jeweils die ganze Gesellschaft zu langen Verdauungsspaziergängen in die nahe landwirtschaftliche Umgebung auf. Die Männer fanden sich zu Diskussionsgruppen für ernsthafte Themen zusammen. Die Frauen interessierten mehr familiäre Begebenheiten und wir Kinder und Jugendliche rannten umher oder hatten unsere eigenen Geheimnisse zu besprechen. Am Nachmittag fand man sich wieder zurück im Haus oder Garten zu Kaffee und Kuchen in Anknüpfung an die baltische Gastfreundschaft die unsere Grossmutter Olga die nun ja bei ihnen wohnte und alle Voegeli-Geschwister ununterbrochen weiterführten.
Erst in der Abenddämmerung verabschiedete man sich in aller Herzlichkeit um wieder nach hause zurückzukehren.
Wohl ihre grösste Freude erlebte Gritli am Heranwachsen und Gedeihen ihrer Kinder und später fünf Grosskindern. Umgekehrt schätzten sie ihre Verwandten und Bekannten am meisten als eine ebenso teilnehmende wie verschwiegene Zuhörerin aber auch wegen ihres Humors.
914.1.(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther anlässlich der Konfirmation von (V11.5.3)Luzius Huber im Neubühl im Frühling 1952(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther wohnte bis zu ihrem Lebensende am 25.03.1955 bei ihrer Tochter (V11.4)Gritli Probst-Voegeli und deren Ehemann Ernst auf dem Bruderholz in Basel.
Der grösste Schmerz für Gritli Probst-Voegeli war, als ihr geliebter Mann Ernst Probst-Voegeli am 04.02.1980 nach längerem Leiden verstarb.
Ab 1980 gesellten sich bei Gritli Probst-Voegeli verschiedene Altersbeschwerden hinzu, vor allem eine zunehmend stärkere, beidseitige Schwerhörigkeit und Angina Pectoris. Drei oder vier kürzere Spitalaufenthalte in den letzten Jahren konnten den zunehmenden Zerfall ihrer Kräfte nicht aufhalten, bis sie Ende September 1990 ins neue Betagten- und Pflegeheim am Wasserturm eintreten musste. Dort ist sie vier Monate später - trotz bester Pflege und ärztlicher Betreuung am 26.02.1991 spät still entschlafen.
4.10.4.3. (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli920.1.(V11.5)Ellinor Voegeli 1926 als Fotomodel für den Schweizer-Spiegel
919.1.(V11.5)Ellinor Voegeli mit ihrer neuen Kodak-Box im Ausgang 1926Die Familie hatte in Wladiwostok Russisch und Hochdeutsch gesprochen und sie war dort in der Schule noch in Englisch unterrichtet worden. In Chefoo hatte sie die Klosterschule St. Francis, der französischen Nonnen besucht und lernte dort noch etwas französisch dazu. Dieses Fundament an Sprachkenntnisse hat sie ihr ganzes Leben lang frisch erhalten.
Nach der zweiten Sekundarschule in Schlieren fand Ellinor nach einigem Suchen im Herbst 1925 in Zürich eine Lehrstelle, die ihr zusagte, nämlich im neu von Adolf Guggenbühl und Fortunat Huber gegründeten Schweizer-Spiegel-Verlag, der an der Storchengasse 16 in der Altstadt von Zürich seine ersten Büros hatte. Sie war eine gescheite, geschickte und belesene Lehrtochter, die sich sehr rasch einarbeitete. Sie durfte schon bei der Gestaltung der ersten Nummer der Monatszeitschrift mithelfen.
Die drei jungen weitgereisten Frauen fielen in Schlieren auf durch ihr aufgeschlossenes Wesen. Bald wurden sie von den jungen Männern entdeckt und umschwärmt. Gern schlossen sie sich an für gemeinsame Ausflüge und die jungen Burschen gaben sich alle Mühe sie zu beeindrucken. Es war kaum ein Mädchen allein auszuführen. Immer war mindestens eine der Schwestern dabei.
Noch trugen alle ihre langen schönen Zöpfe. Zu ihrer Konfirmation 1926 hatte sie keinen dringenderen Wunsch als eine Kodakbox, die gleichen wie ihre ältere Schwester Lorli eine besass. Diese Kamera begleitete sie nun auf jeder Wanderung und jedem Ausflug. Mit dieser Kodak-Box machte auch ihr jüngster Sohn (V11.5.3)Luzi zwanzig Jahre später seine ersten Fotoreportagen von seinen Schulreisen.
Mit Freude war sie bereit sich als Fotomodel für Werbefotos für den Schweizer-Spiegel zur Verfügung zu stellen.
918.1.1.Im Ausgang mit Freunden 1925.V.r.n.l.: (V11.5)Elli, (V11.4)Gritli, (V11.6)Edith, und zwei Freunde
921.1.Badeausflug 1927 an den Türlersee. Ganz links (V11.4)Gritli, ganz rechts (V11.5)ElliMit ihren Freunden aus Schlieren und aus dem KV-Zürich machten Gritli und Elli viele Ausflüge in die Umgebung von Zürich, so auch an den Türlersee. Bald nannten sie ihre Gruppe der Club der 6. Das gab ihnen die Gelegenheit beim Baden ihre Zöpfe zu öffnen und ihre schönen langen Haare zu zeigen. Die Burschen waren begeistert.
Im Frühling 1927 waren die älteren Töchter Vögeli nicht mehr zurückzuhalten, nicht nur ihre Zöpfe abzuschneiden und die Haare offen zu tragen sondern sogar einen modernen Bubischnitt machen zu lassen.
Am kleinen Waldfest des Club der 6 durfte gar die kleine Schwester Edith mitkommen. Es wurde geraucht und auf dem Aufziehgrammophon die neusten Jazz-Platten abgespielt.
926.1.Skitour in den Flumserbergen1928. (V11.4)Gritli links der Mitte und (V11.5)Ellinor rechts der Mitte
927.1.Auf der Sonnenterrasse des Hotels Gamperdon 1928. V.r.n.l.auf der Bank: 1. (V11.5)Ellinor und 4. (V11.4)GritliIm März 1928 machte (V11.4)Gritli und (V11.5)Elli mit dem Club der 6 einen Ausflug zum Skifahren in die Flumserberge. Es entstand eine Foto am selben Ort im Gelände auf der Tannenbodenalp wo (V11.5)Elli wenige Jahre später zuerst mit ihrem Mann Fortunat Huber und danach mit ihrer ganzen Familie mehr als zwanzig Jahre lang ihre Winterferien zwischen Weihanchten und Neujahr verbringen würden.
Auf der grossen Sonnenterrasse vom Hotel Gamperdon sonnten sich die beiden Schwestern (V11.4)Gritli und (V11.5)Elli mit ihren Freunden des Club der 6, wo auch später ihre ganze Familie von Elli sich sonnen würde. Das hatte sie sich damals kaum gedacht.
Obwohl (V11.5)Elli die Stelle beim Schweizer-Spiegel sehr gefallen hatte, wollte sie nach dem Lehrabschluss eine andere Stelle in einer anderen Firma mit neuen Herausforderungen suchen.
928.1.Dritte von links: (V11.4)Gritli; fünfte von links: (V11.5)Ellinor
928.2.Vierte von rechts: (V11.4)Gritli; dritte von rechts: (V11.5)Ellinor
Mit den ehemaligen Schulfreundinnen aus dem KV-Zürich blieben sie aber auch über die Schulzeit hinaus verbunden. An einem KV-Fest wirkten Elli und Gritli im Frühling 1929 mit Freuden an einer gemeinsamen Tanzaufführung mit bei der sie zusammen mit einer Tanzgruppe einen Charleston-Tanz aufführten.
Etwa ein halbes Jahr nach ihrem Lehrabschluss und Austritt beim Schweizer-Spiegel im Herbst 1928 traf Elli zufällig ihren ehemaligen Chef Fortunat Huber in der Altstadt. Dieser lud sie spontan zu einem Kinobesuch ein. Darauf trafen sie sich immer öfter, bis Fortunat ihr einen Heiratsantrag machte. Doch bevor (V11.5)Ellinor in eine Verlobung einwilligen wollte, bestand sie darauf, dass Fortunat Huber zuvor eine Verlobung mit einer Wiener Freundin auflöste.
Dann fand ihre Verlobung in Schlieren an Ostern 1929 statt. Das war wieder einmal eine Gelegenheit für eine grosse Familienzusammenkunft. Alle im Lande weilenden Tanten und Onkel reisten an um den Bräutigam zu besichtigen und der glücklichen Braut und den Eltern zu gratulieren. War sie doch die erste der vier Mädchen, die sich nun verheiraten sollte. Fortunat fühlte sich in der kleinen, engen Stube in Schlieren von der überschwänglichen Zärtlichkeit der Balten bald so in die Enge getrieben, dass er vor den vielen Umarmungen und Küssen aus dem Wohnzimmerfenster in den Garten flüchtete. Doch er wurde von der Braut wieder zurückgeholt.
933.1.1.Verlobung in Schlieren an Pfingsten1929934.3.Hochzeitsfest am 10.10.1929 im Zunfthaus zur Zimmerleuten. V.l.n.r.: Sylvia Meyer, Manfred Meyer, (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli, Iris Meyer, Fortunat Huber-Voegeli, (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther, (V11.7)George Voege
Am 10.10.1929 wurde im Zunfthaus Zimmerleuten geheiratet. Fortunat Huber war, wie früher schon sein Vater Mitglied der Zunft zur Zimmerleuten gewesen. Doch in seinen Studentenjahren verlor er das Interesse am Zunftleben und trat aus. Die Hochzeit war ein grosses, fröhliches Fest. Seit dieser Hochzeit gilt der Spruch in unserer Familie: Heiraten ist ansteckend! Denn an diesem Abend lernte die Schwester von Elli (V11.4)Gritli Voegeli den Berner Studienfreund von Fortunat und erster Schulpsychologe von Basel, Ernst Probst kennen und auch die jung verwitwete Alice Nobs, eine Freundin aus der Studienzeit von Fortunat in Bern, lernte an diesem Abend ihren künftigen Mann Sigmund Wolf kennen, einer der lebenslang besten Freunde von Fortunat. Beide Paare heirateten kurz drauf. Anlässlich eines Studienaufenthaltes von Alice im Tessin hatte sie durch eine ihrer Freundinnen die aus Maienfeld stammte die Bekanntschaft von Fortunat gemacht den sie dann auch bei ihrem Studium in Bern wieder traf. Daraus entstand für alle drei eine lebenslange Freundschaft.
Für die Hochzeitsreise mussten für Fortunat und Ellinor neue Passbilder gemacht werden. Die Reise führte nach Italien auf die Insel Capri. Für die Reise hatte Fortunat für seine junge Frau einen schönen warmen grünen Ledermantel gekauft, der noch mehr als dreissig Jahre in einem der Kleiderkästen aufbewahrt wurde.
Ellinor hat ihren Kindern noch lange von dieser wunderschönen Reise erzählt. Aber immer etwas geärgert hatte sie, dass ihr Mann Fortunat das dicke Buch von Cervantes "Don Quichote" auf die Reise mitgenommen hatte. Er las immer wieder darin und lachte laut und lange, wenn er darin eine lustige Stelle fand. Obwohl er ihr immer wieder die Textstellen vorlas die ihn amüsiert hatten, konnte Elli kaum begreifen, was dabei so lustig sein sollte. Sie hätte sich lieber mit ihrem Mann unterhalten.
Nach der Hochzeit zog das frisch vermählte Paar zuerst in die ehemalige Jungesellenwohnung von Fortunat Huber an den Blumenweg 16 im Seefeld. Kurz darauf zogen sie in eine etwas grössere Wohnung an der Seefeldstrasse 12.
Ein gutes Jahr nach der Hochzeit gebar (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli am 16.12.1930 in der Pflegerinnenschule Zürich ihren ersten Sohn (V11.5.1)Fortunat Huber.
Noch schwanger mit dem zweiten Kind, konnten sie am 01.04.1932 in dasselbe Haus im Neubühl an der Ostbühlstrasse 67 in Zürich Wollishofen einziehen, das (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli bis zu ihrem Tod am 07.01.2003 bewohnte, mehr als siebzig Jahre lang.
Im Inneren des Hauses war beim Einzug wohl alles fertig ausgebaut doch aussen herum standen noch die Gerüste und die Umgebungsarbeiten waren noch nicht fertig gestellt.
Auf dem Luftfoto ist dieses Haus gut auszumachen. Es liegt auf der seeseitigen Seite der Siedlung in der zweithintersten Reihenhauszeile. Es ist das zweitunterste Reihenhaus.
Am 18.02.1932 kam die Tochter von (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli (V11.5.2)Ellinor Huber zur Welt und nach weiteren zweieinhalb Jahren am 28.07.1935 der jüngere Sohn (V11.3.3)Luzius Huber.
(V11.5.1)Fortunat Huber-Grieder hat mit seiner ersten Frau Adriana und seinen sechs Kindern mehrere Jahre auch an der Ostbühlstrasse gewohnt, in der hintersten Zeile im zweitobersten Reihenhaus.
(V11.5.2)Ellinor Cerliani-Huber wohnte mit ihrem Mann Peter Cerliani-Huber und ihren vier Kindern an der Ostbühlstrasse 71, in der zweitletzten Reihenhauszeile im obersten Reihenhaus und wohnt zur Zeit (2014) immer noch, allerdings nun alleine, in diesem Reihenhaus.Immer wieder fanden bei uns zuhause im Neubühl Familienfeste statt. Die Fotos wurden entweder mit der Kodak-Box von (V11.1)Lorli Schrämli-Voegeli oder (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli aufgenommen.
Im Mai 1933 wurde bei uns der 52. igste Geburtstag von unserer Oma (Gü4.8)Olga Maria Voegeli-Günther gefeiert (Bild links)
und im Mai 1934 der 53. igste (Bild rechts).
940.1.1933, 52 igster Geburtstag von 942.1.1934, 53 igster Geburtstag von (Gü4.8)Olga
(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther im Neubühl Voegeli-Günther im Neubühl
V.l.n.r.: (Gü4.8)Olga Voegeli-Günther, V.l.n.r. Hintere Reihe: (V11.7)George Voegeli,
(V11.5.2)Ellinor Huber, Fortunat Huber-Voegeli (V11.4.1)Marianne Probst, Ernst Probst-Voegeli,
(V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther. (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther,
(V11.6)Edith Voegeli.
V.l.n.r. Vordere Reihe: Fortunat Huber-Voegeli,
(V11.4)Gritli Probst-Voegeli mit (V11.4.2)Benedict Probst,
(Gü4.8)Olga Voegeli-Günther mit (V11.5.2)Ellinor Huber,
Emil Schrämli-Voegeli943.1.Winter 1940/41 in Braunwald. V.l.n.r: Elsi, (V11.5.3)Luzius Huber, (V11.5)Ellinor Huber- Voegeli, (V11.5.2)Ellinor Huber, (V11.5.1)Fortunat Huber
944.Rationierungsmarken für das Jahr 1946Da Fortunat Huber-Voegeli sehr oft geschäftliche Besucher zum Essen heimbrachte blieb (V11.5)Ellinor auch weiterhin mit der Arbeit am Schweizer-Spiegel-Verlag verbunden und konnte ihren Mann auch so noch unterstützen. Daneben widmete sie sich mit grossem Engagement ihren Kindern und dreimal nahm sie noch ein viertes Kind für je ein Jahr in der Familie auf.
Prägend waren für uns die Besuche bei den alten Tanten im Sunnahüüsli in Braunwald. Mit Liebe wurden wir empfangen und mit baltischen Backwaren verwöhnt.
Im Winter 1940/41 war Elsi dabei unser Kindermädchen das wir sehr lieb hatten.
Für (V11.5)Ellinor war der meist monatelange Aktivdienst ihres Mannes von 1939 bis 1945 eine sehr schwere Zeit, auch ihren Kindern blieb sie darum in starker Erinnerung. Es steigt den Kindern noch heute das Bild auf, wie die Mutter, mit Tränen in den Augen, das knappe Geld für Brot, Milch und andere Einkäufe in einzelne kleine Blechschächtelchen in der Küchentischschublade aufteilte. Von den grossen farbigen Bogen mit den monatlichen Rationierungsmarken wurden die verschiedenen Marken abgetrennt und für die geplanten Einkäufe eingeteilt. Einige Marken mussten immer wieder für besondere Anlässe zurückgelegt werden, sonst wären zum Beispiel an Weihnachten für die Weihnachtsguetsli zu wenig Mehl oder Schokolade zur Verfügung gestanden.
936.1.Ostbühlstrasse in Richtung Wollishofen
937.1.Alte Kalchbühlstrasse in Richtung WollishofenFür uns Kinder war die Siedlung Neubühl wie ein Kinderparadies. Um alle Häuser gab es grosse Gärten. Von allen Reihenhäuserzeilen führten auf der Hauseingangsseite und auf der Gartenseite schmale Fussweg entweder hinauf zur Ostbühlstrasse oder über eine kurze Treppe hinunter auf die grosse Spielwiese entlang der alten Kalchbühlstrasse. In der ganzen Siedlung wohnten mehr als hundert Kinder. Wir konnten während und auch nach dem Krieg auf der Ostbühlstrasse völlig ungestört spielen, da fast keine Autos verkehrten. Stundenlang konnten wir auf der Strasse Völkerball spielen oder in wilden Rudeln durch die Gässchen toben und Räuber und Polis spielen. Die vielen Hecken boten wunderbare Verstecke für alle unsere Versteckspiele und die alten Bäume Klettergelegenheiten.
Ein wichtiger Anlass für die Eltern Ellinor und Fortunat Huber-Voegeli war der traditionelle samstägliche Höck mit ihren Freunden und Bekannten, der sehr häufig bei ihnen zuhause stattfand. Dann wurde mit ausserordentlich interessanten Leuten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus dem In- und Ausland nächtelang diskutiert. Hin und wieder tauchten während dem Krieg an diesen Abenden auch politische Flüchtlinge auf, die aber genau so schnell wieder verschwanden. Besonders während und nach den Kriegsjahren erhielten ihre Kinder dadurch sehr direkte und manchmal auch beängstigende Informationen. Ellinor und die drei Kinder waren immer fasziniert mit dabei und Ellinor sorgte mit ihrer unermüdlichen Gastfreundschaft dafür, dass sich alle Gäste wohl fühlten. Vor lauter Tabakrauch, waren im Wohnzimmer die Gegenüber manchmal fast nicht mehr zu erkennen.
Unvergesslich für ihre Kinder war die fast unbegrenzte Gastfreundschaft, die sie auch allen Freunden ihrer Kinder anbot. Zu allen Tages- und Nachtzeiten war es möglich einen oder auch mehrere Gäste überraschend nach hause zu bringen, alle wurden freundlich und mit offenen Armen empfangen, wurden herzlich bewirtet oder wenn nötig irgendwo im Haus zum schlafen untergebracht. Unvergesslich sind die grossen, fröhlichen Matratzenlager mit den Cousins und Cousinen im Sommer auf der überdeckten Dachterrasse.
Oft wurde spontan erlaubt das ganze Mobiliar von Wohn- und Esszimmer auf dem Gartensitzplatz unterzubringen, wenn eines der Kinder am Samstagabend eine Party mit seinen Freunden durchführen wollte.
Als die Kinder grösser wurden, fand sie endlich auch etwas mehr Zeit, um zu zeichnen und zu malen, was sie noch bis ins hohe Alter mit Hingabe tat. Viele Jahre wirkte sie in der Gruppe um den Künstler Dalvit mit, der sie zu gemeinsamen Malstunden zusammenbrachte. Jahrelang besuchte Ellinor an der ETH die Akt Zeichnungskurse bei Professor Gisler und später bei ihrem anverwandten Bildhauer Ueli Schoop.945.1.(V11.5)Ellinor Huber-Voegeli mit ihrem Mann Fortunat beim Tanz an der Hochzeit von (V11.5.2)Ellinor Cerliani-Huber mit ihrem Mann Peter Cerliani-Huber am 31.3.1959
946.1.Fortunat Huber-Voegeli im Gespräch mit seinem Schwager Adolf Guggenbühl-Huber, Geschäftspartner im Schweizerspiegel am 31.03.1959Am 31. 3.1959 heiratete (V11.5.2)Ellinor den Architekten Peter Cerliani dessen Eltern italienischer Abstammung waren, was vorerst einmal bei unserem Vater gewisse unausgesprochene Vorbehalte auslöste. Doch der künftige Schwiegersohn Peter war so tüchtig und herzlich, dass die Bedenken rasch überwunden waren und er liebevoll in die Familie aufgenommen wurde. Das war wieder der Anlass ein grosses Fest im Zunfthaus Zimmerleuten zu feiern wie sich das (V11.5.2)Nörli gewünscht hatte.
Die Eltern waren nun glücklich über diese Heirat. Der Schwager von unserem Vater Fortunat Huber-Voegeli, Adolf Guggenbühl-Huber war mit seiner Frau natürlich auch dabei und die beiden alten Schulfreunde und seit 1925 Geschäftspartner ihres Schweizer-Spiegel Verlages sassen vergnügt beisammen und schienen Ideen auszutauschen und Pläne zu schmieden.
Zu ihrer grossen Freude hatten sie nach der Pensionierung von Fortunat im Jahre 1961 nun auch öfters Gelegenheiten um gemeinsam grössere Reisen zu unternehmen. Die Reisen führten sie bis nach Südamerika und in viele Stadte von Europa.950.1.La Ganna 1971 mit Blick in Richtung TessereteI
949.1.Ellinor Huber-Voegeli in der Gannam Oktober 1963 erfüllte sich für unsere Mutter ein lange gehegter Wunsch mit dem Kauf eines alten Tessiner Rusticos mit Scheune und grossem Umschwung in Canobbio bei Lugano. Dort in der Ganna verbrachte sie vor allem mit ihrem Mann viele Wochen zu allen Jahreszeiten. Wer immer Lust hatte, war dort jederzeit herzlich willkommen und erlebte ihre grosszügige und spontane Gastfreundschaft. Viele ihrer Enkel verbrachten dort unvergessliche Ferien. Mit grosser Freude und Liebe nahm sie sich viele Jahre unermüdlich der vielen Blumen, Rebstöcke, Fruchtbäume und Sträuchern an, die ihr immer wieder buchstäblich über den Kopf wuchsen.
Besonders seit Fortunat Huber-Voegeli nach einer heftigen Lungenentzündung im 66. igsten Altersjahr endgültig auf das Rauchen verzichtete blieb er bis zu seinem 70. igsten Geburtstag bei bester Gesundheit. Dann begann sich das Augenlicht auf einem Auge etwas abzuschwächen, was er aber hinnahm ohne jemandem davon Kenntnis zu geben.
1968 wurde der mit den Eltern seit Jahrzehnten befreundete Fotograf Hans Baumgartner aufgeboten um in unserem Elternhaus an der Ostbühlstrasse 67 in Wollishofen von der ganzen Familie ein Gruppenbild aufzunehmen. Es war sehr schwierig gewesen alle die unlustigen Halbwüchsigen zu diesem Fototermin zu bringen, doch dem Fotografen gelang es alle Jungen einigermassen bei guter Laune zu halten.
Legende zum Gruppenbild: Die Mitglieder der Sippe von (V11.5.1)Fortunat (II) und Adriana Huber-Grieder sind zusätzlich mit der Ziffer (1) bezeichnet, die Mitglieder der Sippe von (V11.5.2)Ellinor (II) Cerliani-Huber sind mit der Ziffer (2) und jene des jüngsten Sohnes (V11.5.3)Luzius Huber-Zimmerli mit der Ziffer (3) bezeichnet.
V.l.n.r. Hinterste Reihe stehend: (V11.5.3)(3)Luzius Huber-Zimmerli, (2)Pierino Cerliani, (1)Fortunat (III) (Nat) Huber, (1)Gaudenz Huber, (1)Ulysses Huber,
V.l.n.r. Zweite Reihe sitzend: (3)Anne-Louise Huber-Zimmerli, (3)Catrina Huber, (2)Peter Cerliani-Huber, (2)Christian Cerliani, (V11.5.2)(2)Ellinor (II) Cerliani-Huber, Fortunat (I) Huber-Voegeli, (V11.5)Ellinor (I) Huber-Voegeli, (1)Adriana Huber-Grieder, (1)Rahel Huber, (V11.5.1)(1)Fortunat (II) Huber-Grieder.
V.l.n.r. Dritte Reihe sitzend: (3)Luzius (II) Huber, (3)Andreina Huber, (2)Ellinor (II) Cerliani, (2)Claudia Cerliani, (1)Christoph Huber.
947.Fortunat Huber-Voegeli vierundsiebzigjährig 1970Bis zu seinem 75 igsten Altersjahr fühlte sich Fortunat Huber-Voegeli völlig gesund, er genoss seine interessante Lektüre, pflegte seinen grossen Freundeskreis und seine vielen Enkel. Doch plötzlich nach seinem achzigsten Altersjahr begann das Augenlicht unseres Vaters plötzlich auch auf dem bisher gesunden Auge zu schwinden. Das war für ihn, dem Lesen und Schreiben die liebsten Tätigkeiten waren ein grosses Problem. Mit einem gewöhnlichen Spazierstock ausgerüstet ging er fast jeden Tag in die Stadt um alle die ihm vertrauten Routen abzuschreiten, damit er sich möglichst lange noch selbständig bewegen konnte. Er besuchte nach seinem Gang vom Bahnhof Enge durch das Arboretum zum Bürkliplatz die Bahnhofstrasse die Altstadt die Museumsbibliothek und für einen Kaffee sein geliebtes Odeon. Doch seit seiner Berufsaufgabe hatte sich in diesem Lokal die Drogenszene festgesetzt. Durch eine Verkleinerung des Lokals und den Verzicht auf den südlichen Abschnitt zum Bellevue hin war ihm seine über Jahrzehnte vertraute Ecke verloren gegangen, was ihn sehr unglücklich machte.
Damit hatte er einen seiner liebsten Ankerplätze verloren. Er war schwer davon zu überzeugen, dass er nun doch den weissen Stock benützen sollte, nachdem er einmal beinahe überfahren worden wäre. Seine letzten vier Altersjahre war er fast völlig blind und auf Hilfe angewiesen was er schwer empfand. Die tiefe Freundschaft die ihn mit Sigi Wolf-Nobs und seiner Frau Alice fast lebenslang verbunden hatte war ihm durch diese schweren Jahre ein grosse Stütze und Trost. Fast jeden Tag, oft mehrmals täglich tastete er sich mit seinem weissen Stock nach der Ostbühlstrasse 33 wo seine Freunde seit 1933 wohnten.
951.1.Die letzten Tage von Fortunat in der Ganna
Noch im Frühling und im Sommer 1984 konnten sie einige Wochen in der Ganna verbringen. Doch für Fortunat war es eine schwierige Zeit. Er der sein ganzes Leben lang hauptsächlich geschrieben, gelesen und diskutiert hatte, war die Ganna ein sehr einsamer Ort. Es kamen nur selten Besucher. Hörbücher mochte er nicht. Entweder hasste er die Stimmen der Sprecher oder er beklagte sich über das Tempo des Vortrages oder die affektierte Betonung. Jedenfalls blieb ihm als Unterhaltung nur das tragbare Radio, was ihn auch nicht glücklich stimmen konnte. Seine Frau Ellinor Huber-Voegeli tat das Möglichste um etwas zu seiner Unterhaltung beizutragen. Aber auch ihr geliebtes, gemeinsames Halmaspiel war seit Jahren nicht mehr möglich gewesen. Im grossen Gartengelände der Ganna alleine zu spazieren war zu gefährlich. Er war sehr unglücklich aber man hörte ihn nie klagen, nur alle Familienangehörigen wussten es.
Nachdem Fortunat im Oktober 1984 mit 88 Jahren gestorben war, konnte (V11.5)Ellinor nochmals zu ihren lieben Verwandten in San Francisco reisen, sowie Freunde, die sie und ihr Mann auf einer Ferienreise kennen gelernt hatten in Südafrika besuchen.
Sehr viel Zeit und Liebe verwendete sie auf ihre 13 Enkelkinder und interessierte sich auch sehr für die 16 Urenkel von welchen sie auch etwa Besuch erhielt.
Leider liessen ihre körperlichen Kräfte nach ihrem 80-igsten Geburtstag auf Grund einer tückischen und zu spät erkannten Krankheit sehr nach, so dass sie immer seltener und in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr in ihre geliebte Ganna fahren konnte, was sie vielleicht am meisten schmerzte. Den Kindern und Enkeln stand die Ganna aber weiterhin zur Verfügung und sie war sehr dankbar für alle Mitbringsel von diesem geliebten Fleck, waren es nun Blumen, Früchte, Konfitüren oder auch nur Neuigkeiten.
Darum war es ihr ein besonderes Anliegen, dass die Ganna noch lange in der Familie bleiben möge. Dieser Wunsch wird in Erfüllung gehen, denn ihre Kinder liessen das Haus wieder so erneuern und modernisieren, dass hoffentlich auch alle Enkel und Urenkel noch viele Jahre in diesem nun modern eingerichteten Ferienhaus verbringen können.
(V11.5)Ellinor Huber-Voegeli wusste alle Familienfeste feierlich und fröhlich zu inszenieren und diese Traditionen der nächsten Generation weiterzugeben. Seit vielen Jahren trifft sich zum Beispiel jährlich am 24. Dezember ein grosser Teil der Sippe auf dem Albispass zu einem gemeinsamen Nachmittagsspaziergang um dann gemeinsam einzukehren und dabei auch die Weihnachtsgeschenke untereinander auszutauschen. Anschliessend fahren alle Familien zu ihren eigenen abendlichen Weihnachtsfeiern nach hause. Bis zu ihrem 90-igsten Altersjahre war (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli, wenn auch im Rollstuhl, immer dabei gewesen.
Die letzten Jahre verbrachte sie fast die ganze Zeit in ihrem Heim auf ihrem Stuhl in der Stube. Mit einiger Bewunderung konnte man auf ihrem Lesetischchen gleichzeitig deutsch-, französisch-, englisch- und russischsprachige Bücher finden, aber auch die NZZ und der Zürich Express wurde jeden Tag eingehend gelesen. Briefe zu beantworten fiel ihr aber zu ihrem Leidwesen zusehends schwerer. Etwas wackelig und darum geniert setzte sie bis zuletzt im Dezember 2002 ihre eigene Unterschrift auf alle notwendigen Dokumente und liess sich genau informieren, bevor sie unterschrieb.
Ihr allergrösster Wunsch war, solange als möglich in ihrem Heim an der Ostbühlstrasse 67 verbleiben zu dürfen und ihre Selbständigkeit nicht zu verlieren. Der Gedanke, in ein Spital oder Pflegeheim eingewiesen zu werden, war ihr ein Gräuel. Noch in den letzten Lebenstagen erwachte sie aus schlimmen Träumen und meinte wir hätten sie in ein Spital oder in ein anderes Haus verlegt. Es brauchte oft einige Zeit sie davon zu überzeugen, dass sie noch daheim sei und sie sicher niemand in ein Spital bringen würde.
Ellinor zeigte besonders in ihren letzten Lebensjahren, welche ausserordentliche Willenskraft sie dazu aufbringen konnte um sich diesen Wunsch zu erfüllen. Immer wieder jedoch mussten durch ihre Alarmanlage Helfer aufgeboten werden, die gerne aber recht bekümmert halfen, sie ihr wieder auf die Beine oder ins Bett zu bringen. Durch die liebevolle Mithilfe bei der Pflege von den drei sich rührend aufopfernden bosnischen Frauen gelang es ihren grössten Wunsch zu erfüllen, zuhause sterben zu dürfen.
Schon vier Tage vor ihrem Hinschied war sie nicht mehr richtig ansprechbar. Sie dämmerte nur noch vor sich hin und wurde immer ruhiger. Die letzte Nacht war jemand aus der Familie die ganze Zeit dabei und konnte am 7. Januar um viertel vor 5 Uhr ihr die Augen schliessen nachdem ihr Atem aufgehört hatte und das Herz stillgestanden war.
4.10.4.4. (V11.6)Edith Reiss-Voegeli970.1.1923 Die zehnjährige Edith VoegeliN
971.1.Konfirmation 1930ach dem Umzug von Braunwald, wo sie die Gesamtschule besucht hatte, ging Edith nach den Sommerferien 1923 in die Primarschule Schlieren. Danach besuchte sie die Sekundarschule.
Im April 1930 wurde sie in Schlieren Konfirmiert.
Vom 15. April 1930 bis zum 13. April 1933 absolvierte sie im Kreisbüro des Schweiz. Verbandes Creditreform in der Inkasso & Rechtsabteilung an der Walchestrasse 21 in Zürich eine kaufmännische Lehre und lernte dabei auch Maschinenschreiben und Stenographieren.
Im Fähigkeitszeugnis erhält sie die Durchschnittsnote 1.91 bei einer Skala von 1-5.
Vom 15. Mai 1933 bis im Juli 1933 arbeitete sie aushilfsweise im Ingenieur- und Patentbüro Stoekly & Co.
Vom 13. Oktober 1933 bis zum 14. Februar 1934 war sie aushilfsweise in der Policeabteilung bei Conzett und Huber's Wochenblätter an der Morgartenstrasse 29 in Zürich beschäftigt, sehr nahe wo sie später ihr ganzes restliches Leben wohnen würde.
Vom 4. April 1934 bis zum 1. April 1935 arbeitete sie beim Büro für Bücherrevision J. Frischknecht. Infolge nachlassender Aufträge musste sie die Stelle verlassen. Aber auch hier war der Arbeitgeber sehr zufrieden mit ihrer Leistung gewesen.
Vorübergehend vom 4. Mai 1935 bis zum 25. Mai 1935 arbeitete sie als Stenodaktylographin bei der Firma Lumina AG.
Danach arbeitete sie kurze Zeit als kaufmännische Angestellte beim Kreditnehmer- und Hypotheken-Gläubiger-Verein in Rüschlikon an der Bahnhofstrasse 94. Aber Ende November 1935 bekam sie die Mitteilung an die Ostbühlstrasse 67 in Wollishofen, denn dort bei ihrer Schwester Ellinor Huber-Voegeli wohnte sie zu dieser Zeit, dass sie nicht mehr zu kommen brauche, denn es gebe keine Arbeit mehr. Mit Datum vom 2. Dezember 1935 schrieb sie der Firma einen eingeschriebenen Brief, in dem sie ihre rechtlichen Ansprüche auf den vereinbarten Monatslohn geltend machte. Über weitere Stellen bis zu ihrer Heirat liegen keine Zeugnisse vor.
Mitte der Dreissigerjahre lernte sie im späteren Spenglermeister Emil Reiss ihren Gatten kennen. Sie heirateten am 05.04.1941 in der kleinen alten Kirche in Wollishofen. Das Fest fand bei uns zuhause im Neubühl an der Ostbühlstrasse 67 im Wohn- und Esszimmer statt. Zu diesem Zweck waren alle störenden Möbel des Wohnzimmers auf den Sitzplatz vor dem Esszimmer verbracht worden, so dass die vielen Gäste zum Festmahl auch im Wohnzimmer an weiteren grossen Tischen untergebracht werden konnten.
V.l.n.r. hinten: Ihr Bruder (V11.7)George Voegeli im Urlaub, Unbekannte, Unbekannte, (V11.6)Edith Reiss-Voegeli, (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli (im Hintergrund), Emil Reiss-Voegeli, alle anderen unbekannt.
V.l.n.r. vorne: halb verdeckt (V11.5.1)Fortunat Huber, zwei unbekannte, (V11.5.2)Ellinor Huber, (V11.4.2)Benedict Probst.
Mit grossem Einsatz bauten sich die beiden, auch auf Grund ihrer Sparsamkeit, mitten in der Stadt Zürich ein bald angesehenes Geschäft auf. Das war allerdings nur möglich, weil Edith die ganze Administration und Buchhaltung bestens im Griff hatte.
Beide waren sehr sparsam und wohnten ihr ganzes Eheleben lang in der gleichen Zweieinhalbzimmerwohnung. Im Gang gleich neben der Wohnungstüre war auf einem kleinen Tischchen ihre Telefonzentrale mit der Agenda für alle Aufträge und Termine. Von dort hatte sie auch eine direkte Linie zur Werkstatt ihres Mannes.
Im Wohn-Esszimmer stand ein Pult wo sie für das Geschäft alle administrativen Arbeiten erledigte. Nebenan war ein Sofa, wo Onkel Emil nach dem Mittagessen, das seine Frau Edith genau um halb Eins bereit hatte seinen kurzen Mittagschlaf abhielt. Normalerweise wurde in der kleinen Küche gegessen. Am Tisch hatten knapp drei Personen Platz aber das genügte wenn ich zu Besuch kam. Sie kochte sehr gut und immer grosse Fleischportionen. Der Handwerker kam mit gesegnetem Appetit von der Arbeit. War ich als Kind dort in den Ferien, musste ich mich während dieser Schlafpause mäuschenstill in der Küche aufhalten. Dann machten meine Gotte Edith und ich in dieser Zeit irgendein Würfelspiel. Gerne hätten beide Kinder gehabt, aber nach verschiedenen Fehlgeburten mussten sie auf ihren Kinderwunsch verzichten.
Schon als kleiner Junge entdeckte Onkel Emil an mir ((V11.5.3)Luzius) eine Schwäche, die mich treu bis ins hohe Alter begleiten würde. In unserer Verwandtschaft gab es viele grosse Familienfeste. Jeder Geburtstag, jedes Jubiläum, jede Hochzeit und Verlobung war ein Grund zu feiern. Alle Tanten und Onkel, Grosstanten und Grossonkel, Nichten und Neffen, Cousins und Cousinen kamen dann zusammen. Darunter sicher auch meine Gotte Edith mit ihrem Mann Emil. Ich hasste es alle mit Handschlag begrüssen zu müssen und drückte mich davor so gut es ging. Noch schlimmer war aber diese elende baltische Küsserei. Das war mir ein Gräuel. Alle diese schlabrigen Arme die nach uns Kindern langten und die feuchten Lippen die sie auf unsere Wangen drückten waren schrecklich. Onkel Emil verlangte von mir, dass ich ihm bei der Begrüssung die Hand hinstrecken und ihm dabei gerade in die Augen schauen müsse und klar und deutlich "Grüezi Onkel Emil" zu sagen hätte. Das fand ich schrecklich und bestenfalls brachte ich heraus "Grüezi Onkel." Aber er bestand darauf mit seinem Namen genannt zu werden. Er liess meine Hand nicht eher los, bis ich das "Grüezi Onkel Emil" hervorgebracht hatte. Ich rächte mich aber damit, dass ich ihm beim Abschied nur noch "Tschau Onkel" zurief und wegrannte. Ich mochte ihn deshalb eigentlich nicht, ich fand ihn so stur und aufdringlich.
Mit ihrem Mann Emil verbrachte Edith die ganze Freizeit und teilte auch verschiedene Hobbies mit ihm. So wirkten sie einige Zeit in ihren Appenzellertrachten bei einem Jodel-Club mit und gingen immer wieder zusammen an Tanzanlässe. Besonders stolz war Emil, dass er mit seiner Frau Edith an solchen Festen, zum Gaudi der ganzen Festgesellschaft auf einem Küchentabourettli ohne abzustürzen Walzer tanzen konnte. Mit Stolz wirkte er auch bei der Zunft Hard mit und liess sich von seiner Frau, seinen Freunden und Bekannten beim Sechseläutenumzug Blumensträusse zuwerfen.
Edith war für uns Kinder eine sehr fröhliche und immer zu Spässen aufgelegte Tante. Es machte ihr Freude uns Kindern bei unseren vielen Familienfesten heimlich hinter Hecken und Hausecken Zigaretten anzubieten, die wir dann zusammen im versteckten schmauchten. Schon damals hatte sie eine Methode das Rauchen weniger schädlich zu machen, die sie bis zu ihrem Tod mit 93 Jahren konsequent anwandte. Sie stach mit einer Stecknadel hinter dem Filter bei allen Zigaretten, auch bei denen die sie uns zum Rauchen überreichte kreuz und quer durch die Zigaretten so dass die einströmende Luft einen Teil des Rauches abkühlen konnte und so die Schadstoffe im kühleren Luftstrom im Filter wirkungsvoller zurückgehalten wurden.
Sehr viele Arbeits- und Freizeitstunden verbrachten sie später in ihrem neu erbauten Ferienhaus "Rabiosa" in Parpan, wo sie auch mit Reiss-Geschwistern zusammenkamen.
Leider dauerte diese „Idylle" nur, bis Emil Reiss in den ersten Siebzigerjahren an der Alzheimer-Krankheit zu leiden begann. Das Geschäft wurde verkauft und der geliebte Mann musste noch etwa zwei Jahre professionell gepflegt werden, bis er 1976 endlich sterben durfte. Seither wurde es in Edith Reiss-Voegeli's Leben immer ruhiger.
Zu ihrem grossen Leidwesen ist sie kinderlos geblieben. Doch die Nichten und Neffen sowie deren Kinder und Grosskinder haben Edith stets als eine geborene – um nicht zu sagen: ideale – Tante erlebt und sehr geliebt. Als die Familie Probst im Oktober 1978 am Hallwilersee ein Ferienhaus benützen durfte, holten sie eines Tages die liebe Tante als Gast per Auto am Bahnhof Wohlen ab. Auf dem Hinweg erkundigte sich die damals fünfjährige Grossnichte plötzlich: „Wüsse eigetlech die andere Lüt, dass hüt Tante-Edith-Tag isch"?
980.1.(V11.6)Edith Reiss-Voegeli links mit 57 Jahren und Bild rechts mit 83 Jahren
Wegen grösseren Renovationen musste Edith Reiss-Voegeli vor einigen Jahren im gleichen Quartier und in der gleichen Überbauung noch in eine andere – bereits renovierte – Wohnung umziehen. Dank der fast täglichen Unterstützung durch die Pflegerin Frau Ramseier konnte sie dort bis zuletzt wohnen bleiben, obwohl ihre Schmerzen verschiedenen Ursprungs und andere Gebresten in den letzten anderthalb Jahren eher zu- als abgenommen haben. Wohl am meisten war ihr zu gönnen dass sie von nun an nie mehr unter der allzu grossen Sommerhitze wird leiden müssen.
4.10.4.5. (V11.7)Georg Albrecht Voegeli-Tschan990.1.(V11.7)George und Lilly Voegeli-Tschan 1970 am 60 igsten Geburtstagsfest von (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli
Geb. am 03.12.1915 in Wladiwostok gest. 31.07.1990 in Basel. Mit Lilly Natalie Tschan, geb. 08.07.1924 in Basel, Heirat am 29.04.1944, gest. am 27.10.2007 in Basel.
Der kleine (V11.7)George trauerte nach der Rückkehr der Familie von China in die Schweiz am meisten seinem Modellsegelschiff nach das er hatte in Chefoo zurücklassen müssen, das er von einem Schiffsbau-Ingenieur erhalten hatte. Das Schiff war etwa ein Meter lang gewesen und sehr originalgetreu nachgebaut worden. Man konnte das Dach abnehmen und darunter die schön eingeteilten und eingerichteten Kabinen bewundern.
Nach dem Abschluss der Sekundarschule habe ihn Onkel (V10.8)Conny Voegeli-Günther gezwungen Koch zu lernen und sich im Hotelfach auszubilden. Er könne dann später das Sunnahüüsli übernehmen. Doch das zögerte sich immer weiter hinaus, da die alte Tante (V10.2)Hanna von Radecki-Voegeli die das Sunnahüüsli zusammen mit ihrer tüchtigen lettischen Dienerin Christine Bormann die Pension bis ins höchste Alter weiterführten und nicht abtreten wollten.
(V11.7)George war im Laufe seiner Berufsausbildung als Koch an den verschiedensten Orten Tätig und bekam immer ausgezeichnete Zeugnisse.
Vom 1.Okt. 1932 - 1.Okt.1934 machte er bei der Schlüsselzunft Basel eine Lehre als Koch. Dann folgen verschiedenste Anstellungen, so bei den folgenden Betrieben:
1.Okt.34 - 1.Mai.35 Schlüsselzunft Basel, Commis de Cuisine
15.Aug.35 - 15.Febr.36 Pension Sunnahüüsli Braunwald, Koch
17.Jul.36 - 14.Aug.36 Hotel Kurhaus Planalp Brienz, Küchenchef
23.Sept.36 - 14.Nov.36 Hotel Walhalla Terminus St. Gallen, 1. Aide de Cuisine
26.Dez.36 - 26. Mai.37 Hotel Limmathof Zürich, Koch
Sommersaison 37, Hotel Kurhaus Planalp Brienz, Alleinkoch
23.Sept.37 - 7.Okt.37 Pension Sunnahüüsli Braunwald, Koch
Dez.37 - Ende Apr.39 Hotel Pension Soldanella, Wengen, Alleinkoch
10.Jul.40 - 10.Sept.40 Pension Sunnahüüsli Braunwald, Alleinkoch
15.Nov.40 - 18.Jan.41 Pension Sunnahüüsli Braunwald, Alleinkoch
Frustriert darüber, dass sich die Übernahme der Pension Sunnahüüsli immer weiter hinzog, verliess er seinen angestammten Beruf und liess sich bei der Armee als Berufsmilitär anstellen. Er diente vom 4. April 1942 bis zum 7. Juli 1949 im Festungswachtkorps FW Kp.4. Im Winter war er dann auch viele Jahre als Skiinstruktor tätig.
In dieser Zeit lernte er seine künftige Frau kennen und so heiratete (V11.7)George Voegeli am 29.04.1944 Lilly Tschan. Die Familie wohnte darauf in Sissach. Am 26.02.1945 kam ihr erster Sohn (V12.1)George Alexander Voegeli zur Welt. Das Berufsmilitär war nicht seine Welt und so suchte er sich beruflich zu verändern.
Am 25.12.1948 kam der zweite Sohn (V12.2)Felix Carl Richard Voegeli in Basel zur Welt.
Vom 3. Oktober 1949 bis zum 28. November 1949 arbeitete er bei der VITA - Volks - Versicherung im Aussendienst, doch diese Tätigkeit gefiel ihm überhaupt nicht. Sein eigentlicher Traumberuf wäre eigentlich Ingenieur gewesen, aber das war nun endgültig nicht mehr möglich.
Anlässlich eines Besuches im Neubühl bei seiner Schwester (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli kam er mit dem besten Freund von Fortunat und (V11.5)Ellinor Huber-Voegeli, Sigmund Wolf-Nobs ins Gespräch. Er war damals Direktor der Neuen Warenhaus AG/EPA. Er vermittelte (V11.7)George Voegeli-Tschan in Basel eine Stelle als Filialsubstitut bei der EPA. Bald stieg er zum Rayonchef auf und war dann zehn Jahre lang Vizedirektor der Filiale Gerbergasse in Basel. Im Ganzen hat er 35 Jahre bis zu seiner Pensionierung für die EPA gearbeitet.
In der Zwischenzeit baute (V11.7)George Voegeli-Tschan im ehemaligen Kanton Bern (heute Kanton Jura) in Rocourt ein Ferienhaus, es ist nur zehn km von Pruntrut entfernt. (V12.2)Felix hat für seine Eltern für dieses Ferienhaus die ganze Planung gemacht und tatkräftig bei seiner Realisierung mitgewirkt. Sie stellten das Ferienhaus zusammen in drei Wochen auf, das sei eine riesige Arbeit gewesen, waren es doch 5 Zimmer, eine Wohnküche, Bad sowie ein Abstellraum mit Heizung und später dazu noch eine Garage. Die gesamte Wohnfläche betrug 148 m2.
Sein Vater (V11.7)George hat dort mit seiner Frau Lilly und mit seinen zwei Schwestern (V11.1)Lorli Schrämli-Voegeli und (V11.6)Edith Reiss-Voegeli viele Ferientage verbracht. Vor allem Lorli hat dieser Ort gut gefallen, weil er ruhig gelegen und die Landschaft so schön war.
Der erste Sohn von (V11.7)George und Lilly Voegeli-Tschan (V12.1)George Alexander Voegeli heiratete am 19.09.1959 in Péry, BE Liselotte Beatrice Bessire, geb. 19.09.1949 in Biel. Sie bekamen zwei Kinder. Am 23.05.1972 wurde (V13.1.1)Valérie Nathalie Voegeli in Biel geboren und am 3.07.1974 ihr Sohn (13.1.2)Lionel Alexandre Voegeli, auch in Biel.
Als (V11.7)George und Lilly Voegeli-Tschan älter wurden beschlossen sie das Ferienhaus zu verkaufen und dafür in Basel an der Blotzheimerstrasse 29 in Basel eine wunderschöne 3 1/2 Zimmerwohnung zu kaufen. Dort wohnten die beiden noch mehr als sechs Jahre zusammen. Ganz unerwartet starb (V11.7)George am 31.07.1990 im Unispital in Basel anlässlich einer schweren Operation. Seine Frau Lilly lebte noch lange und starb am 27.10.2007 in Basel.
(V12.2)Felix Carl Richard Voegeli, Heiratete am 26.09.1980 Norma Ballinari, geb. 7.9.1947 in Kreuzlingen. Die Ehe wurde am 5.8.2004 geschieden.
Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor. Am 9.04.1981 wurde (13.2.1)Micha Alexander Voegeli geboren. Er heiratete am 24.09.2009 Jeanne Giomares, geboren am 25.06.1979 in Anapolis, Brasilien.
(V12.2)Felix Voegeli fühlt sich schon immer stark zur russischen Kultur hingezogen. Nicht umsonst hat er vor einiger Zeit Kontakt gefunden zu einer lieben Frau Tanja Bereza in der Ukraine. Felix vermeint russische Gene in seinem Blut zu spüren. Er hat sich am 20. August 2011 mit ihr verlobt. Tanja hat eine sehr hübsche, freundliche Tochter Katya, sie ist am 17.02.2000 geboren worden.
Vom Verlobungsfest in der Ukraine in Saporoschje gibt es zwei sehr schöne Fotos. Eine zeigt Felix in der Verkleidung als Kosak mit Krummsäbel, Pelzmütze und Tabakpfeife, die andere Tanya und Felix zusammen auf einer Bank und daneben die Tochter von Tanya, Katya.
Felix ist ganz begeistert, wie freundlich er von der Familie und den Freunden von Tanya aufgenommen wurde besonders als sie auch davon Kenntnis bekamen, dass auch Felix russische Wurzeln hat, wenn auch etwas entfernt.
Da sich Felix sehr der russischen Kultur verbunden fühlt hat er beschlossen der russisch orthodoxen Kirche beizutreten. Nun ist er seit 2011 Mitglied der russisch orthodoxen Kirche in Basel und liess sich am 30. November 2013 in "der russisch orthodoxen Kirche Nikolai Basel und Lörrach" durch Vater Ioann auf den Namen Nikolai Iwanowitsch taufen. Er hat auch im Sinn gelegentlich zu heiraten und zwar russisch orthodox in der Heimat von Tanya Bereza in Saporoschje.


Bilder von der Taufzeremonie am 30. November 2013 durch Vater Ioann
für Nikolai Iwanowitsch Voegeli


Der Umschlag Das Taufdokument im Inneren
Die Taufurkunde von Nikolai Iwanowitsch Voegeli