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4.5. In Braunwald                                                      

4.5.1. Die ersten Jahre in Braunwald
314.1.Beil.3.Fo 9.FSu.3.3.AlphuetteDie Flüchtlinge aus dem Baltikum fanden Ende Juni 1919 erste Unterkunft in Braunwald im "Sackhäuschen". Auf dieser Foto ist es bereits durch das Hotel Tödiblick ersetzt worden. Von 1841 bis 1857 war das "Sackhäuschen" erstes Schulhaus von Braunwald gewesen. Es diente bis 1904 weiterhin als Lehrerwohnhaus. Es stand am Standort wo das auf dieser Foto abgebildete mehrgeschossige Hotel Tödiblick 1930 Gebaut wurde. Gleich daneben, auf gleicher Höhe war 1857 das neue Schulhaus gebaut worden.
1904 erhielt die Lehrersfamilie J. Beglinger ein neues Lehrerhaus. Es steht, rechts verschoben, hinter dem neuen Schulhaus.

Am linken Bildrand oben am Hang oberhalb dem Schulhaus steht noch unterhalb des Strässchens die Alphütte wo die Anfangs Februar 1923 aus China zurückgekehrte Familie Voegeli-Günther von der Behörde Rüti untergebracht wurde. Heute stehen dort zwei moderne Ferienhäuser auf der Talseite des Strässchens. Gleich dahinter leicht verdeckt durch die Alphütte steht die 1925 erbaute Pension Sunnahüsli. Es war von den aus dem Baltikum zurückgekehrten Schwestern Ella Beck-Voegeli, Marie Nolcken-Voegeli und Augste Voegeli erstellt worden.

Der Besitzer des "Sackhäuschens" (am früheren Standort vom Hotel Tödiblick) war früher Georg Streiff (Sagg Schorsch), Bauer und Bergführer. Am 21.06.1912 erwarb (gemäss Grundbuch-Beleg Nr. 451) Mathias Streiff, Zimmermeister, Sohn des Georg die Liegenschaft. Am 1.05.1919 erwarb (gemäss Grundbuch-Beleg Nr. 506) Schuler Fritz, Bauer, Mathias sel. an Braunwald die Liegenschaft. (Q25K S.1)

300.1.Beil.3.Fo 9.FSu.6.Sackhuusli300.1.Das Sackhüüsli mit dem improvisierten Vordach. Das Kaffeestübli war geboren.Das "Sackhäuschen" war ein sehr einfaches Haus das nur zwei bis drei beheizbare Räume aufwies. Über die übrige Ausstattung ist nichts bekannt. Da es früher auch als Lehrerwohnung gedient hatte, musste sicher auch eine einfache Küche mit Backofen vorhanden gewesen sein.

Jedenfalls hausten darin von Ende Juni 1919 an (V9.4)Johann Balthasar Voegeli-Drescher und seine drei Töchter, (V10.3)Anna Elisabeth Beck-Voegeli (Ella), (V10.4)Maria Theophila von Nolcken-Voegeli (Marie) sowie (V10.5)Augusta, Ernestina Voegeli (Gustchen).
Sie richteten sich ein und begannen im Sommer 1919 trotz den primitivsten Verhältnissen in einem der Räume des Sackhäuschens eine kleine Kaffeestube einzurichten.

Das "Kaffeestübli" war geboren. Die drei Baltischen Schwestern waren bald berühmt für ihre Gastfreundschaft und hatten in kurzer Zeit Erfolg. In der schönen Aussicht vor der Alphütte wurde bald mit einigen Stangen und einem Tuch darüber ein kleines Vordach eingerichtet, wo auch an schönen Tagen die wachsende Gästeschar im Freien bewirtet werden konnte, wo sie auch bald Passanten und Wanderern wunderbaren Kaffee und die rasch weitherum berühmten Baltischen Backwaren anboten.

 

301.1.Beil.3.Fo 9.FSu.16.Kaffeest301.1.Das Kaffeestübli mit dem angebauten Vordach am Sackhüüsli306.1.Beil.3.Fo 9.FSu.12.Kaffeegaste306.1.Gäste vor dem Kaffeestübli unter dem Vordach: V.l.n.r.: Drei unbekannte Gäste, (V10.4)Marie Nolcken-Voegeli, (V10.3)Ella Beck-Voegeli und drei weitere Gäste

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                    


302.1.Beil.3.Fo 1.FVV.2.JohannBalthasarVoegeliAuf 303.1.Beil.3.Fo 9.FSu.9.49.7.1920 Kopiedem Bild rechts (303.1) ist (V9.4)Johann Balthasar-Drescher zusammen mit seinem jüngeren Bruder (V9.7)Paul Voegeli-Rabensee abgebildet. Sie waren beide mit dem gleichen Flüchtlingszug 1919 von Riga in die Schweiz gekommen.
(V9.4)Johann Balthasar Voegeli-Drescher wurde zusammen mit seinen drei Töchtern im Sackhüüsli untergebracht. (V9.7)Paul Voegeli-Rabensee fand mit seiner jungen Frau Anna in Ennenda ein Unterkunft. Kurz nach der Ankunft liessen sie sich 1920 noch bei einem Fotografen aus Wattwyl abbilden.

Im zweiten Winter ist (V9.4)Johann Balthasar Voegeli-Drescher (auf dem Bild links 302.1) am 12.02.1921 im 82 zigsten Alterjahr im Sackhüüsli in Braunwald verstorben.

 

Von Marseille kommend, im Hauptbahnhof Zürich am 06.02.1923 eintreffend, wurde die Quasi-Rückwandererfamilie von (V10.7)Johann Carl Richard Voegeli-Günther nämlich der Vater Jeannot sowie die Mutter Olga und die fünf Geschwister Lorli, Gritli, Ellinor, Edith und George von (V10.5)Augusta Voegeli (Tante Gustchen) am Hauptbahnhof Zürich abgeholt. Sie war, wie oben erwähnt, schon 1919 mit dem Flüchtlingszug aus dem Baltikum zurückgekommen. Die Familie stieg für zwei Nächte im Hotel St. Anna ab. Eigentlich war es ein dem 1912 neu erbauten Hotel Glockenhof und Evangelischen Gesellschaftshaus des CVJM angegliedertes Hospiz mit preisgünstigen Zimmern. Zwei Tage später reisten sie zusammen weiter nach Braunwald. Die Eltern und die fünf Geschwister hatten im kleinen ehemaligen Schul- und Lehrerhaus (Sackhäuschen), wo die drei Geschwister Voegeli hausten, keinen Platz und mussten gleich oberhalb dem "Sagghüsli", wie es von Einheimischen genannte wurde, in einer kleinen Alphütte untergebracht werden. Im Dachstock der Alphütte war ein Doppelbett für die Eltern, bei ihnen schlief George der Kleinste. Die drei Töchter schliefen im unteren Geschoss und Elli bei den Tanten im Haus mit dem Kaffeestübli. Der Vater reiste immer wieder nach Zürich um für die Familie eine Unterkunft zu finden. Bereits im September 1923 fand die neu aus China zugereiste Familie in Schlieren an der Stationsstrasse 29 ein kleines Einfamilienhaus "Lueg ins Land" am Waldrand, nahe der Bahnstation Urdorf. Wie der Vater die Mittel zu diesem Hauskauf auftreiben konnte bleibt unklar, doch davon in einem späteren Kapitel 4.10.2.

4.5.2. Die Pension Sunnahüüsli wird gebaut.

Das Kaffeestübli mit seiner Terrasse war bei den Touristen ein so grosser Erfolg, dass es den drei Schwestern im Laufe der fünf folgenden Jahre gelang Geld auf die Seite zu legen. Der Kauf des Baulandes für das künftige "Sunnahüüsli" erfolgte gemäss Grundbuch Glarus durch die drei Schwestern 1924 und die erste Bauetappe des "Sunnahüüsli" wurde 1925 erstellt.
(Fortsetzung der Geschichte zum "Sunnahüüsli" siehe unter 4.8. Lebensgeschichte von (V10.4)Maria von Nolcken-Voegeli)