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4.1. - 4.12. Familie Voegeli
4.1. Die Auswanderer.
4.1.1. Grund für die Auswanderung für (V8.4)Balthasar Voegeli 1817/18, (V8.9)Johannes Voegeli-Kleinberg 1829/29 und (V8.12)Paulus Vögeli 1834.
Durch Requisitionen und Abgaben in der "Franzosenzeit" 1798 - 1813, hatten sowohl die staatlichen Reserven der 13 alten Orte als auch der Besitz vieler Privater stark gelitten. 1813 und 1815 zogen dann die "Kaiserlichen" (Russen und Österreicher) durch die Schweiz und verpflegten sich aus den vorhandenen Vorräten. Nun kam 1816 noch ein Fehljahr dazu, das als ausgesprochenes Hungerjahr lange in Erinnerung geblieben ist. Die Not war besonders in den abgelegenen Bergtälern gross, wo man kein eigenes Getreide hatte und nichts zukaufen konnte. Damit setzte eine starke Auswanderungswelle ein, die sich besonders im Glarnerland bemerkbar machte.
200.Anh.55.NZZ vom 20.04.2010"1816, ein Jahr ohne Sommer" Bericht aus der NZZ vom Dienstag, 20.04.2010 (DVD Beilagen-Ordner L_143_Anhänge, Anhang Informative Texte, 55_Vulkan, Papierordner-Ouellen Q5.2K, Ein Jahr ohne Sommer)
Ob der Eyjafjallajökull Spuren in der Gegenwartskunst hinterlassen wird, ist momentan noch ungewiss. Doch eine andere, nach Krakatau registrierte Folgeerscheinung könnte den öffentlichen Diskurs nachhaltig beeinflussen. Die Katastrophe von 1883 löste eine globale Abkühlung aus, führte weltweit zu ungewöhnlich tiefen Temperaturen. Ein früherer Ausbruch in Indonesien, die Eruption von Tambora im Jahr 1815 (von der umstritten ist, ob sie William Turners berühmte Sonnenuntergänge beeinflusste), führte 1816 zu einem Jahr ohne Sommer.........
199.2.Rigasche.Zeitung Nr.1 vom 3.01.1817Sogar in der Rigaschen Zeitung Nr. 55 vom 8.07.1816 wurde aus dem Kanton Glarus berichtet:"Wegen überhandnehmender Not und drückendem Kummers wandern viele Leute aus. Vom 1. März bis 6. Juni 1816 wurden in Glarus 400 Pässe an Auswandernde abgegeben".
In der Rigaschen Zeitung Nr. 1 vom 3.01.1817 steht:"In der Schweiz ist so viel Schnee und Regen gefallen, dass die Gewässer aufgeschwollen und so ausgetreten sind dass ganze Strecken von besäheten Ländereien unter Wasser gesetzt sind".
1818 ging es zwar etwas besser, aber schon 1819 kam das gleiche Elend wieder. Im Hungersjahr 1817 hatte der damalige Russische Zar hundert blanke Silberrubel in die Schweiz geschickt, um die Not zu lindern – vermutlich hat daher der Wunsch nach Russland auszuwandern seinen Ursprung.
Wann (V8.3)Balthasar Voegeli seine Heimat Rüti/GL genau verliess ist nicht überliefert. Er scheint im Herbst 1816 oder anfangs 1817 abgereist zu sein. Ob er in Gesellschaft mit anderen Glarner Auswanderern die Reise in Angriff nahm und welche Route sie dabei einschlugen und wann sie im Baltikum anlangten ist mir unbekannt. Ich fand auch keine Angaben wie diese Reise finanziert worden wäre. Ich vermute dass die kantonale Behörde von Glarus den Auswanderern aus den vom russischen Zar in die Schweiz überwiesenen 100'00 Silberrubel einen Reisebeitrag leisten konnten.
Bedeutende Handelsrouten führten damals vom deutschen Bodenseeufer von Lindau nach Ulm an die Donau. Der Weg hätte weiter Donau entlang bis nach Ingolstadt führen können und von dort über den Landweg nach Nürnberg und nach Lepzig. Dort wird der Entscheid gefallen sein, ob man das Baltikum auf dem Seeweg oder Landweg erreichen wollte. Für den Landweg nach Riga wurde damals die Route über Berlin, Bromberg, Königsberg und Schaulen erwähnt.
Für den Seeweg wurde von Leipzig die Strasse entweder über Magdeburg zur Hafenstadt Lübeck oder über Berlin zur Hafenstadt Swinemünde oder nach Danzig in Frage gekommen sein. Von diesen Hafenstädten führten die Hanseunternehmungen regelmässige und günstige Schiffahrtsverbindungen nach Riga.
Wahrscheinlich liessen sich im Landesarchiv von Glarus über die Reiserouten Unterlagen finden.
199.3.Rigasche Zeitung Nr. 47 vom 13.06.1817Die Rigasche Zeitung Nr. 47 vom 13.06.1817 berichtet darüber, eine Zeitung in der Schweiz habe geschrieben: "Schon oft kam fremdes Geld in die Schweiz um uns zu gewinnen einmal sogar um uns zu bestechen; aber der einzige der Geld in die Schweiz sandte in der Absicht unsere Noth zu lindern ist der Selbstherrscher im fernen Norden".
4.1.2. (V8.4)Balthasar Voegeli.
Geboren am 1.3.1801 in Rüti Glarus, gestorben am 6.1.1870 auf Alt-Kroppenhof, Livland, Käser. Im Winter 1817/18 zog Balthasar Voegeli mit etwa hundert anderen jungen Glarnern nach Livland. Er war damals erst 17 Jahre alt und war vertraut mit der Zubereitung von Käse, speziell dem Glarner Schabziger, den man in Mitau „Grünkäse" nannte und verstand alle bäuerlichen Arbeiten. Er fand dort vorerst Arbeit als Käser. Sein jüngerer Bruder (V8.9)Johannes Voegeli-Kleinberg (geb. 17.6.1810), folgte ihm 1828/29 von Rüti dorthin nach.
199.4.Rigascher Anzeiger Nr. 6 vom 07.02.1821Im Rigaschen Anzeiger Nr. 6 vom 07.02.1821 ist die Ausschreibung für eine Viehpacht enthalten: "Johann Balthasar Kubly aus der Schweiz, Käsemacher, wünscht eine Anzahl Kühe entweder in Pacht zu nehmen, oder gegen Gehalt beim Käsemachen angestellt zu werden. Wo zu erfragen, darüber ist in der Martyschen Bude in der Herrenstrasse nähere Anweisung zu haben".
Auch unser Auswanderer (V8.4)Balthasar Voegeli, der nun bereits seit vier Jahren im Baltikum als tüchtiger Käser arbeitete hätte ein solche Anzeige aufgeben können. Aber es ist nicht überliefert wo er alle die Jahre gearbeitet hat. Diese Annonce zeigt aber, dass sich junge unternehmungslustige Leute so um Pachtaufträge bewerben konnten.
Im Rigaschen Anzeiger Nr. 1 vom 23.01.1823 findet sich folgende Anzeige:
"H. Grüner. Ein junger Schweizer, der bereits hier im Lande auf einigen Gütern als Käsemacher conditionirt und sowohl über ordentliche Führung, als auch untadelhafte Verfertigung von weissen, gelben und grünen Schweizerkäsen Beweise beibringen kann, empfiehlt sich den Herren Gutsbesitzern die einen grossen milchenden Viehbestand halten, zum Dienst und verspricht, im Fall ein Unternehmen in seinem Fache gemacht würde, doppelt so viel von einer Kuh an Schmandkäse zu liefern, als an Butter geliefert worden. Das Nähere erfährt man auf dem Gute Wilsenhoff pr. Wolmar".
199.6.Rigascher Anzeiger Nr. 1 vom 23.01.1823
199.7.Rigasches Stadtblatt Nr.42 vom 21.10.1831(V8.3)Balthasar Voegeli heiratete am 21.10.1831 eine junge Baltin Christiana Ludwig. Im Rigaschen Stadtblatt Nr. 42 vom 21.10.1831 ist ihre Eheverkündigung publiziert: "Proclamierte Gertrud Kirche: Der Fabrikant Balthasar Voegely mit Christina Ludwigh".
In einem lokalen Kirchenbuch ist bei der Aufzeichnungs ihres Todestages als Geburtsort Kroppenhof vermerkt. Es ist also denkbar, dass Balthasar Voegeli seine künftige Frau schon 1830 oder spätestens 1831 an seinem Arbeitsort Kroppenhof kennen lernte.
Die Berufsbezeichnung "Fabrikant" in der Eheverkündigung weist darauf hin, dass er bereits als selbständiger Unternehmer tätig war. Es ist denkbar, dass er bereits damals auf dem Gut Kroppenhof als Käseproduzent tätig war.
203.1.(V8.4)BalthasarVoegeli-Ludwigh der Fabrikant und PächterEs ist denkbar, dass sich (V8.4)Balthasar Voegeli-Ludwigh vorerst 1838 in Kroppenhof eine solche Viehpacht beschaffte, denn in den Akten wurde er in jenem Zeitabschnitt nicht mehr als "Fabrikant" sondern als "Viehpächter" bezeichnet. Im Februar 1838 wird er im Kirchenbuch Kokenhusen-Kroppenhof als Pate mit der Berufsbezeichnung "Schweizer" aufgeführt. (Beil.12.Q30.4)
Für die Taufe seines Sohnes (V9.4)Johann Balthasar Voegeli wird im Kirchenbuch Kroppenhof das Datum vom 31.07.1838 aufgeführt also waren seine Eltern bereits zu jenem Zeitpunkt in Kroppenhof tätig.
In den gleichen historischen Quellen wird (V8.4)Balthasar Voegeli 1847 als Pächter bezeichnet, was darauf hinweisen könnte dass er dann bereits auf Alt Kroppenhof in Livland, einem Beigut des Gutes Kroppenhof der Barone von Vietinghoff gen. Scheel hätte Pächter sein können. Ob er auf dem Gut schon vorher angestellt war lässt sich nicht feststellen. Die Geburtstorte seiner Kinder sind im Genealogienbuch des Kantons Glarus nicht verzeichnet.
199.9.Rigasche Zeitung Nr.24 vom 30.01.1850Das Leben als Viehpächter oder Gutspächter war sicher schwierig, denn die Pacht wurde immer wieder neu ausgeschrieben. So wurde die Pacht, die er auf Alt Kroppenhof bereits 1847 innehatte bereits 1850 wieder ausgeschrieben.
In der Rigaschen Zeitung Nr. 24 vom 30.01.1850 steht folgende Annonce: "Auf dem Gute Kroppenhof im Kokenhusischen Kirchspiele werden vom 23. April a.c. ab 50 Stück Milchkühe und 2 Krüge auf ein oder mehrere hinter einander folgende Jahre Pacht vergeben und die Bedingungen sind daselbst zu erfragen".
199.10.Das Inland Nr. 27 vom 06.07.1853, Ankündigung über die Handänderung des Gutes Kroppenhof
Die drei einander nachfolgenden Gutsbesitzer von Kroppenhof und damit auch vom Gut Alt Kroppenhof im
Zeitabschnitt vor und während seiner Tätigkeit als Gutsverwalter waren:
1. Geheimrat Burchard v. Vietinghoff gen. Scheel (1767-1829). Nach dessen Tod wirkten seine Witwe und Söhne
wenig erfolgreich und verschuldeten sich schwer.
2. Am 18. Dezember 1834 übernahm der Kammerherr Paul v. Vietinghoff gen. Scheel (1793-1841) das Gut.
Als Paul starb wirkten die Erben Pauls, und zwar dessen Witwe Sophie geb. v. Liphart und ihre gemeinsamen
Kinder bis als
3. Der nachmalige Kirchspielrichter Nicolaus Paul Georg Baron v. Vietinghoff genannt Scheel (1832-1899)
übernahm den Kroppenhof am 5. Dezember 1852 für 67.295 Silber-Rubel.
In der Baltischen Zeitung Das Inland Nr.27 vom 06.07.1853 wurde die Handänderung ausführlich mit den wichtigsten vertraglichen Abmachungen und die finanzielle Abwicklung publiziert, denn es war bei diesem Vorgang nicht nur das Gut Kroppenhof betroffen.
(V8.4)Balthasar Voegeli arbeitete möglicherweise unter allen drei Gutsherren, die das Gut, sehr unterschiedlich erfolgreich führten.
199.12.Rigasche Zeitung Nr. 285 vom 07.12.1853In der Rigaschen Zeitung Nr. 285 am 07.12.1853 wird die Pacht erneut ausgeschrieben:"Auf dem Gute Kroppenhof im Kokenhusischen Kirchspiel sind vom 23.04.1854 ab 50 Stück Milchkühe in Pacht zu vergeben; die nötigen Bedingungen ertheilt daselbst die örtliche Gutsverwaltung".
Offenbar konnte (V8.4)Balthasar Voegeli-Ludwigh auch dieses Mal die Pacht halten.
In den Unterlagen bleibt unklar, ob sein Schwiegersohn August Ohlsvig-Voegeli der mit seinem dritten Kind, (V9.3)Luise Carolina Voegeli verheiratet war die Pacht von Alt Kroppenhof bereits 1865 also noch zu Lebzeiten von (V8.4)Balthasar Voegeli-Ludwigh übernommen hat. Die vorhandenen schriftlichen Unterlagen lassen dies vermuten. Der Umstand, dass sich der Gutsherr Baron Nicola von Vietinghoff als Pate zusammen mit (Dr2.1)Amalie Voegeli-Drescher als Patin deren ersten Tochter (V9.3b)Emma Antonie Ohlsvig zur Verfügung stellte, gemäss Kirchenbuch getauft am 30.06.1865, lässt vermuten dass die Grosseltern und Eltern des Kindes und der Baron in einem guten Verhältnis zueinander standen. (In anderen Quellen wird der Geschlechtsname Ohsoling statt Ohlsvig genannt und der Vorname Paul Woldemar statt August).
(V9.1)Anna Voegeli, geb. 1832, die älteste Tochter von (V8.4)Balthasar Voegeli-Ludwigh heiratete später einen Mann Namens Hardell, der später auf Kroppenhof Müller wurde. Wahrscheinlich handelte es sich um die Mühle bei der Brücke hinter dem Gut Kroppenhof am nahen Flüsschen Lobe dem Abfluss des kleinen Lobe-See.
(V8.4)Balthasar Voegeli-Ludwigh starb am 6.01.1870. Seine Frau (L1)Christine wenige Wochen später am 14.02.1870.
4.1.3. (V8.9)Johannes Voegeli-Kleinberg
Geboren am 17.06.1810 folgte etwa 11 Jahre später 1829 (V8.9)Johannes Voegeli-Kleinberg aus Rüti dem älteren Bruder (V8.4)Balthasar Voegeli (1801-1870) nach Livland. Er wird 1838 im Kirchenbuch Nr. 9 von Kroppenhof als Pate von (V9.4)Johann Balthasar Voegeli aufgeführt unter dem Beruf Viehzüchter.
Seine Enkelin, die verwitwete zweite Tochter seiner ersten Tochter (V9.9.1)Dorothea Rabensee-Voegeli, (V9.9.1b)Anna Wollner-Rabensee, geb. 1874 heiratete in zweiter Ehe am 29.06.1916 ihren verwitweten Onkel (V9.7)Paul Melchior Voegeli-Köhler (ein Sohn des (V8.4)Balthasar Voegeli-Ludwig, geb. 1801) der in Riga ein erfolgreiches Glaswarengeschäft führte. (V9.7)Paul Melchior Voegeli-Wollner floh 1919 mit seiner zweiten Frau (V9.9.1b)Anna und seinem Bruder (V9.4)Johannes Balthasar Voegeli-Drescher zusammen mit einigen Nichten von Riga in die Schweiz nach Enneda im Kanton Glarus wo seine Frau darauf als Stepperin in der Wollweberei Rüti AG in Rüti arbeitete. (In anderen Quellen wird der Familienname seiner Frau mit Rabensen aufgeführt).
4.1.4. (V8.12)Paulus Vögeli
Geboren am 30.7.1815 in Rüti hat er am 27.09.1834 in Glarus den Heimatschein bezogen um in die USA auszuwandern und ist seither verschollen.
Jedesmal wenn es der Familie (V9.4)von Johannes Balthasar Voegeli-Drescher pekuniär schlecht ging, pflegte seine Frau (Dr2.2)Amalie alle damit zu trösten, dass wohl bald „der reiche Onkel aus Amerika" käme und dann hätte alle Not ein Ende! Niemand glaubte mehr an diesen so reichen Amerika-Onkel, ja, die meisten ihrer Kinder dachten, dass ihr liebes Mamachen sich das ausgedacht hätte – aber es hätte wirklich eintreffen können! Dies hat (V10.6.1)Hansi Feldmann-Voegeli jedoch erst als junge Frau in Glarus im Archiv bestätigt gefunden, als ihr Mann Alfred Feldmann-Voegeli die Ahnen aus dem Genealogienwerk im Landesarchiv Glarus abschrieb, denn ein jüngerer Bruder, von (V8.4)Balthasar Vögeli, (V8.12)Paulus Vögeli war als junger Bursche anstatt wie seine 2 Brüder nach Russland – nach Amerika ausgewandert – nur hat man von diesem Paulus nie mehr etwas gehört. Was mag wohl aus ihm geworden sein?
4.1.5. Kroppenhof
Das Rittergut Kroppenhof liegt 62 km südöstlich von Riga am kleinen Flüsschen Lobe das westlich unterhalb von Ledemannshof in den Ogerfluss mündet und Richtung Riga kurz vor Uexküll in die Düna fliesst. Der Standort des Schlosses Kroppenhof ist in der Generalkarte über die Russischen Ostseeprovinzen von 1908 dargestellt, obwohl es damals schon nicht mehr existierte. Es umfasste um 1900 3466 ha unverkauftes Hofland. Dazu gehörten auch zwei Krüge (Bauernwirschaften die konzessionierte Getränke verkauften), der Kirchenkrug und der Lobeskrug. Im Plan sind diese Krüge mit einer Signatur eingetragen (Kreis mit einem nach rechts oben gerichtetem Fähnchen).
204.1.Beil.7.KPl Rig-Krop.4 Cb 07 01, Generalkarte 1908
043.Russisch Orthodoxe Kirche beim Rittergut
042.Lutherische Kirche 2 km südöstlich vom Rittergut
Die Angaben über die zwei vor 1905 zum Gut Kroppenhof gehörigen Beigüter Alt Kroppenhof und Eichenhof liessen sich nur noch in einer älteren Karte von 1839 finden, in der von Carl Gottlieb Rücker gezeichneten "Spezialcharte von Livland, herausgegeben von der Livländischen gemeinnützigen und ökonomischen Societät". Im Zeitraum von 1905- 1906 waren sowohl das Schloss Kroppenhof sicher und die zwei zugehörigen Gutsbetriebe Alt Kroppenhof und Eichenhof mit grosser Wahrscheinlichkeit Opfer der Bauernunruhen von 1905 geworden. In ihrer ohnmächtigen Wut brannte die aufständische lettische Landbevölkerung hunderte von Schlössern als auch adlige Gutshöfe nieder.
Am alten Standort des Rittergutes steht eine Russisch Orthodoxe Kirche. 2 km weiter südöstlich befindet sich eine Evangelisch Lutherische Kirche.
204.2.Spezialcharte von Livland, herausgegeben von der Livländischen gemeinnützigen und ökonomischen Societät von 1839
204.3.Satellitenbild des Gebietes von Krape 2013Auf dem Satellitenbild sind kaum noch Überreste der drei Anlagen zu erkennen. Auch im Gelände haben wir bei unserem Besuch keine eindeutig den alten Gutshöfen zugehörige Bauteile mehr feststellen können.
Das Schloss Kroppenhof muss nordöstlich von dem im Westen liegenden Ledemannshof herführenden Strasse gelegen haben, gleich gegenüber der nach Südwesten wegführenden Strasse. Der Gutshof Eichenhof lag nahe dem Übergang über das kleine Lobe-Flüsschen. Auf dem Satellitenbild mit Krapes Muiza bezeichnet. Auf der nördlichen Seite der Brücke liegen noch Bauteile einer ehemaligen Mühle. Auf den Fotos des ehemaligen Ritterschlosses besteht der Eindruck, das Gebäude liege auf einer leichten Anhöhe. Diese Anhöhe konnten wir bei unserem Besuch auf dem Gelände nicht ausmachen.
Der ehemalige Gutshof Alt Kroppenhof muss an der vom Ledemannshof am Ritterschloss Kroppenhof und am Gutshof Eichenhof nach Südosten vorbeiführenden Strasse gelegen haben, auf dem Satellitenbild mit Vekrape bezeichnet, was die lettische Übersetzung für Alt Kroppenhof ist.
Durch die seit 1920 durchgeführten Meliorationsarbeiten an den landwirtschaftlichen Flächen besteht keine Gewähr, dass die Strassenführung und Landeinteilung im Satellitenbild und auf der Generalkarte von 1908 noch identisch ist.